Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1855)
- Date
- 1855-05-21
- Page
- Seite 269 (sequence 5)
- Language
- German
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laub hier — wieder in unserer Mitte zu haben. — Fürchtend, durch Erwähnung seiner hervorragenden, ihn auSzeichnenden Eigenschaften der Anspruchlofigkeit und Bescheidenheit des Herrn Major nahe zu treten, möge hier nur gesagt sein, daß derselbe in seinem ganzen Wesen ein ächter Osficier, der von dem Geiste ächter Vaterlandsliebe und von einer glü^ henden Begeisterung für unsern gelieblen Kaiser durchweht ist, mit unauflöslichen Banden der Liebe der Religion seiner Väter anhängt, und diese Anhänglichkeit auch dem Lieblinge seines Herzens, seinem kleinen „Arthur" einzuimpfen, er sich zur heiligsten Aufgabe seines Lebens macht. Wie wenig der Herr Major, ungeachtet seines vieljährigen Aufenthaltes in der Armee, dem jüdisch-religiösen Leben entfremdet ist, möge Folgendes zum Beweise dienen. Am zweiten Peßachtag fand hier eine Confirmation statt. Nach beendetem Gottesdienste begaben wir unS, herkömmlichem Gebrauche gemäß, in bas Elternhaus des Consirmanden, wo sich auch der Herr Major als Verwandter dieses HaufeS eingefunden hatte. Vielfach darüber befragt, zu welchem Zwecke der Confirmand das Maphtir in der Synagoge vortrage, führte ich unter Anderem auch das an, daß man hiedurch gesichert ist, das Kind werde wenigstens hebräisch lesen lernen und doch ein Capitel auS der heiligen Schrift im Andenken behalten. Ja, meinte der Herr Major, mir beipflichtend, es ist doch schon ziemlich lange, seitdem ich Maphtir gesagt, und noch weiß ich mich des ganzen Inhaltes genau zu entsinnen, und um meinen Zweifel hierüber zu lösen, nahm er keinen Anstand, das 66. Capitel des Propheten Jsaias in alter traditioneller Weise auS dem Gedächtnisse zu recitiren; der theologischen Dissertation jedoch, die er damals unter Beifallsäußerung deS Prager Rabbi Dezalel RanSburg gehalten, wußte er sich nicht mehr zu erinnern. Vielen sogenannten „Aufgeklärten der Jetztzeit," „den Geistern, die verneinen", welche im Verwerfen der heiligsten Religionsgebräuche ihre Aufklärung suchen, konnte eine solche Persönlichkeit, wie die des Herrn Major Prüsker, die Lehre geben: ulecdol bene jisroel hojo or, welchen Bibelvers wir in einer am ersten Peßachtage gehaltenen Predigt wie folgt interpretirten: Dem wahrhaften Israeliten leuchtet daS Licht der reinen Vernunft und der wahren Aufklärung und vice versa, der wahrhaft Erleuchtete und Aufgeklärte hat auch wahres Judenthum. S. Friedmann, Rabbiner. Westprim (Ungarn), Ende April. (Privatmitth.) Vor drei Monaten verstarb unser alter Rabbiner. Er war ein Ehrenmann. Fünf Trauerreden wurden an seinem Grabe gehalten, und alle fünf Redner — selbst der fünfte, ein moderner Musensohn — stimmten darin überein: der alte Rabbi sei als ein Sündenopfer für die Gemeinde, daS Casino und den Leseverein gestorben!... Seltene, aber auch seltsame Uebereinstimmung! — Ohne Concursausschreibung hat der Vorstand einen Herrn Mannheimer als Religionslehrer und obersten Leiter der Schule angestellt. Man glaubt, die Repräsentanten einer bemittelten Gemeinde von ]5<>0 Seelen hätten ein andres Wahlverfahren einschlagen sollen. Doch wenden wir uns lieber zu etwas Erfreulichem. Ein junger Israelit von ertensivem Geiste, Namens Gabriel Weiß, verließ vor 30 Jahren seine Vaterstadt Weßprim und folgte den freundlichen Sternenblicken in weite Ferne hinaus. Nachdem ihn die Wogen des Schicksals hinauf und herunter getragen, wurde er Militair in einem österreichischen Infanterieregimente, zu einer Zeit, wo über die meisten socialen Fragen, über die Saat menschenrechtlicher Ideen, die wir heute auS dem Boden österreichischer Legislatur emporgrünen sehen — noch eine Schneedecke lag, und der innere Proceß ihrer geistigen Natur noch nicht beendet war. Oftmals stand er seinem Glauben gegenüber, und wollte ihn irdischen Interessen zum Opfer bringen; aber immer triumphirte die Erinnerung an die heiligen Bande seines frühesten Daseins, und die Zugänge seines Herzens schlossen sich fester als je. Für diese Treue an den Glauben seiner Väter blieb auch die Belohnung Gottes nicht aus. Wir sehen ihn heute nach 30 Jahren hier zum Besuche in der glänzenden Uniform eines österreichischen Majors vor uns stehen, eine Zierde seinem Familienkreise, eine wohlthuende Erscheinung seiner Gemeinde und eine Ehre seiner Nation. Von Allen geliebt, von Allen verehrt, ist er auch aller Liebe und Ehre werth. Er hat in unserm Tempel beim Aufrufen der Thora die heißesten Thränen geweint. Er ließ unter die Armen 100 Fl. C.-M. vertheilen, und sucht die ärmsten, die gebeugtesten seiner frühem Jugendfreunde auf, um