Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 79 (3.7.1838)
- Date
- 1838-07-03
- Page
- Seite 319 (sequence 3)
- Language
- German
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519 ist nicht allein nicht die Rede, sondern die Lehre des A. T. ihm geradezu entgegen. Ja, die alttestamentarische Erkenntniß prämittirt sogar einen Unglauben, und gibt ihm erst dann die Sündhaftigkeit, wenn ec aus der Verwerfung der dargebotenen Mittel hervorgeht. Aus Diesem sehen wir denn ab, daß der so oft den Juden angeheuchelte Vorwurf, als ob sie von dem A. T. zur christlichen Dogmatik übergehen könnten, aber nicht wollten, und woraus denn die salbungsvollen, aber niederträchtigen Redensarten der Herzenshartigkeit, der Verstocktheit rc. fließen, eitel Lug und Trug ist, sondern daß das A. T. jener Dogmatik schnurstracks gegenüber steht, und wir zu ihr nur mit der Vernichtung des A. T. gelangen können. Allerdings kann weder das N. T. noch die christliche Dogmatik ohne das A.T. bestehen, weit der ganze Begriff der Offenbarung aus diesem genommen, und in diesem fundirt ist — auch ist wol die eine und die andre moralische und.religiöse Idee im N.T. weiter ausgeführt — aber gegenteilig kann das A. T. nicht mit der christt. Dogf matik bestehen, und insofern man diese aus dem N. T. Herleiter, auch mit diesem nicht, weil sie sich beide widespresprechen, und in ihren Grundideen gerade das Entgegengesetzte lehren. 'Wie dies mit dem Begriffe einer göttlichen Offenbarung übereinstimme, da mag man Zusehen, wie man damit fertig wird, wir brauchen es natürlich nicht. Unsere Religion sagt uns bestimmt: die Rechtfertigung hangt von Euch, von Eurem Geiste und Eurem Thun ab; die unendliche Barmherzigkeit ist bereit, Euch zu versöhnen — und zur Unterstützung dessen und Förderung ist der Versöhnungsrag eingesetzt. Aufmerksam zu machen, wollen wir hier nicht unterlassen, daß gerade hieraus mehr Argument für die persönliche Fortdauer fließt, als wie aus irgend einem andern Satze. Es ist natürlich, daß jetzt, wo die Juden kräftig genug geworden, die Waffen zu tragen, die Polemik der Kirche lebhafter wird, wie denn in diesem Augenblicke wieder ein ähnliches Werk in Cöln die Presse verlassen. Um so nothwendiger wird es, ein für allemal die Basis zu geben, aus der wir zu entgegnen haben. Allerdings sind wir Jünger und Bekenner des Alten Testaments! Hätte nur Herr F. gesagt, das A. T. enthalt die Wahrheit nicht, ihr müßt das A. T. verlassen, und aufgeben, so hatte er wenigstens für sich die Wahrheit ge-! redet. Nun er sich aber auf das A. T. beruft, und aus diesem widerlegt sein wollte, so ist er sehr irrthümtich zu Werke gegangen, und hat es nun. Mit dieser allgemeinen Abweisung haben wir nun freilich dem vr. F. den Boderr weggezogen, auf dem er fußet. Um so weniger wird das Einzelne haltbar sein, müssen uns jedoch noch mit Einigem beschäftigen. Alles zu besprechen, erlaubt Zeit und Raum nicht. Der Widersprüche in Fischers Schrift sind wirklich nicht wenige. Aus der einen Seite wird auf den Jndifferentismus der Christen geschimpft, auf der. andern wird wieder daraus den Juden ein Vorwurf gemacht, auf der einen die Rabbanitm der Verdrehung des A. T., auf der andern die Modernen der Apostasie vom geoffenbarten Gesetz schuldig erklärt. Das Lächerlichste ist aber, was F. über Emancipation sagt. Er will durchaus die Juden erst emancipkren, wenn sie Gefangene wären. Und so lange sie die frische Lust genießen können, halt er sie nicht für Gefangene. Daß der Jude von Hamburg nach Altona, von Hannover nach Hildesheim, von Frankfurt nach Mainz, von Dresden nach Leipzig, von Dessau nach Aken an der Elbe sich nicht translociren kann, das heißt ihm nun keine Gefangenschaft. Das der Jude in dem einen Orte nicht einmal Schuhmacher, in dem andern nicht Tagelöhner, in dem dritten kein Bauer werden kann, das heißt ihm keine Gefangenschaft. Was hat der Mann für einen weiten Begriff von der Freiheit! Eben so kann es wahrlich! den Juden in der neuesten Zeit nur noch zum Ruhme gereichen, wenn er (S. 72) meint, daß zwar keine offene Feindseligkeit zwischen den älteren und neueren Juden Statt findet, sie aber doch am Rande des Hasses hingehm. Denn wenn man der gegenwärtigen Stellung der Katholiken und Protestanten nach den verflossenen drei Jahrhunderten gedenkt, so wird der Herr F. nicht leugnen können, daß ein großer Fonds des Friedens in den Juden ist. Wie er denn doch wohl bemerkte, daß jetzt allwege Schritte zur Eintracht gethan sind, und das gemeinsame Ziel immer deutlicher entgegentritt. (Schluß fehlt.) i Correspsndenzeir, Auszüge, Repli ken. Berlin, im Juni. Allgemeine und besondere Verhältnisse. Aus dem Leben und Treiben der hiesigen Residenz hervor, erheben sich die Interessen der Juden, will man wahr mit sich selbst sein, nicht sehr über die gewöhnliche Mündung dev Alltagslebens. Sie dringen nicht, so wie man es gern glauben machen möchte,