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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-28 · Heft 22 (28.5.1855) · p. Seite 285

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 22 (28.5.1855)
Date
1855-05-28
Page
Seite 285 (sequence 9)
Language
German
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285 Haft zur Ehre gereichen. Wir haben beispielsweise hier zwei Werke im Auge, deren Fortsetzung gewiß von einem jeden Freunde der Wissenschaft aufs Lebhafteste gewünscht wird, nämlich das hebräische Wörterbuch, welches von dem Rabbiner D. Löwy in Amschelberg unter dem Titel pcb vor einigen Jahren herausgegeben wurde und für die hebräische Lericographie so förderlich zu werden versprach, von welchem aber bis jetzt nur zwei Hefte erschienen sind, und den Erech Millin von Rapoport, dessen erster Theil bekanntlich nur durch Munificenz des sel. Fische! in Prag erscheinen konnte und auf dessen Fortsetzung schwerlich zu rechnen sein dürfte, nachdem der genannte Mäcen leider zu früh verblichen ist. Der jüdischen Literaturgesellschaft würde es aber gewiß zum Ruhme gereichen, daS Erscheinen eines solchen Werkes ermöglicht zu haben und Sie, Herr Redacteur, als Gründer derselben, würden hierdurch Ihrem Verdienste die Krone aufsetzen. Preußen. Berlin, 13. Mai. (Privatmitth.) Sie haben meine Erklärung längst in Händen und Ihre Leser find Zeugen, daß ich meine der Neuorthodorie geweihte Zuchtruthe bei Seite gelegt habe, nachdem die Gezüchtigte in eine Lage versetzt worden, von welcher aus fie dem Judenthum, der Gemeinde und Einzelnen weniger schaden kann. Es war überhaupt von jeher meine Neigung und Gewohnheit, Unterdrücker im Bcfitze der Macht anzugreifen, den Gefallenen hingegen, je nach ihrem Verdienste, Beistand, Theilnahme, oder Mitleiden angedeihen zu lassen; die Neuorthodorie ist aber eine Gefallene, wie keine in den Annalen der jüdischen Commune, denn während fie im vorigen Jahre noch geträumt und gedroht hat, ihre verächtlichsten Anhänger in die Verwaltung zu bringen, sind jetzt ihre Häupter hinauSgestoßen, denn ihre Handlungsweise ist gewürdigt, ihr Streben entlarvt und die Gefahr ihres Einflusses erkannt. Und nun gar hat sich der Schutzpatron der so lauten JudenthumS-Verkünderin, der eifrige Fechter der mit dem Baruch zur Zionswächterei Schacher treibenden Rotte mit klingendem Spiele aus dem Lager der Juden entfernt! Unter solchen schweren Unglücksfällen wäre es Sünde und unedel, die gefallene Partei anzugreifen, so fremd ihr selbst sonst auch die Gefühle des Mitleids, der Toleranz und der Barmherzigkeit find, und ich bin daher weit entfernt, einen Kampf wieder aufzunehmen, den ich mit Widerwillen geführt, aber mit Sieg beendigt habe. Aber ich habe hier noch eine Schlußfcene des neuorthodoren tragikomischen Spiels zu erwähnen, weil dieselbe so eng mit der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" zusammenhängt: Der beseitigte Vorstand hatte meine der Neuorthodorie durch das ganze vorige Jahr hindurch gesagte Wahrheiten in der Allg. Zeit. d. Jud. ruhig eingesteckt, und erst als er sich durch mich und wegen meiner gestürzt sah, denuncirle er wegen beleidigter Amtswürde. Es ist nur gerecht, zuzugestehen, daß die Herren in der angemessenen Lage waren, gegen mich klagbar zu werden, so wenig ich umgekehrt bei den verschiedenen von der Partei erfahrenen Unbilden von der Fähigkeit, gerichtlich zu verfolgen, Gebrauch machte, und es ist nur befremdend, daß sie mit ihrer Denunciation so lange gewartet haben. Die Denunciation, unterzeichnet „Heymann, Benda, Michelt Salomon", ist erst am 31. October bei der Staatsanwaltschaft angelangt, während die Briefe aus dem Februar darin angeklagt sind. Allerdings konnte ein anderer, mit einem andern Gegner geführter Proceß durch den AuSgang nicht zu weitern Processen aufmuntern. Meinerseits habe ich eine persönliche Beleidigung der Herren wirklich nicht beabsichtigt, und nicht beabsichtigen können, wenn ich meine Stellung zu würdigen verstand, aber ich war auf die Klage gefaßt und die öffentliche Seite derselben konnte mir einen Schauplatz gewähren, der Neuorthodorie vor den Augen der Welt die Larve abzureißen. Und diesen Zweck habe ich am 1. Mai glücklich erreicht: Vor dem Stadtgerichte am l3. Februar zum ersten Male in meinem schon langen Leben auf der Anklagebank, konnte ich nicht die Stimmung finden, die von mir bekämpfte Richtung ausführlich zu beschreiben, und da ich weniger aus meine Vertheidigung, als auf jenen Zweck bedacht war, so wurde ich ju 10 Thalern Strafe statt 300, oder 7 Tage stall 6 Monate verurtheilt. Weniger dieser Slrafe, als des genannten Umstands wegen appellirte ich, und beim Kammergerichte am 1. Mai war es, wo ich mir der einfachen Beredtsamkeil tiefer Ucberzeugung auseinandersetzte, wie die Neuorthodorie Judenthümelei statt Judenthum eingeführt, wie Haß und Bosheit, Ver- 22

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