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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-28 · Heft 22 (28.5.1855) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 22 (28.5.1855)
Date
1855-05-28
Page
Seite 283 (sequence 7)
Language
German
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283 Herr Dr. Adler früher als Landrabbiner hier in der Synagoge inne hatte, war auf finnige Weise auSgefchmückt und über demselben waren drei Kronen angebracht, von denen die eine trrcn -iro, die zweite nxD ->ri2 (Herr Dr. Adler ist nämlich ein Cohen) und die dritte darüberstehende 212 va -irs überschrieben war. Außerdem wurde dem Herrn Dr. Adler zu Ehren von Seiten des Gemeindevorstandes ein Festessen veranstaltet, an welchem sich fast sämmtliche Gemeindemitglieder betheiligten. Nachdem sich letztere versammelt hatten, wurde Herr Dr. Adler von den beiden Vorstehern abgeholt, zuerst in das VerfammlungSzimmer geführt und dann nach dem herrlich auSgefchmückten Speisesaal geleitet, woselbst er mit Musik empfangen wurde. Am Eingänge desselben waren als Ueberfchrift die Worte 17722 rrrr ib a-isb ■roSsi n:'n Nb-' zu lesen und in der überaus schönen Draperie im Innern fanden sich vielfache Anspielungen theils auf seinen Namen theilS auf die drei Rabbinate Oldenburg, Hannover und London, die er bisher verwaltet hat. So waren z. B. seinem Sitze gegenüber drei Adler mit dem Wappen Oldenburgs, Hannovers und Englands angebracht und Alles bis auf das Confect hinab, auf welchem die Stelle aus 1 Chron. 15, 1. stand b-rrr 7b 2-7 o-nbsrn ynsb m?2 -p-7 (wo mit dem Worte bn» wiederum auf Oldenburg, Hannover und London angespielt war), stimmte in die Feier deS Tages ein. An der Tafel selbst herrschte Frohsinn und Heiterkeit und alle Anwesenden, wie verschieden auch sonst in ihren religiösen Ansichten, waren doch hier von einem und demselben Gefühle belebt, nämlich von der aufrichtigsten Anhänglichkeit und Verehrung gegen den Mann, dem zu Ehren daS Fest veranstaltet war. Die herrlichsten Speisen, von der in ihrer Art ausgezeichneten Restauration deS Herrn Spanier*) ge¬ *) Es ist auch in diesen Blättern schon mehrmals darauf hingewiesen worden, wie wichtig für die Erhaltung des religiösen Sinnes eine gute koschere Restauration in solchen Städten sei, in denen sich eine größere Anzahl junger Leute vorfindet oder welche häufig von Fremden besucht werden, und wir halten es für ein nicht geringes Verdienst von Seiten der Rabbiner oder Vorliefert, wechselten mit sinnigen und heiteren Toasten, wie sie der Würde der Feier entsprechend waren. Eröffnet wurden dieselben von dem ersten Vorsteher, Herrn Hofagenten KoSman Berend, der mit sinniger Anwendung einer Mifchnahstelle die Verdienste deS Gefeierten um unsere Gemeinde hervorhob, seiner früheren segensreichen Wirksamkeit in unserer Mitte gedachte und, aus die Schriftworte '737 7:p -1-?- -10:3 hinweisend , die Bitte an ihn richtete, auch ferner unserer Gemeinde feine Liebe und seine Anhänglichkeit zu erhalten. Sichtlich gerührt, erwiederte Herr Dr. Adler, indem er für die ihm erwiesene Ehre aufS Innigste dankte und seine Freude darüber auSdrückte, wieder einmal in seiner lieben Vaterstadt unter seinen alten Freunden zu weilen, die Zeugen aller seiner Erlebnisse gewesen, die mit ihm geweint und mit ihm gelacht hätten und er bekannte, daß, obwohl er sich auch in seinem jetzigen Wirkungskreise einer aufrichtigen Liebe und Anhänglichkeit zu erfreuen hätte, ihn doch recht oft eine wahrhafte Sehnsucht nach seinen lieben Hannoveranern ergreife; zugleich versicherte er, daß die Erinnerung an diese und namentlich an eine Ehre, wie die ihm so eben erwiesene, eS fei, welche in Augenblicken, wo ihn die Bangigkeit beschleiche, ob er wohl allen den Anforderungen und Ansprüchen, die insbesondere in seinem jetzigen schwierigen Berufe an ihn gemacht würden, zu genügen im Stande sein möchte, ihn ermuntere und mit neuer Kraft und frischem Muthe an die Erfüllung seiner Berufspflichten gehen lasse. Was seinem Herzen aber besonders wohlthue, sei die Wahrnehmung, daß in den zehn Jahren, seit denen er von Hannover geschieden, der Geist in der hiesigen Gemeinde noch immer derselbe geblieben sei und daß der Wechsel in den Personen der Seelsteher in Gemeinden, wie die bezeichnetcn, wenn sie auf die Gründung solcher Rcstaurarionen ernstlich bedacht find. Unsere Gemeinde erfreut sich eines solchen Völliges in der obengenannten Restauration des Herrn Spanier, welche Sauberkeit mit Schmackhaftigkeit der Speisen und Billigkeit im Preise verbindet, so daß nicht blos viele jüdische Familien hirrsclbst das ganze Jahr hindurch sich von derselben speisen lassen, sondern auch eine große Anzahl junger Leute, zuweilen sogar Christen, dort ihren Tisch haben und von ihr gilt buchstäblich das Wort des Propheten 3-2:“ 2-2-17, weil sie viele junge Leute abhält, an der labte d’boie in christlichen Hotels zu speisen. Dem reisenden Publikum empfehlen wir die genannte Restauration hiermit aufs Angelegentlichste.

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