Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1855)
- Date
- 1855-05-14
- Page
- Seite 260 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Aus Mittelschlefien, im April. (Privatmitth.) 3n unserm Regierungsbezirke ist außer der Breslauer Gemeinde noch keine nach dem Gesetze vom Juli 1847 reorganisirt. Deshalb sind die Gemeinden in interim meist in der Auflösung begriffen und die lönigl. Regierung hat bis jetzt von den Gesuchen der betreffenden Vorsteher noch keine Notiz genommen. In BreSlau entwirft jetzt der intelligente Vorstand die Statuten. Mittlerweile setzt der „königliche LandeSrabbiner" seine Function im Namen der „alten CultuSgemeinde" fort, trotz der Verordnung der Regierung und deren Consequenzen. Seit Ostern ist aber in seiner Synagoge Choralgesang eingeführt; freilich nicht a-nan npna, da er sehr schwach besetzt und vor dem lauten Beten der Andächtigen kaum gehört wird. Diese möchten aber bedenken, daß 'r, DV-I3. Wie man sagt, soll dem Rabbiner Dr. Adolph Levy, Vorsteher einer Unterrichts- und Erziehungs- Anstalt in BreSlau, eine Profeffur an der theologischen Facultät in Padua verliehen worden sein. Da bewährt sich wieder einmal das I^emo propheta in patria: In Breslau gründet man ein jüdisch-theologisches Institut und übersieht eine Capacität am Orte, die gewiß glänzende Resultate erzielt hätte. Berlin, im Mai. (Eingesandt.) Die jüdische Reformgemeinde scheint eifrig bemüht, die Lücke, die ohne Zweifel durch das Ausscheiden deS Di*. Stern entstehen muß, in geeigneter Weife auszufüllen. Das für die Wahl eines zweiten Predigers gewählte Comite ist, wie wir hören, nach allen Seiten hin thatig, um einen fähigen und paffenden Mann für diese Stellung zu finden, die übrigens sehr vortheilhaft dotirr und in allen amtlichen und Privatfunclionen mit der deS vr. Holdheim ganz gleich berechtigt sein soll. Obgleich die Mitglieder des Comite'S in Bezug auf ihre Verhandlungen die strengste Discretion beobachten, so erfährt man doch, daß bereits zahlreiche Meldungen, zum Theil von sehr tüchtigen und bewährten Männern, eingegangen find. Doch scheint man sich ganz besonders der allseitigen Befähigung des Candidaten für den Unterricht in der Religionsschule versichern zu wollen, und wohl auch weniger Werth auf ein gründliches rabbinisch-talmudischeS Wiffen, als auf ein Geist und Gemüth anregendes Rednerralenr, so wie auf eine gleichmäßige und zeitgemäße Gesammtbildung zu legen. ES dürfte daher leicht einem jüngeren Mann von Talent und Beruf vor einem älteren und gelehrten Rabbin-.r der Vorzug gegeben werden, wenn derselbe mit diesen Fähigkeiten nur diejenige historisch-wissenschaftliche Kenntniß deS JudenthumS und seiner Geschichte vereinigt, die für die Behauptung dieses Platzes unerläßltch scheint. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 6. April. (Privatmitth.) Im Jahre 1848 bildere sich bei der Nationalbank ein „Comite zur Unterstützung mittelloser Kaufleute." Bei diesem Comite befanden sich auch drei Israeliten, die Herren BrandeiS, Wilhelm Boschan und Albert Strauß. Wie die Wiener Zeitung meldet, hat nun Se. Majestät der Kaiser diesen Herren seine besondere Anerkennung über ihr Wirken aussprechen lassen. Wie ich Ihnen jüngst meldete, liegt daS Geld für den vom sel. Biedermann gestifteten Waisenverein, daS sich jetzt auf eine Summe von 26,000 Fl. C.-M. beläuft, ganz zwecklos. Jetzt, höre ich, will Herr Mannheimer bei den Erben des sel. Biedermann Vorschläge machen, die Statuten in dem Sinne zu ändern, daß daS Geld für wohlthätige Zwecke nutzbringend gemacht werde. Freilich wird es dann nothwcndig sein, daß die Statthalterei die Veränderung dieser Statuten genehmige. Auch der Kreuzerverein geht einer Reform entgegen. Bis jetzt besteht derselbe ohne Bewilligung der Behörden. Die Frauen üben das fromme Werk der Unterstützung armer Kinder ganz im Stillen. ES entstehen aber dadurch besondere Nachtheile. Der Verein, als nicht legitimirt, kann nicht gehörig die Sammlung betreiben und kommt bei allen Gelegenheiten zu kurz. Wo Stiftungen gemacht werden, denkt Niemand an diesen bescheidenen, ganz im Stillen wirkenden Verein, und bei der geringsten Gelegenheit, wo jüdische Vereine von den Wohlthätigkeitsspenben, die dem Minister deS Innern zukamen, betheiligt wurden, hat man diesen wahrhaft wohlthätigen Verein übergangen. Jetzt endlich werden die Statuten des Vereins geschrieben und eS ist kein Zweifel, daß die Behörden dieselben legalisiren werden. Eine andere Frage wäre eS freilich, ob dieser Verein nicht in gewisser Richtung sich mit dem Hand-