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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-21 · Heft 21 (21.5.1855) · p. Seite 268

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 21 (21.5.1855)
Date
1855-05-21
Page
Seite 268 (sequence 4)
Language
German
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268 Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, im Mai. (8. *93.) Von dem Ministerium des Innern ist neuerdings die für die jüdischen Gemeinden deS Landes wichtige Entscheidung getroffen worden, daß die Bezirksregierungen befugt sind, definitiv bindende Gemeindestatute zu erlassen, sofern die Gemeindevorstände nicht binnen der in dem Gesetz von 1847 vorgeschriebenen Frist ein solches Statut selbst entworfen und der Regierung zur Genehmigung eingereicht haben. Ein solches von den Regierungen erlassenes Reglement bedürfe aber eben so wie die von den Gemeinden selbst ausgehenden statutarischen Bestimmungen der Bestätigung durch den Oberpräfidenten. Anclam, im April. (Privatmitth.) In Folge des Gesetzes vom 23. Juli 1847 ist aus der Wahlurne zum Vorsitzenden unserer Synagogen-Gemeinde der hiesige städtische Armen-Arzt, Herr Dr. Kirschstein hervorgegangen, ein Mann, dem daS materielle und geistige Wohl der Gemeinde gleich sehr am Herzen liegt, und der nach diesen beiden Richtungen hin eine unermüdliche Thätigkeit entwickelt. Sein administratives Talent, feine reichen Erfahrungen als städtischer Armenarzt kamen ihm bei der Ausarbeitung unseres bereits seit dem Oktober v. I. zur Bestätigung vorliegenden Gemeindestatules vorzüglich zu statten. Diese eine Arbeit — 240 Paragraphen umfassend, — dürfte genügen, um sein Andenken in unserer Gemeinde noch den spätesten Generationen zu bewahren. Als Sie, geehrter Herr Redacteur, die Aufforderung zur Gründung einer israelitischen Literaturgesellschaft erließen, wandte er sich sofort in einer eben so edlen, als seiner Liebe für das Judenthum bekundenden Mission an unsere Gemeinde-Mitglieder mit der Bitte, recht zahlreich diesem Vereine beizutreten. Unter der Führung und Leitung eines solchen Mannes beginnt mit Recht für unsere Gemeinde eine neue Aera; wir begrüßen dieselbe mit inniger Freude, weil wir nunmehr die Gewißheit vor Augen haben, daß unsere etwa seit 40 Jahren bestehende Gemeinde nicht mit Riesenschritten ihrem eigenen Verderben und Untergange entgegeneile. Wongroviec, 17. April. (Privatmitth.) Auch hier hat sich im vergangenen Winter ein Verein gebildet, der viele wohlthätige Zwecke verfolgt. Kranke und Sterbende, hülfsbedürstige Familien und die arme Schuljugend genießen die Wohlthat seiner segensreichen Wirksamkeit. Auch sonst herrscht hier ein gesunder, für den geistigen Fortschritt im Judenthum reger Sinn. Um so auffallender und gewiß sehr zu bedauern ist eS, daß die Synagoge — nach innen wie nach außen — welche doch die geistige Trägerin einer Gemeinde und gleichsam ihr treues Antlitz ist — ein so düsteres Bild darbietet. An Mitteln fehlt es wohl nicht, wohl aber an einem energischen, alle Hindernisse nicht berücksichtigenden Willen, an Männern der Kraft und der That. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Libochowitz, 22. April. (Privatmitth.) Libochowitz ist ein romantisches, im Leitmeritzer Kreise am linken Egerufer gelegenes Städtchen, mit einem k. k. Bezirksamte, einem Fürstlich Dietrichsteinischen Schlosse nebst herrlichem Schloßgarten und einer über 300 Seelen zählenden Judengemeinde. Wie aber, werden Sie, hochgeehrter Redacteur, fragen, kommt diese topographische Notiz in die Allgemeine Zeitung deS JudenthumS? Doch! Frau von Humbold, so erzählt Börne in seinen nachgelassenen Schriften, war zugleich mit Jean Paul in einer Gesellschaft. Jene fragte diesen, wo er wohne? Dieses verstimmte Jean Paul so sehr, baß er den ganzen Abend kein Wort mehr sprach. Voltaire, fügt Börne raisonnirend hinzu, hielt sich in einem Dorfe auf, und ganz Europa wußte, daß dieses Fernay sei. — Und den Lesern der Allg. Zeit. deS JudenthumS sollte der Aufenthaltsort deS glaubenStreuen, im österreichischen Staatsdienste ausgezeichneten k. k. Major Herrn S. Prüsker unbekannt bleiben? — Von Italien zurückgekehrt, wo derselbe in letzter Zeit, als Garnisonsspital - Commandant von Verona dienend, vor einigen Monaten in Pension trat, kam der Herr Major am 2. d. mit seiner Familie, einer feingebildeten Frau und einem geistreichen vierjährigen Knaben hier an, um daS FrühlingSfest (Peßach) und die Tage deS holden Frühlings bei seinen hier wohnenden Schwiegereltern zu verleben, und wir sehen uns hier höchst erfreut, eine der schönsten Zierden der österreichischen Judenheit nach zwei Jahren — im Jahre 1853 war Herr Prüöker, damals Platzmajor von Venedig, einige Zeit auf Ur-

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