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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-28 · Heft 22 (28.5.1855) · p. Seite 281

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 22 (28.5.1855)
Date
1855-05-28
Page
Seite 281 (sequence 5)
Language
German
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281 Zukunft schauen und die Seelen der Abgeschiedenen sehen kann, und daß Gott dem Menschen Leidenschaften verliehen, weil sie die Basis alles menschlichen Wirkens auf Erden ausmachen. Wäre der Sterbliche nicht der Leidenschaft unterworfen, so würde er um seiner Endlichkeit willen nicht arbeiten, die Menschheit würde sich nicht fortpflanzen, Gott müßte immer Neues schaffen und ein continuirlicher, traditioneller Zusammenhang zwischen den verschiedenen Menschengeschlechtern wäre unmöglich. Das Streben des Verfassers, den menschlichen Körper bis ins kleinste Detail als das Abbild des Makrokosmos, als einen Mikrokosmos darzustellen, in welchem der Geist als das Ebenbild der Gottheit waltet und wirket, ruft einerseits den Gedanken in ihm hervor, daß die Physiognomik der Astrologie parallel sei, und führt ihn andererseits zur Begründung des Glaubens, daß die Seele unsterblich sein müsse! — Das Ebenbild Gottes wird von Donolo. noch auf eine andere, ich möchte sagen emanistisch-physikalische Weise erläutert. Wie Gott nämlich — nach der Anschauung des Buches Jezira III, 3 — aus seinem Geiste den Hauch oder die Luft (mach me-ruach), aus der Luft das Wasser, durch beide das Feuer, aus diesem die Erde cmaniren ließ, und aus diesen vier Elementen : Luft, Wasser, Feuer und Erde das Weltall oder den großen Menschen schuf: so setzte er den menschlichen Körper aus vier bumores, analog den vier Elementen, zusammen, und es gleicht der Mensch daher dem Makrokosmos, hat aber auch mit Gott Aehnlichkeit. Denn aus dem Lcbensprincip des Menschen geht der Geschlechtstrieb (mach me-ruach, analog der Luft), durch beide der semen (gleich dem Wasser), der durch die Hitze des Gcschlechtsttiebes im uterus erwärmt wird (also das Elenrent des Feuers), aus diesem der feste Körper (welcher der Erde entspricht) hervor, und so schafft der Mensch aus sich heraus ebenfalls einen Mikrokosmos. Wie aber Gott durch den Emanationsproceß nichts an seinem Wesen eingebüßt, so rhut der Zeugungsact dem vitalen Principe des Menschen keinen Abbruch, da Adam der Stammvater einer so großen Reihe von Geschlechtern ist. Ucbrigens hat Gott dem Menschen die Fähigkeit verliehen, die vier Elemente hervorzubringen, damit er eine Ahnung von der göttlichen Schöpferkraft habe. Der Mensch haucht, und es entsteht Luft; trifft der Hauch ein hartes Object, so wird dieses feucht; setzt er zur Sommerzeit ein Glas Wasser der Sonne gegenüber und bringt ein Stück Zunder in die Nähe desselben, so wird dieses von dem durch das Wasser fahrenden Sonnenstrahl entzündet werden; erhitzt man einen kupfernen, mit Wasser gefüllten Kessel jahrelang ununterbrochen und zerbricht ihn dann, so wird man eine feste, starke Masse in ihm finden; in einem Weinfaß bildet sich im Laufe der Zeit Weinstein: so kann der Mensch sich selbst überzeugen, wie aus Luft Wasser, aus Wasser Feuer, aus Wasser und Feuer etwas Festes sich gestaltet und dadurch einen Begriff von der Schöpfung erlangen. Diese Möglichkeit des Begreifens und des Erperimentirens macht ihn Gott ähnlich! " — Der Dr. Jellinek zeigt übrigens den großen Einfluß nach, welchen die kleine Abhandlung auf die Späteren gehabt hat. — Ferner: -1L172 ma« R. Salomo Alami's Sitienlehren in Form eines Sendschreibens an einen Schüler, im Jahre 1415 in Portugal geschrieben. Leipzig, 1854. Dr. Jellinek bemerkt hierüber in dem Vorwort Folgendes: „R. Salomo Al'ami, ein Zeikgenosse des R. Simon Duran (y^ann), war Zeuge der blutigen Verfolgungen, deren Opfer die Juden Cataloniens, Castiliens und Aragoniens i. I. 1391 waren (s. Juchasin 133" ed. Krakau; Jost, Geschichte der Juden VII, 54 ff.), und die schweren Leiden, die sein Volk trafen, beugten ihn nicht zu Boden, sondern regten seinen Geist zum Nachdenken an, kräftigten sein sittliches Bewußtsein, erfüllten ihn mit einem Feuereifer und machten seine Lippen beredt, um mit prophetischer Begeisterung ein Sittengcmalde seiner Zeit zu entwerfen und den Verfall der edlen und schönen Seiten des jüdischen Lebens zu schildern. So entstand dieses Sendschreiben, das nicht blos ein wichtiges Actenstück der Leidens- und Sittengeschichte der Juden bildet (vgl. S. 23 über Josef Jbn 'Aknin, den Schüler Maimuni's), sondern die herrlichsten Lehren für alle Elasten der Gesellschaft enthält, die Jedermann seinem Herzen tief einprägcn soll. Aus ihm mögen die Reichen, die Angesehenen, die Gelehrten, die Kauflcutc, hie Rabbincn, die Vorsteher, die Reformer und die Pilpulheroen lernen, welche Aufgabe das Judcnthum seinen Bekennern stellt! Wenn aber der Verfasser seine Zeit mit schwarzen Farben darstcllt, „so bleibe dies — wie Zunz (Wiener Jahrb. IV, 81) bemerkt — ein schönes Zcugniß für das Judcnthum, daß es niemals seine Bekenner hat in der Irre gehen lassen, daß wir in seinen Lehren stets die Mittel und den Muth zum Zurechtweisen gcftlnden." — Ferner: Zur Geschichte der Kreuzzügc. Leipzig, 1854. Es enthält diescs.Hcft zuerst *frnn m-ira cnarip Bericht über das Jahr 1096 von R. Elieser ben Natan auS Mainz.

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