Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1855)
- Date
- 1855-05-28
- Page
- Seite 288 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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288 chenstühle für 600 Dollars haben, die nicht das Land verlassen, wenn sie Geld haben, wie der Vertreter von Santa Cruz den Juden nachsagt, sondern wenn sie anderer Leute Geld gestohlen haben. Er blicke auf unsere Verbrecherlisten, er gehe in unsere Zuchthäuser, findet er da Juden? Gewiß nicht. Dort sitzen die kleinen Diebe, Einbrecher, Mörder, während die großen in den einflußreichsten Stellen deS Staates, an den Gerichten rc. zu finden sind; aber sie find keine Juden. „Wir fragen ihn ferner: Hat ein Jude sich bei der Corruption betheiligt, die alle unsere Verhältnisse vergiftet hat? Haben die Juden auch nur den entferntesten Antheil genommen an allen den Scandalgeschichten, die unsere Magistratur anrüchig in der ganzen Welt, unsere Verwaltung an den Rand des Bankerottes gebracht haben? Wo Juden im Amt waren, haben sie eS würdig ausgefüllt. Auf der Dank der Supreme Court sitzt ein jüdischer Richter, in allen andern Verwaltungszweigen treffen wir Juden, ihre WohlthätigkeitSanstalten find mit die am besten verwalteten, und der ärmste unwissendste Jude im Staate dürfte noch ein Solon sein, im Vergleich zu dem Vertreter von Santa Cruz County. „Wer sagt denn dem Herrn Vertreter von Santa Cruz County, daß die Juden das Land verlassen, wenn sie Geld verdient (nicht gestohlen in feinen, frommen Shavings - Banks), daß sie keine Häuser bauen, dem Lande nichts nützen? In Sacramento allein haben von 100 Juden 4b ihr Vermögen in Grundeigenthum angelegt, von denen 3b Backstein- Häuser besitzen. Hier in San Francisco bezahlen 20 Juden allein Steuer für zwei Millionen Doll. Grundeigenthum. Ueberall, bis in die höchsten Gipfel der Sierra Nevada, trifft er den Unternehmungsgeist dieses Volkes. Der Jude hält keine Trinkhäuser, squattert kein Land, man wird vergeblich sich in den öffentlichen Häusern nach jüdischen Dirnen umfehen, das jüdische Weib kennt die Prostitution nicht, in deren Arm sich die frommen Heuchler wälzen. Aber ihre Betriebsamkeit ist den Faullenzern ein Dorn im Auge, und daher das Nothgeschrei. In unseren Städten bauen die Juden Synagogen von Stein, in denen kein Andersdenkender verketzert wird, in denen man nicht die giftige Saat religiösen Fanatismus ausstreut, sondern eine einfache Moral lehrt. DaS Judenthum würde einen Mann, wie den Senator von Santa Cruz County, ausstoßen, der in solcher Weise Andersdenkende verketzerte, und so den Namen seiner eigenen Religion brandmarkte." Anzeigen. Rabbinerconferenz in Gießen. Aehnlich und im Sinne der im November vorigen Jahres zu Wiesbaden stattgehabten Rabbinerconferenz (m. S. Nr. 50. 51. des vorigen Jahrgangs d. Bl.), soll kommenden 11. Juni Morgens 9 Uhr eine zweite Conferen; dahier zu Gießen gehalten werden, zu welcher ich meine geehrten Herren Collegen von Nah und Fern mit der ergebenen Bitte hierdurch einlade, daß sie ihre Geneigtheit, derselben beizuwohnen, mir zum wenigsten 3 Tage vorher brieflich anzeigen möchten. Dr. Levi, Großherzogl. Rabbiner der Provinz Oberheffen. Gießen, den 17. Mai 1855. Vorbeter-Gesuch. Die israelitische Gemeinde zu Leipzig wünscht vom nächsten 1. September an einen musikalisch gebildeten, mit einer guten Stimme begabten Cantor (*,Tn), der einen Sängcrchor zu leiten versteht, anzustellen. Darauf Rcflectirende werden ersucht, sich unter Beifügung von beglaubigten Zeugnissen über ihre Befähigung und ihren moralischen Lebenswandel in frankirten Briefen an Herrn Joseph ZNerseld, Firma: Gebrüder Merfeld, in Leipzig baldigst zu wenden. Per Vorstand der hies. israel. Religio ns gemeinde. Leipzig, den 23. Mai 1855. Coneurs. Bei der israelitischen Cultus - Gemeinde zu Ga lisch- Jcnikau in Böhmen ist die Rabbinerstelle erledigt, mit welcher ein fixer Gehalt von Fl. 400—500 C.-M. nebst freier Wohnung und anderweitiger Emolumente verbunden ist. — Erfordernisse für Bewerber um diesen Posten find: gehörige Ausweise über gründliche Kenntnisse des Talmuds und der Casuistik, des Predigens in deutscher Sprache und der Befähigung, -die in Galtsch-Jenikau bestehende hebräisch-deutsche Schule zu überwachen. Die Herren Candidaten wollen ihre Gesuche bis 15. Juli l. I. an den Gemeinde-Vorstand zu Galtsch-Jenikau portofrei einsenden. Galtsch-Jenikau, 15. April 1855. In hiesiger Gemeinde, in welcher ein reformirter Gottesdienst eingejührt werden soll, wird zum Anfang des Iah-