Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1855)
- Date
- 1855-05-14
- Page
- Seite 257 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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257 oft die größte Unzuverlässigkeit), ist lediglich ein verschleiertes Hephep, und das ist in einem Werke noch ganz besonders auffällig, das sonst überall mit beklemmender Aengstlichkeit jedem möglichen Anstoße auSweicht. Einige jener Angaben freilich erregen statt dessen ein herzliches Lächeln, z. B. (Artikel Bart) „Kinnbärte: Auch bei den Juden ist das alte Gesetz vergessen und sehr Viele scheren jetzt (1840 biS 46) den Bart ab." Und dergleichen viel mehr. Da die Herausgeber am Ende doch für ihre Arbeit auch auf VaS Gelb der Juden und der Hebräer fpeculiren, so wäre eS eigentlich recht, diese zu warnen, eben wie vor der Gothaischen VersicherungS-Bank, die sich nicht scheute, ihre Agenten in gedruckten Instructionen bei Versicherungen für Juden besondere Vorsicht zu empfehlen, weil rc. rc. Vor Kurzem wurden in dieser Zeitung einige medicinische Licenzen auS dem Mittelalter mitgetheilr und dabei auf mehrere alte und neuere Versuche, den Juden in christlichen Landen die Praxis zu verbieten oder zu erschweren, hingewiesen. Ich finde ein solches Streben psychologisch völlig gerechtfertigt. Für den Judenfeind, er möge nun fernem Hasse ein relrgröses, ein politisches, ein dynastrfches, em historrsches, eitt volkswirthschaftlicheS oder gar ein humanistisches Mäntelchen umhängen, kann nichts unbequemer sein, als zu sehen, wie feine Genossen in allen Ständen, ja gar er selbst, in den dringendsten Nöthen, wo nicht bloS der Körper, sondern oft auch Geist, Familienverhältnisse, Hoffnungen und Befürchtungen aller Art zur offnen Sprache kommen und gar nicht verborgen werden dürfen, Leib und Leben dem Juden anvertrauen. Wäre ich ein Judenhasser, und gelänge es mir dabei, mir selbst zu verbergen, daß der Judenhaß gar nichts höheres ist als jede andere boshafte und ehrlose Neigung und Gewohnheit, so würde ich sicherlich auch auf den Ausschluß der Juden von aller ärztlichen Thatigkeit, selbst in Bezug aus ihren eigenen Corpus vile, hinzuarbeiren auch verpflichtet halten. Hier befindet sich jetzt Dr. Birkenthal, der Unternehmer der merkwürdigen Urkunden-Sammlung für die Geschichte der Juden in Deutschland. Mit wahrem Benedictinerfleiße hat sich dieser geistvolle und gelehrte Mann seit fünfzehn Jahren gänzlich seinem selbstgewählten Berufe hingegeben und zehrt so zu sagen von der Idee, daß künftig nicht allein ohne seine Hülfe kein Mensch im Stande sein wird, auf dem genannten Specialgebiete einen Schritt zu gehen, sondern daß seine Arbeit auch eine nicht uns unentbehrliche Leuchte für die allgemeine Kenntniß vergangener Jahrhunderte, insbesondere der letzten vor der Reformation, werden wird. Seine mit einer von den respectiven Archivbewahrern attestirten Genauigkeit, oft biS zum Facsimile copirten Urkunden in altdeutscher, lateinischer und hebräischer Sprache zählen schon in die tausende und noch viel mehrere hat er mit allen erforderlichen Angaben blos registrirt. Seine verdienstvolle, von vielen gelehrten Autoritäten empfohlene Arbeit ist zugleich eine geldverschlingende; doch hat er bisher, wie eS scheint, noch überall reiche WissenschaftSfreunde (unter den Juden wohl die wenigsten!) gefunden, die ihn mit hinlänglichen Mitteln versehen haben, und wir dürfen hoffen, daß sich auch fernerhin solche Quellen finden mögen. Worms. (Antiquarisches.) Sowohl in Nr. 53 d. Bl. Jahrg. 1853, als auch in meiner Schrift a-p'nas m»E2 S. 102 erwähnte ich eines Jehuda Sinzheim'S, der das LehrhauS Raschi'S in WormS restauriren ließ. An letzterer Stelle äußerte ich mein Bedauern, daß das hiesige Memorialbuch den Sterbetag des Sinzheim nicht angiebt; denselben fand ich nunmehr in der trefflichen Sammlung: „Inschriften des alten jüdischen Friedhofes in Wien. Beitrag zur Alterthumskunde Oesterreichs", von Ludw. Aug. Frankl. Nach der Nr. 689 jener Sammlung starb Sinzheim Donnerstag den 24. Siwan 504 (----1744, nicht 1740) und das Epitaph hat folgende Stelle: oip nbnpa b"; ra*! bsj iw-inrr rra m:nn n:n rmpb a^-pcbi-ihi a^nanb isin n-a mcrb N’p’vs-m nso. — Im hiesigen Gemeindearchiv fand ich spater einen eigenhändigen hebräischen Brief deS Jehuda Sinzheim, der zu gedachtem Zwecke eine Summe Geldes hierher übermittelte. Ich erlaube mir noch zu bemerken, daß die Ueberschrift zu Nr. 339 jener Sammlung incorrect ist, da Sanwel Bacharach in Alsbach beerdigt ist (s. sfa S. 52), auch ist die Jahreszahl in Nr. 333 unmotivirt. Ausführlicher über diese treffliche Schrift deS Herrn Di*. Frankl an einem andern Orte. vr. L. Lewysohn. Worms, im April. (Privatmitth.) Die „Frankfurter Postzeitung" bringt die interessante Nachricht, baß in Bingen am 28. März der Tabaksfabrikant Carl Gr äff I., evangelischer Confesfion, starb und