Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1855)
- Date
- 1855-05-14
- Page
- Seite 255 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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255 Üen. Denn allerdings bietet diese vorliegende Arbeit Mängel dar, die wir nicht verschweigen dürfen. Zuerst fehlt sowohl überall die tiefere Charakteristik, die Kunst, mit scharfen, schlagenden Zügen Unterschied und Eigcnthümlichkcit der Richtung und Ausführung zu markircn, als auch die jedem Geschichtschreiber obliegende Pflicht, die Specialcrschcinung mit der allgemeinen Geschichte im Zusammenhang zu zeigen. Ein zweiter Mangel ist der Wegfall aller Quellenangaben, aus denen die Nachrichten entlehnt sind, der Angaben der Titel der verschiedenen Werke, um dem Leser weitere Forschung an die Hand zu geben. Der dritte Fehler endlich ist, daß Alles apodiktisch hingcstellt ist, ohne irgendwie das Fragliche anzudcuten und die stattgcsundcnen Untersuchungen zu vcrrathcn. Hierzu kommt äußerlich das Fehlen eines Registers. Wir geben zu, daß die Berücksichtigung dieser Forderungen das Werk sehr ausgedehnt haben würde; wir hätten aber lieber dafür viele Details, die doch nur Namen bleiben, hinweggcwünscht, um nur das Wichtigste, dieses aber vollständiger und gesichteter, zu geben. Sehr oft weiß der noch unkundige Leser nicht, was er mit so vielen Namen machen soll, und da oft das Unbedeutende neben dem Bedeutenden steht, ohne ihn zurechrzuweisen, so wird er Beides verwechseln. Wir haben diese Bedenken ausgesprochen, weil wir das Werk, das jedenfalls das Product großen Fleißes und vielen Wissens ist, als eine verdienstliche Arbeit schätzen, und die folgenden Theile bald erwünschen. — Es war für uns überraschend, in dem eben empfangenen Maihefte der Archiv, isr. de Fr., in dem Monatsberichte des Herrn Isidore Cahcn eine Stelle zu finden, in welcher er eine vor Kurzem erschienene englische Ucbersetzung unsres Werkes über „die Entwicklung der religiösen Idee im Iudcnthum, Christcnthum und Islam" (Baumgärtner, 1847) besprochen wird, ohne daß wir selbst bis jetzt irgend eine Nachricht darüber oder gar ein Eremplar empfangen hätten. Wir wollen diese Stelle mirrhcilen, weil dadurch von Neuem auf eine Schrift aufmerksam gemacht wird, welche wir zu dem Besten rechnen, was wir geschrieben, welcher wir gerade in den jetzigen Zcitvcrhältnissen eine nicht unbedeutende Wichtigkeit und Wirksamkeit zucrthcilen, und welche noch lange nicht die Verbreitung besitzt, die sic nach dem Urrhcilc Sachverständiger verdient. Ein Herr Petav el, Professor und protestantischer Prediger in Ncufchatcl, har, wie das schon so oft geschehen, „eine Ansprache an das Haus Israel" (adresse ä la maison d'Israel) verfaßt und will dieselbe in die Archives ausgenommen sehen. Diese weisen sic natürlich zurück und fahren fort: „Ilcbrigcns, ungeachtet der guten Absichten des Herrn Petavcls, wird es immer eine unüberstcigbare Schlucht zwischen den Grundsätzen des Christcnlhums und denen des Judenthums geben, so lange das eine und das andere bleiben will, was sic immer gewesen, ohne auf die wesentlichen Dogmen zu verzichten; cs gicbt keine Disputationen, die unsre Glaubensgenossen über solche Fragen, wie die der Dreieinigkeit und den Messias aufklärcn können; unsre Glaubenssätze sind fcstgcstcllt; unser Leben ist geordnet, und Herr Petavel hat nur das Werk des Dr. Philippson über „die Entwicklung der religiösen Idee im Iudcnrhum, Christcnthum und Mohamcdismus" zu Rarhe zu ziehen, um sich davon zu überzeugen; dieses wichtige Werk ist so eben von Miß Anna Maria Goldsmid, der gelehrten Tochter des Barons von Goldsmid in London, ins Englische übersetzt worden; nirgends ist die Sendung Israels inmitten der Völker der Erde besser crpönirt, nirgends ihr socialer Werth, das Wesen seiner Lehren, die religiöse Zukunft der Menschheit in größeren und treueren Zügen dargcstcUt worden; die edle Ucbersctzcrin, deren erste Arbeit dies nicht ist, hat das deutsche Original mit vorrresslichcn sittlichen, historischen und selbst medicinischen Noten versehen; cs ist nicht ohne Beispiel, daß jenseits des Canals von la Manche die Frauen Israels die israelitische Literatur pflegen und der Name der seligen Miß Aguilar ist noch nicht vergessen: cs ist schön, wenn man sicht, wie die hohen weiblichen Intelligenzen im Schoße des Glückes noch genug Begeisterung bewahren, um sich der Pflege der Wissenschaften hinzugebcn und noch genug Frömmigkeit, um ihre Mußestunden zur Verbreitung der heiligen religiösen Theorien zu benutzen, die so viele Andere im leichtfertigen Zeitvertreib, dem Glauben ihrer Värer entfremdet, verbringen; cs gicbt in England große Familien, die dem Jahrhundert angemessen religiös zu sein verstehen, und unter diese Zahl gehört Miß Goldsmid; wir würden wohl wünschen, daß dieses Beispiel in Frankreich Nachahmung finden möge, und daß sich inmitten dieser Familien, denen ein ncucrworbcncr oder schon ein altherkömmlicher Wohlstand erlaubt, an allgemeine Interessen zu denken, eine Feder finden möge, die das Werk des Herrn Philippsons ins Französische übersetze, und wir wagen dies zu hoffen; was hier fehlt, ist nicht weniger die Glaubcnstrcue und Hingebung, als der erste Anstoß und die Werklhärigkcir: