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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-14 · Heft 20 (14.5.1855) · p. Seite 256

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 20 (14.5.1855)
Date
1855-05-14
Page
Seite 256 (sequence 6)
Language
German
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256 man muß erst dazu angestoßen werden, um das Gute, moralisches oder materielles, zu thun." *) Zeitungsnachrichten. Palästina. Gaben für die Armen Jerusalems. Von Herrn Rabbinen Zipser in Stuhlweißenburg: 9 Thlr. Der Frauenverein zur Unterstützung armer Wittwen und Waisen in Palästina zu Landeshut durch die Frau Vorsteherin Rose! Naumann: 8 Thlr. Durch Herrn Rabbiner D. Oppenheim in Jamnitz als ppwn rpasnn: 17 G. 23 Kr. B. N., in Althart: 15 G. B. N. Die Redaction. Deutschland. Hamburg, im April. (Privatmitth.) Das 118. Heft der „Gegenwart" (Supplement zum Brockhaus'- fchen Convers.-Lericon)**) enthält einen schon wegen seines Umfanges von 76 Seiten beachtungswerthen Artikel: Die religiöse und culturhistorische Bewegung imJudenthum. Ich erwähne dieser quantitativen Größe nicht ironisch, sondern von ganzem Herzen lobend; denn wie werben unsere Sachen sonst gewöhnlich abgefertigt! Der fraglichen Arbeit gebührt aber alle Achtung; denn trotz der ganz controversibeln Auffassung der Zustände auS dem Mittelalter und bis auf Mendelssohn; trotz der tendenziösen Bemühung, nachzuweisen, der neuere jüdische äußere und innere Fortschritt sei Gott behüte ja kein Product und kein Product eines Products der sogenannten Philosophie deS achtzehnten Jahrhunderts und der französischen Revolution; trotz der süffisanten Centralisirung alles progressiven StrebenS nach Zion-Berlin***); trotz der Ueberfchätzung (vous etes orfevre, *) Wir bemerken, daß das gedachte Werk, (es besteht aus 12 Vorlesungen, die in Magdeburg vor einem zahlreichen Auditorium aus allen Confesfionen gehalten wurden,) absichtlich den gelehrten Apparat fern gehalten hat, um jedem Gebildeten zugänglich zu sein. **) Vgl. den Leitartikel in Nr. 18. d. Zrg. Red. ***) So ist z. B. in der ganzen Beschreibung von demjenigen Staate, wo die vcrhälmißmäßig sehr zahlreichen Juden in die dasige sehr ausgeprägte Nationalität am Innigsten ausgenommen, wo zuerst Predigt, Confirmation, M. Josse!) der geständlich fast steril gebliebenen Versuche der Reformgenossenschaft; trotz der Uebertünchung eines durch mehr als vierzig Jahre manifestirten Uebelwoüens der localen Regierung; trotz dem unberechtigten Jdenlificiren bürgerlicher Emancipationswürdigkeit mit religiöser Aufklärung, und der noch weniger berechtigten deS „Frommlebens" mit der Uncultur; trotz dem durchgängigen Rügen deS jüdisch-dogmatischen Splitters bei gänzlicher Jgnorirung deS christlich-dogmattschen BalkenS; trotz offenbarer falscher Angaben*), trotz allen diesen und noch mehreren Einseitigkeiten ist sie dennoch der wärmsten Empfehlung werth, denn sie enthält eine große Zahl gesunder, bisher wenig benutzter Ideen und bietet dem allgemeinen Lesepublikum, so viel mir bekannt zum erstenmal, ein Total-Gemälde der Bewegungen im Judenthum seit drei Generationen, das dem Denkenden, er sei Jude oder Christ, gestattet, sich über die ihm in den meisten heutigen westeuropäischen Juden und Jüdinnen entgegentretende culturhistorische Merkwürdigkeit einigermaßen klar zu werden. Auch dieser Zeitung und den sonstigen Arbeiten und Bestrebungen des Redacteurs wird, vielleicht auch zum erstenmal**), mit voller Anerkennung und ohne alle Nergelei gedacht. Wir können der BrockhauS'- fchen Firma nur Dank wissen für diese Veröffentlichung, die mit einiger Sorgfalt späterhin leicht ergänzt und corrigirt werden kann. Einen schlagenden Contrast hiezu bilden die mißlaunigen, böswilligen und oft wahrheitswidrigen Judenartikel in PiererS Universal-Lericon, wo schon die Gegeneinandersetzung deS Artikels Juden mit dem Artikel Hebräer die üble Absicht zeigt und den Leser verstimmt. AlleS, was im genannten Werke Juden betrifft und nicht rein althistorisch oder archäologisch ist (und da herrscht Choralgesang u. s. w. eingeführt, wo nächst Holland zuerst staatsbürgerliches und bürgerliches Recht verliehen und in Ausführung gekommen war: von Dänemark mit keinem Wort die Rede, und eben so wenig von London und seiner Reform-Synagoge. Corr. *) So;. B. hat der hiesige Chacham Bernays der Frankfurter sine qua non Erklärung der Beschneidung förmlich opponirt, und andererseits hat die Berliner Reformgenossenschaft die Beschneidung als unerläßliches Symbol anerkannt. Corr. **) Doch wohl nicht! Schon Jost in seiner „Neuern Geschichte der Juden" thut dies in würdigster Weise. Redact.

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