Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1855)
- Date
- 1855-05-28
- Page
- Seite 280 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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280 ertheilt wird, scheint unS unverdient, ja zum Theil Unrecht. Was ist daS für eine Heldenthat von Einem, der stirit, einen Theil dessen, was er doch nicht mehr brauchen und behalten kann, schnell noch anzuwenden, um sich Ehre, ja Ruhm, wo möglich auch den Himmel zu erkaufen! Was sollte Herr Juda Touro mit seiner halben Million Dollars nach dem Tode anfangen, La er weder Frau, noch Kinder, noch Geschwister hatte? Nein! trennt Euch bei Lebzeiten von einem Theile Eures Mammons, schafft Euch die Freude, daS Gute selbst einzurichten und vor Euren Augen erblühen zu sehen — und wir wollen Euch selig preisen!.... Fürwahr! so ergreift uns dennoch fteudige Hoffnung, wenn wir in die Zukunft blicken, und aus mannichfaltigen Täuschungen erhebt sich die Zuversicht: ja, in der Ferne wird es offenbar, was des Herrn Rathschluß will! .. . Seid mir gegrüßt, Alle, die Ihr geraden Herzens seid, und redlich und offenmüthig meinet und sprechet um Israel! Literatorbericht. (Fortsetzung von Nr. IV.) Reihen wir hier noch eine Anzahl kleiner Publicationen deS Herrn vr. Jellinek an, der sein vorgesteckteS Ziel mit der rühmlichsten Beharrlichkeit verfolgt. Zuerst 13QV2L2 ü*ir r*t»3 avro von dem Arzte R. Schabtai Donolo (geb. 913.), Leipzig, 1854. Es ist dies eine Einleitung zu dem Werke l'aclikemoni oder Obakmoni dieses genialen Mannes, hier nach einer Handschrift der k. Bibliothek zu Paris herausgegeben. Aus der Einleitung des vr. Jellinek heben wir den §. 3. hervor, welcher die Schrift charakterifirt, die Anmerkungen hinweglaffend. „Die Lehre, daß der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen (6ene§. 1, 26), ist die wichtigste und fruchtbarste deS MosaiSmus; sie allein war mächtig genug, das Heidenthum in seinen Grundfesten zu erschüttern und tragt in sich die Keime der höchsten Religionswahrhciten. Während das Heidenthum der dunkeln, im Herzen tief ruhenden Ahnung eines Höhcrn, zu welchem der Mensch in einem Verwandtschaftsverhältnisse steht, keinen andern Ausdruck zu geben vermochte, als indem er dieses ungckanme aber geahnte Höhere vermenschlichte und daher zum Polytheismus gelangte, hat der MosaiSmus umgekehrt den Menschen erhoben, indem er ihm das Gepräge der Gottheit aufdrückte und ihn als das Ebenbild des Höchsten darstellte. Lenes. 1, 26 ist daher die Wurzel, aus welcher der MosaiSmus sich entfaltete, zu einem reich belaubten Baume heranwuchs, unter dessen Schatten Millionen Menschen Ruhe und Frieden fanden. Allein die Gottähnlichkeit des Menschen gab sowohl in der Synagoge wie in der Kirche zu vielen Jrtthümern Veranlassung, indem Anrhropomorphieen und Anthropopathieen auf Gott überttagen wurden. Die älteste Kirche setzte das göttliche Ebenbild in die menschliche Gestalt, und auch unter den Juden gab es eine Pattei, die Gott zum Theil anthropomorphosirte. Gegen diese Jrtthümer erhebt sich Donolo in dieser kleinen Abhandlung, die, wie wir oben bemerkten, eigentlich die Einleitung zu seinem „Tachkemoni“ ausmacht. Wahrscheinlich nahm er sich Sa ad ja zum Muster, der seinem Jezira-Commentar ebenfalls Prolegomena über die Principien des Judenthums und über die Bedeutung der biblischen Anthropomorphieen voranstellte. „Nachdem der Verfasser vorausgeschickt, daß man jede bildliche Vorstellung von Gott fern halten müsse, daß er den ersten Menschen und den Propheten nur darum in menschlicher Weise sich offenbatt hatte, damit das Ungewöhnliche und Außerordentliche sie nicht erschreckte und ihnen nicht den Tod brächte, und daß er deswegen in verschiedenen Gestalten erschienen, damit ihm die Menschen keine bestimmte Gestalt beilegen könnten; nachdem er ein fomatologisches Gemälde vom Menschen entworfen, eine Teleologie aller Körpertheile geliefert, die Wechselwirkung von Körper und Geist (der Letztere wird sowohl als vitales wie als göttliches Princip aufgefaßt) gezeigt und den Vorzug des Menschen in den Letztem gesetzt: geht er zur Erklärung von 6eve§. 1, 26 über: „Und Gott sprach: wir wollen machen einen Menschen in unserem Bilde, nach unserer Ähnlichkeit." Gott sprach nämlich zu der von ihm geschaffenen Welt, zum Makrokosmos, daß sie vereint ein Wesen schaffen wollen, das ihnen nicht etwa in Gestalt und Erscheinung, sondern in der Manifestation seiner Thätigkeit ähnlich sei, und zwar soll der Geist der Gottheit und der Körper dem sichtbaren Makrokosmos entsprechen; der Plural beziehe sich daher auf die Welt und auf Gott. Es wird nun dann ausführlich geschildett, worin diese Aehnlichkeit bestehe, ein Bild sowohl von der Thätigkeit des gottähnlichen Geistes, wie von der Einrichtung des weltähnlichen Körpers entworfen, wobei auch bemerkt wird, daß der Geist, während der Körper schläft, fteier ist, in die