Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1855)
- Date
- 1855-05-21
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225953--14601-3300255- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
267 me genug genährt werden kann, und den Fleiß der Sammler anerkennen und rühmen. Besonders hervorzuheben ist hier die Schrift unsres «ackern und fleißigen Mitarbeiters, des Herrn Dr. L. Lewysohn, Prediger der israelitischen Gemeinde zu Worms: nrccs Sechßzig Epitaphien von Grabsteinen des israelitischen Friedhofs zu Worms, regressiv bis zum Jahre 905 übl. Zeitr., nebst biographischen Skizzen und einem Anhang." Frankfurt a. M. 1855. Rühmlich zu bemerken ist, daß diese Schrift auch einen praktischen Boden hat, indem sie bekanntlich aus den Bestrebungen, die vielen jüdischen Alterthümer Worms zu renoviren, hervorgegangen ist. Auch setzt Herr Ilr. Lewysohn seine Forschungen ununterbrochen fort, wie unsre Berichte in dieser Zeitung bemelden. Herr vr. Lewysohn hat mit Einsicht die wichtigsten Grabschriften ausgewählt, und zwar vom Jahre 905 an, mehrere aus jedem Jahrhundert, um so auch in stylistischer Hinsicht das Interesse zu befticdigen. Indem er die Grabschrist copirt, beschreibt er den betreffenden Leichenstein, und giebt biographische Notizen, waS bei einigen von großem Interesse ist. Eine Geschichte deS Judenthums im Mittelalter kann diese Epitapbiensammlung nicht mehr entbehren. Als besonders schöne Epitaphe heben wir Nr. 11. des Rabbi Moses ben Aron aus dem Jahre 1240, und Nr. 16. des Baruch ben Meier aus dem Jahre 1275 hervor, als wichtig Nr. 21. den Leichenstein des Rabbi Meier auS Rothenburg, aus dem Jahre 1307, deS Maharil, aus dem Jahre 1427, der aber sehr lädirt ist, die Leichensteine der Familie Bacharach, über welche der Verfasser ausführlich handelt, als curios Nr. 50. den Leichenstcin der Vorsängerin Urania aus dem Jahre 1275, den Leichenstein auf den Gräbern von vier Geschwistern aus dem Jahre 1419. Wir lenken die Aufmerksamkeit noch auf die Schlußbetrachtung des Verfassers über den Gebrauch der israelitischen Grabdenkmäler und über Raschi's Anwesenheit in Worms. Der Verfasser, auf diesem Wege fortschreitend, wird sicherlich für die jüdische Literatur und Geschichte noch vieles Tüchtige leisten. — Die zweite Schrift führt den Titel: ,,Inschriften des alten jüdischen Friedhofes in Wien. Beitrag zur Altcrthumskunde Oesterreichs, von Lud. Aug. Frankl. Wien 1855." Die Oekonomie dieser Schrift ist: voran eine Einleitung von Frankl, die, wie Alles aus dessen Feder, voll Geist und Charakter ist. Der Vorstand der Culmsgemeinde ließ schon im Jahre 1844 durch H. S. G. Stern alle Grabschriften auf dem unter Joseph II. geschlossenen, aber sortbestehendcn jüdischen Friedhöfe copiren. Auf Ansuchen Frankls hat der Vorstand der frommen Brüderschaft den Friedhof renoviren und die Grabschristen drucken lassen. Von den 931 Grabsteinen werden 702 mitgetheilt, da die übrigen unleserlich geworden. Die Einleitung wendet sich dann zu Notizen über einzelne bedeutende Persönlichkeiten, welche unter diesen Monumenten ruhen. Allerdings liefern diese nicht allzuviel Material, dr der älteste derselben erst aus dem Jahre 1540 stammt. Hierauf folgen diese Grabschriften selbst, so weit sie eben lesbar waren, in ftühercr Zeit auch Notizen über die Thaten und Lcbensvcrhältnisse der Gestorbenen enthaltend. Da dieselben in kleiner rabbinischer Schrift gegeben sind, so müssen wir verzichten, für den Augenblick Näheres daraus mitzuthcilen. Einige derselben, weil auf ganzen Hügeln, sind sehr ausführlich, z. B. 346: Simson Wcrtheimers. — Wenden wir uns nun zu neuen Ausgaben alter Schriften, so heben wir zunächst die nunmehr erschienene neue Ausgabe des tmrr’ ano von Dr. Wiener in Hannover hervor. Es unterscheidet sich diese Ausgabe von allen bisher erschienenen dadurch, daß sie einen möglichst correcten Tert, nach zu Grundelegung der Amsterdamer Ausgabe von 1709, jedoch auch hier mit Verbesserung des ersichtlich Falschen liefert, daß sie sämmtliche Leseartcn der verschiedenen Editionen, insbesondere der sehr variirenden sogenannten Abrianopler anziebt, Capirel und Verse nachweist, an neuen Stücken vier enthält, nämlich eine rann deS R. Joseph abcn Vcrga, die nur in der ersten Edition gedruckt ist, ferner ein Schreiben des R. Chasdai Kreskas an die Gemeinden in Avignon über die Leiden der Juden, eine Elegie auf letztere und ein Stück aus dem Mekor Chajim, das bereits ftüher, aber fehlerhaft in der Zeitung des Judcnthums 1838 von Lilienthal abgcdruckt war. Auch die rss'ar nbsa von R. Sabdai Cohen ist abgedruckt. In dem, in gutem Hebräisch geschriebenen Vorwort ist über die verschiedenen Editionen gesprochen, unter welchen vr. W. die erste für eine Adrianopler, die zweite sogenannte Adrianopler für eine Sabionettaer hält. Am Schluffe befinden sich zwei Register über die im Werke vorkommendcn Männer - und Weiber - und geographischen Namen. Die Ausstattung auf gutem Papier und mit schönen, klaren Typen ist höchst würdig. Der zweite Theil dieser verdienstvollen Ausgabe soll die deutsche Uebersetzung, der dritte Theil ausführliche Anmerkungen und Abhandlungen bringen, und wünschen wir, daß der Verfasser dieses Werk bald und glücklich vollende. (Schluß folgt.) 21*