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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-14 · Heft 20 (14.5.1855) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 20 (14.5.1855)
Date
1855-05-14
Page
Seite 258 (sequence 8)
Language
German
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258 1000 Fl. der dortigen Realschule vermachte. Die Zinsen dieses Kapitals sollen im ersten Jahre einem armen israelitischen, im zweiten einem solchen katholischen, im drillen einem evangelischen Schüler und im vierten Jahre einem fleißigen Schüler ohne Unterschied der Konfession ertheilt werden. Mit dem fünften Jahre beginnt der Turnus von Neuem. Der Erblasser hat somit nach der Anciennität der Bekenntnisse bestimmt. — Aus Kurhessen, im Mai. (Privatmitth.) Am 18. v. M. wurde zu Gudensberg daS fünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum deS dafigen Rabbinen Herrn M. Wetzlar gefeiert. Nicht blos von seiner Gemeinde und von seinen Kreisen*), in welchen er die ganzen 25 Jahre gewirkt, nein, aus nahen und fernen Kreisen — Hessens? nein, auch Deutschlands, und sogar aus fernen Welttheilen sind dem würdigen Jubilar Zeichen der Liebe und Verehrung geworden. Man weiß seine ächte Religiosität, die weder in bloßer Beschaulichkeit, noch in eitlem Wortgepränge, vielmehr in der eifrigsten und aufopferndsten Thätigkeit, und daS nicht nur für seine Pflegbefohlcnen, sondern auch für Alle, die auS der Nähe und Ferne seinen Rath und seine Hülse suchen, sich kund giebt, — wohl zu schätzen, und der Wunsch, daß er noch recht lange, lange leben und fürs Judenthum wirksam sein möge, findet weit und breit ein lautes Echo. — B. W. Preußen. Petershagen, in Westphalen, 28. März. (Privatmitth.) Der Gottesdienst wird hier, wie an vielen Orten, wo der Cantor einen Chor nicht zu leiten versteht, in stiller Andacht abgehalten, und selten vernimmt man noch während desselben die schreienden oder singenden Töne. Man will in dem Lehrer nicht einen polnischen irr: finden, sondern einen solchen, der die Gebete mit Ernst und Würde vorzutragen versteht und dem eS wahrhaft darum zu thun ist, die ihm obliegenden Pflichten mit Treue und Gewissenhaftigkeit zu erfüllen. Wir verlangen, sagte ein hiesiges, würdiges Gemeinde-Mitglied, einen Lehrer, der nicht nur die Lehrstunden nach der bestimm¬ *) Herr W. ist nämlich für m c h r e r e Kreise als Kreisrabbiner bestellt. ten Ordnung hält und die Jugend in den ihm vorgeschriebenen Gegenständen unterrichtet, sondern vor Allem sich angelegen sein läßt, in der ihm anvertrauten Jugend Liebe und Ehrfurcht gegen daS höchste Wesen zu erwecken und sie zu einem frommen, rechtschaffenen Geschlechts zu erziehen. — Weit genug vorgeschritten! Die Gemeinde sieht also in dem Lehrer denjenigen Mann, welcher berufen ist, Erzieher und Bildner ihrer Jugend zu sein, und wohl ihm, wenn er dieses wichtigen Berufs stets eingedenk bleibt! — Die Gemeinden in Peckelsheim und Lübbecke haben ihre Lehrer definitiv angestellt und somit gezeigt, daß ihnen daS Wohl ihrer Kinder, denen daS Wechseln der Erzieher höchst nachtheilig ist, am Herzen liege. — Mögen andere Gemeinden von gleichen Gesinnungen beseelt werden! Vor mehreren Jahren fanden hier unter Vorsitz deS frühern Kollegen Herrn Wolff in Lübbecke, Lehrerconferenzen statt, deren Andenken noch bis heute im Gedächtnisse der hiesigen jüdischen Bewohner lebt. Möchten meine Herren Amtsgenossen im diesseitigen Regierungsbezirke, eingedenk der schwierigen Aufgaben, die wir zu lösen haben und der stiefmütterlichen Behandlung, die uns zu Theil wird, ihre Hand brüderlich sich gegenseitig reichen und gedachte Versammlungen aufs Neue beleben! — Es ist zu bewundern, daß, während fast alle Schullehrer -Seminarien jüdischen Zöglingen verschlossen sind, die hiesige specifischchristliche Anstalt Juden aufnimmt und ihnen mit geringen Ausnahmen ' gleiche Rechte mit den übrigen Schülern einräumt. Zur Zeit ist ein jüdischer Zögling, aus dem Netz- Districte her, im hiesigen Seminar, und wird derselbe nach einem dreijährigen Kursus zu Pfingsten d. I. das Eramen machen. Vierzehn jüdische junge Leute sind hier für ihren Beruf ausgebildet und darunter einige mit Nr. 1. und einem guten Orgelzeugnisse entlassen worden. Fragt man nach der Ursache dieses Wohlwollens, ja deS öftern BevorzugenS vor den christlichen Seminaristen, so könnte vielleicht Mancher in Versuchung gerathen, anzunehmen, man wolle die Juden bekehren, in welcher Absicht diese Freundlichkeit allerdings gute Dienste leistet. — Schreiber Dieses ist aber weit entfernt, diesen Vorwurf auszusprechen , vielmehr glaubt er den Grund, in der Menschenfreundlickkeit, von welcher die Herren Seminar- Lehrer durchdrungen sind, zu finden. — In der That muß der eine christliche Anstalt besuchende jüdische

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