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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-14 · Heft 20 (14.5.1855) · p. Seite 259

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 20 (14.5.1855)
Date
1855-05-14
Page
Seite 259 (sequence 9)
Language
German
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259 junge Mann festen Charakters fein und eine specififch jüdische Erziehung genossen haben, wenn er den ihm und seinen Verwandten drohenden Gefahren entgehen soll. Und sollte noch, waS ich aber bezweifle, der israelitische Zögling genölhigt sein, dem Unter» richte in der biblischen Geschichte beizuwohnen, so wäre eS im Interesse unserer theuern Jugend heilsamer, wenn uns auch dieser eine Weg des HeilS versperrt würde. — Vor mehren Jahren, wird hier erzählt, habe ein hiesiger jüdischer Seminarist, aus G. gebürtig, den Entschluß gefaßt, das Christenthum anzunehmen. Derselbe hatte bereits bei dem hiesigen verstorbenen Geistlichen Unterricht in der christlichen Religion genossen und war von ihm zur Taufe vorbereitet worden. Plötzlich ward jener von einer schrecklichen Krankheit, dem Sanct VeitS-Tanze, befallen, in welcher er so geras't haben soll, daß man seinen Tod befürchtete. Ob derselbe, wiewohl er nach diesem Vorfälle tiefe Reue ob seiner That fühlte, später seinen Vorsatz zur Ausführung brachte, wird sehr bezweifelt, so viel aber steht fest, daß er, durch Gewissensbisse beunruhigt, sich selbst den Tod gab. — L.s. Auö der Provinz Posen, 8. April. (Privarmitth.) Auf der mit dem 1. k. M. zu eröffnenden „Weltausstellung zu Paris" wird auch der Industriezweig, welcher den größten Theil der vielen jü, dischen Einwohner Liffa'S (eS leben dort unter circa 9000 Seelen über 3000 Juden) ernährt, nämlich das „Kürschner-Handwerk" würdig vertreten sein, und . zwar durch einen eben so kunstals prachtvollen Fußteppich, welcher zu diesem Zwecke von einem dortigen jüdischen Kürschnermeister, Herrn Gabriel Norden, eigenS angefertigt worden. Der Genannte hat fein Kunstwerk, — wofür der Teppich in jedem Betracht gerühmt werden kann, — aus 8542 Rauchwaarenstückchen, sämmtltch inländischen Products, überaus meisterhaft zusammengesetzt, dem Ganzen eine Ausdehnung von 64 Quadratfuß gegeben und dessen Mitte durch einen großen Stern geziert, welcher ca. 3 Fuß im Durchmesser hat und, in regelmäßiger Farbenschattirung, wiederum eine Menge immer kleiner werdender, concentrischer Kreise einschließt, deren inneres Feld endlich von einem achteckigen dunkeln Stern ausgefüllt ist. Am 10. v. M. hat Herr Norden den beschriebenen Teppich, — dessen Werth er, in bescheidener Selbstunterschätzung seines Kunstwerks, auf nur 400 FrcS. angegeben, — unter vorschriftsmäßiger Declaration an den Ort seiner Bestimmung abgehen lassen. — Unter den gelehrten Vorträgen, welche in dem „wissenschaftlichen Verein zu Llssa" während deS verflossenen Winter-Semesters gehalten wurden, wird der Vortrag des dasigen jüdischen Gymnasial-Lehrers Di-. Julius Töplitz „über den dänischen Naturforscher Oerstavt" mit als Einer der besten genannt. In Bromberg haben nach der letzten Volkszählung unter 12,918 Seelen sich schon 820 jüdische befunden. In der Gemeinde Posen hat sich neulich — neben den vielen WohlthärigkeitSvereinen, welche daselbst bereits bestehen, — ein neun gebildet, dessen Thätigkeit darin bestehen soll: 1) verschämten Hülfsbedürftigen, die weder aus städtischen Armenkassen noch sonst aus milden Privat-Anstalten Almosen beziehen, durch Geld-Unterstützungen auS momentaner Verlegenheit zu helfen, dann aber auch 2) solchen Gewerbtreibenden und Handwerkern, welche wegen fehlender Mittel zum wirksamen Betriebe ihres Gewerbes, resp. Handwerks, außer Stande gesetzt sind, darlehnsweise Geldvorschüsse bis zu 30 Thalern zu verabreichen, welche sie später, bei Bessergestaltung ihrer Lage, entweder auf Einmal, oder in bestimmten, von dem Vorstande feftznsetzenden Terminen — aber immer ohne Zinszahlung — an die Vereinskasse zurückzuerstatten haben. — Dieses Institut, an dessen Spitze sich 6 jüdische Kaufleute gestellt haben, ist nicht mit dem „Handwerker, UnlerstützungS-Verein" zu verwechseln, über welchen wir in Nr. 14. d. Bl. berichtet haben. Unter den edeln Männern, welche sich bei der jüngsten großen Wassernoth in Posen als „Retter der Ueberschwemmten und ihrer Habe" so wacker ausgezeichnet haben, werben auch drei Israeliten — Oer Kaufmann Ed. Kantorvwicz, der Händler Simon Kaplan und der Schneider Koskel Schott — in einem Berichte der P. Z. Nr. 8V mit rühmlicher Anerkennung genannt. Durch den „Verein zur Bekleidung israelitischer Armenschüler" in Wittkowo sKreis Gnesen), welcher daselbst nun das dritte Jahr besteht, sind am verwichenen Crew Pesach (2. d. M.) wiederum 15 arme (meist verwaiste) Schulknaben vollständig neu bekleidet und außerdem noch mehrere einzelne neue Kleidungsstücke unter andere arme Kinder vertheilt worden. 20

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