Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1855)
- Date
- 1855-05-21
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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270 sich in seligem Rückblicke auf vergangene Zeiten mit ihnen zu freuen. Die Tugendrichter mögen entscheiden, ob er zu den gewöhnlichen Menschen-Typen der heutigen Zeit gehört, und die Presse möge sich nicht schämen, unsere beabsichtigte Anerkennung des wahrhaft Guten der Oeffentlichkeit zu übergeben. FuchS. Italien. Modena, im März *). Die Gemeindecommission zu Modena hat von Herrn Flaminio Sanguineui die Gabe von 1200 LivreS erhalten mit der Weisung, dieselbe zum Bau eines Tempels und zum Errichten einer Mauer um den Kirchhof zu verwenden. Florenz, im März. In Folge der testamentarischen Verfügungen der Frau Fortuna Consiglio, geborene Montebaroccio, zu Florenz hat die israelitische Gemeinde zu Pirigliano die Summe von 300,000 Franken erhalten, die vorzüglich zum öffentlichen Unterricht, zur Aussteuer armer Mädchen und zur Erhaltung der schon bestehenden Kunst- und Gewerbeschule bestimmt ist. Turiu, im Marz. Die Israeliten in Turin find in allen Beziehungen auf ganz gleichen Fuß mit den Katholiken gestellt. Neuerdings noch hat der Municipalrath den Israeliten ein Grundstück zu einem Kirchhof unter denselben Bedingungen als den übrigen Culten bewilligt. Amerika. Cincinnati, im April. (Briefe aus Amerika. II.) Die im Laufe des Februars stattgehabte Schulprüfung der hiesigen jüdischen Unterrichts-Anstalt lieferte ein erfreuliches Resultat. Die Theilnahme, welche sich in dem überaus zahlreichen Besuche der Prüfung äußerte, war eine allgemeine. Die Schüler der oberen Claffen entwickelten eine Fülle von Kenntnissen in den gewöhnlichen Lehrgegenständen; *) Die folgenden Nachrichten, nach den ^rck. isr. de Fr. aus dem EUucat. israel. genommen, veranlassen uns zu der Bemerkung, daß wir von dem Educat. israel. dieses Jahres noch kein Heft erhalten haben, trotzdem wir regelmäßig der Redactivn, wie sie es gewünscht, diese Zeitung ftankirt zusandrcn, was wir natürlich nun seit dem Beginn dieses Quartals unterlassen. Redact. auch zeigten sie sich hinlänglich vertraut in der Religionswissenschaft. Am Schluß der Prüfung hielt Herr Dr. Wise einen kurzen Vortrag, in welchem er sich über die vielfach falschen Voraussetzungen, von denen unsere gegenwärtige Erziehung auSgeht, verbreitete. Ein Mann unter unfern hiesigen Glaubensbrüdern verdient eS, mit gerechter Würdigung seiner ausgezeichneten Leistungen in diesen Spalten genannt zu werden. ES ist dies Herr Salomon Friedmann, welcher sich seit mehreren Jahren mit dem größten Eifer und Erfolge genannten Institutes angenommen hat. Es ist dies um so lobenswerther und uneigennütziger, als Herr Friedmann selbst keine Kinder hat. Die Zöglinge dieser Anstalt lieben Herrn Friedmann gleich einen zärtlichen Vater und von ihrem richtigen Jnstinct-Gefühle geleitet, präsentirten sie ihm auch als schwachen Beweis ihrer Anerkennung und Dankbarkeit einen schönen silbernen Pokal, der eingravirt die Inschrift trägt: „kresenteä to 8. kriedmsnn, Lsgu., b^ tbe pupils of Talmid Yelodim Institute.“ Ich kann die Bemerkung hier nicht unterdrücken, daß es von Grund aus verwerflich ist, mit den Prüfungen eine Prämienaustheilung an sich auszeichnende Kinder zu verbinden, wie eS hier bei der letzten Prüfung geschah, und an vielen andern Qrten noch geschieht. Dergleichen Auszeichnungen treffen in der Regel nicht sowohl die fleißigsten, als vielmehr die fähigsten Schüler. Was für ein Verdienst ist eS aber für einen mit den herrlichsten Gaben ausgerüsteten Knaben, wenn er ohne Mühe eine Stufe erreicht, zu der sein von der Natur weniger begünstigte Kamerad sich trotz aller Anstrengung nicht empor zu schwingen vermag! Könnte man in die Seele so manchen Kindes hineinsehen, wie es sich zerarbeitet und zerplagt, um den gestellten Anforderungen zu genügen, und daS nun am Schluffe des Jahres sieht, daß all sein Mühen und Ringen vergeblich war und ohne Anerkennung blieb; könnte man ihm die Gefühle vom Gesicht ablesen (und man kann eS zuweilen), die an einem solchen Tage sein Innerstes durchbeben, und die es in der Belobung Anderer nur seine eigene Zurücksetzung erblicken lassen: da, scheint es mir, würde man deutlich erkennen, daß ein solches Verfahren statt der beabsichtigten gerade die entgegengesetzte Wirkung Hervorbringen muß. AuS demselben Grunde bin ich auch gegen alle, auS diesem oder irgend einem andern An-