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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-28 · Heft 22 (28.5.1855) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 22 (28.5.1855)
Date
1855-05-28
Page
Seite 282 (sequence 6)
Language
German
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282 In schön geschriebener hebräischer Prosa, die von vier Elegien unterbrochen wird, schildert der Verfasser die bitteren Leiden, welche die von Frankreich hereinbrechenden Kreuzfahrer über die jüdischen Gemeinden zu S p e i e r (6. Mai), WormS (2l. und 28. Mai), Mainz (30. Mai), an verschiedenen Ortschaften des Rheingaues, zu Cöln (2. Juni), Neuß (28. Juni), Coblenz (29. Juni), Andernach (29. und 30. Juni), Lauter (30. Juni), MoerS (3. Juli), Kerpen, Geldern, Trier. Metz, Regensburg und kV® (?) vom 6. Mai bis zum 4. Juli 1096 brachten, den TodeSmuth, die Gläubigkeit, die Aufopferung der jüdischen Väter und Mütter, Söhne und Töchter, Jünglinge und Greise! Zweiten-: ein Sendschreiben an die Juden in Deutschland über die Vo^üge der türkischen Länder und der muhamedanischen Regierung von R. Isaak Zarfati, Sohne des Salomo Leroi (•jVan). Dr. Jellinek führt diesen Brief folgendermaßen ein: „R. Isaak Zarfati, d. h. der Franzose, stammte von einer französischen Familie ab, wurde in Deutschland geboren, wo er dem Studium des Talmuds oblag, der ihm sehr geläufig ist, beschäftigte fich auch mit den Elementen der Kabbala, wanderre später nach den unter türkischer Herrschaft stehenden Ländern aus, wo er fich sehr wohl fühlte. Zwei deutsche Landsleute, R. Kalman und R. David Cohen, die ihn besucht hatten, erzählten ihm von den Leiden, denen die Juden in Deutschland (besonders in Schwaben, am Rhein, in Steiermark, Mähren und Ungarn) und in der Lombardei — die unter deutscher Herrschaft stand — preisgegeben waren, von denen er schon vor mehr als zehn Jahren gebört hatte und die er selbst in seinem Sendschreiben schildert. Die Geistlichkeit hatte nämlich daS Volk gegen die Juden gehetzt und das Gerücht ausgestreut, die Letztern hätten den ZionSberg als Eigenthum erworben und würden auch das heilige Grab an fich kaufen. Man fiel daher über die Juden her, tödtete, verbrannte oder nöthigte Viele, die Taufe anzunehmen; man verbot ihnen, das Gesetz öffentlich zu lehren, daS Schema („Höre Israel, der Ewige unser Gott ist ein einig-einziges Wesen") zu beten, die Andacht in Gemeinschaft von zehn Personen zu verrichten, an christlichen Festtagen irgend ein Geschäft zu treiben; man beraubte fie ihres Vermögens, erdrückte fie durch mannichfache Steuern, und der letztere Punkt wird mit einem merkwürdigen Humor und mir zahlreichen stylistischen Pointen dargestellt. Ein Deutscher — sagt R. Isaak — stellt fich recht fteundlich und nimmt eine fast kindlich-unschuldige Miene an gegen den Juden, wenn er nur mit Leckerbissen und gutem Wein tractirt wird, bald aber verlangt er Geld, das er durch alle erdenkliche Qualen zu erpressen versteht, dann nimmt er ihm die Kleider weg, endlich tödtct er ihn, nachdem er seine gegebenen Versprechungen durch Kniffe illusorisch zu machen gesucht hatte. Auch hatte man den Juden nicht gestattet, die Wasserstraße nach Jerusalem zu benutzen, und das veranlaßte R. Isaak, seinen beiden Landsleuten ein offenes Sendschreiben an die Juden in Deutschland mitzugeben, das einige Rabbiner und sein Bruder Benjamin durch Abschrift weiter verbreiten sollten, und worin er die Vorzüge der Türken und der türkischen Länder rühmt, seinen Glaubensgenossen den Rath erlheilt, Deutschland zu verlassen und auf einem Landwege durch türkisches Gebiet über Aegypten nach Jerusalem zu reisen. Unter der milden türkischen Herrschaft würden fie ftei und geachtet sein, Geld erwerben, keine drückende Steuern zahlen und ihrer Religion treu bleiben, ohne Opfer zu bringen. Dies Alles wird in Reimprosa, mit zahlreichen feinen Pointen und talmudischen Wortspielen dargestcllt, so daß dieses Sendschreiben schon in stylistischer Beziehung höchst interessant ist. Die Zeit der Abfassung ist, nach meiner Anfichr, der Anfang des 13. Jahrhunderts, und den historischen Hintergrund bildet der dritte von Kaiser Friedrich Barbarossa (1189) unternommene Kreuzzug. Der Code:, nach welchem das Sendschreiben hier abgedruckt wurde, befindet fich in der kaiserlichen Bibliothek zu Paris (aocien lon6s No. 291) und die Copie besorgte mir der rühmlich bekannte Hr. B. Goldberg." (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hannover, Anfangs Mai. (Privatmitth.) Bor einigen Tagen war das Leben in unserer Gemeinde reger als sonst. Herr Oberrabbiner vr. Adler aus London, welcher bekanntlich früher 1» Jahre Hierselbst Landrabbiner war, hatte fich nämlich nach seiner Rückkehr von Hamburg hier einige Tage aufgehalten und der Gemeindevorstand hatte fich beeilt, demselben mannichfache Beweise zu liefern, daß die Verehrung und Hochachtung, deren jener fich früher im Schoße unserer Gemeinde überall erfreute, auch noch jetzt unverändert dieselbe geblieben sei. Der Platz, welchen

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