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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-07 · Heft 19 (7.5.1855) · p. Seite 241

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 19 (7.5.1855)
Date
1855-05-07
Page
Seite 241 (sequence 5)
Language
German
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241 gyptier an; C. 32. (Philippson's Bibel 1. Mos. S. 7 b. Trier, Rabbinische Gutachten über die Deschneidung. S. 127, 131). Der Zweck, den Moses mit Einführung der Bcschneidung erreichen wollte, war mehr ein religiöser als medicinischer. Die Deschneidung galt ihm als Zeichen des Bundes mit Gott." — „In medicinischer Beziehung ist der Nutzen der Beschneidung nicht in Zweifel zu ziehen. Bei neugebornen Rindern ist in der Regel die Vorhaut sehr lang und gewöhnlich so eng, daß man die Eichel kaum bemerken kann. Aus diesem Grunde haust sich öfters der Urin zwischen der Eichel und Vorhaut an, die Fetterzcugung in den rings um die Eichel gelegenen Drüsen wird vermehrt, es bilden sich rofcnartige Entzündungen aus und geben Veranlaffung zu Phimosen. In heißen Ländern ist deshalb die Deschneidung eine nicht zu verwerfende Operation und es ist wohl nicht zufällig, daß außer den Juden die meisten orientalischen Völker, z. B. Türken und Muhamedaner, die Beschneidung ausübcn. In unserm Klima hat sie wenigstens den Nutzen, daß Phimosen und Paraphimosen dadurch unmöglich werden. Nützlich kann die Deschneidung auch wohl dadurch werden, daß die Reizbarkeit der nervenreichen, empfindlichen Eichel, wenn dieselbe unbedeckt bleibt, herabgestimmt wird, ein Umstand, der in Ländern nicht ohne Wichtigkeit ist, wo die Geschlechtsentwicklung fich früher ausbildct, als bei uns. Schon Maimonidcs behauptete, es werde durch die Deschneidung Schwächung der Wollust erzielt." „Besondere Vorschriften, wie die Bcschneidung vollzogen werden soll, finden fich in den mosaischen Büchern nicht. Im Buche Moses I. C. 17. 11. heißt cs blos: Beschneiden sollt ihr das Fleisch eurer Vorhaut und zwar acht Tage alt soll bei euch beschnitten werden jegliches Männliche. Ursprünglich bestand hiernach die Beschneidung in der bloßen Abschneidung der Vorhaut. Die Muhamedancr üben fie noch auf diese Weise aus. Um die Wiederbcdcckung der Eickel durch die Vorhaut zu verhindern, wurde die talmudische Vorschrift erlassen, die Vorhaut einzureißen. Der Beschncider faßt, wie ich die Operation stets ausüben sah, nach dem Abschnciten der Vorhaut mit den besonders zugcschnittcncn Nägeln beider Daumen das innere Blatt der Vorhaut und zerreißt dies bis zur Krone der Eichel. Diese beiden Acte der Operation gelten für rituell. Unwesentlich ist es, daß der Mohel das Glied in den Mund nimmt und durch mehrere Züge das Blut aus der Wunde saugt; daß er die Wunde mit Wasser, Wein oder Arqucbusade bespritzt; daß er styptische Pulver aufstreut u. s. w. —" „In sanitätspolizeilicher Beziehung kommt eS bei Deurthcilung der Beschneidung besonders darauf an, zu erörtern, ob die Operation, wie fie rituell vorgeschrieben ist, nachthcilig für die Gesundheit und das Leben der neugebornen Kinder ist, und auf welche Weise üble Folgen der Operation zu verhüten find. Der Gesetzgeber hat keine Veranlaffung, bestehende religiöse Gebräuche zu ändern, so lange dieselben nicht unzweckmäßig und für das Leben nachtheilig find, so lange die religiöse Gesellschaft nicht auf Reformen anträgt. —" „Betrachten wir von den verschiedenen Gcfichrspunkten aus die Deschneidung, so ist kein Grund für den Gesetzgeber vorhanden, den alten Ritus der Beschneidung fallen zu lassen. In der Regel ist mit dem Einreißen der Vorhaut kein übles Ereigniß verbunden. Die Haut allein wird verletzt. Es genügt, bei der zarten nachgiebigen Haut der neugebornen Kinder die Vorhaut mit den Nägeln einzurcißen. Die Gefäße, welche in die Haut verlaufen, sind unbedeutend. Selten entsteht eine Blutung, die fich nicht mit Leichtigkeit stillen ließe. Ausnahmen von der Regel, als: Verwachsungen der Vorhaut, zu dicke Vorhaut, große Verwundbarkeit der Kinder, die Starrkrampf zur Folge hat, können Vorkommen. Deshalb von der alten Operationsweise abzugehen, halte ich nicht für vollkommen gerechtfertigt. Allerdings hat der Einschnitt den Vortheil, daß jede Zerrung deS innern Blattes vermieden wird, Blutungen können aber eben so gut durch Einschneiden veranlaßt werden, fie können selbst nicht durch Vorrichtungen verhütet werden, wie dieselben von Terqucm und Bcrgson in dem sogenannten Posihetome caclie ausgcführt find. Bedenklich erscheint die Einführung des Messers, da die Bcschneidung bei den Juden meistens von Laien vorgenommen wird. Zitternd ergreifen die Mohel in der Regel das Messer, mit dem sie die Vorhaut abschneidcn, zitternd reißen sie mit den Nägeln die Vorhaut ein. Mißlich ist es, einer unsichern Hand ein schneidendes Werkzeug anzuvcrtrauen, um damit die innere Lamelle der Vorhaut zu trennen. Macht man den Beschneidern den Dorwurf, daß sie mit beschmutzten Händen die Wunde mit den Nägeln einrcißen, um wieviel nachtheiliger kann cs sein, wenn fie mit der Schneide des Messers die Eichel oder die Ruthe verletzen, wenn fie vielleicht gar mit rostigen und schmutzigen Messern opcriren. Selbst Messer mir Spitzendecker können vor Verletzungen nicht schützen, wenn fie ungeschickt gehandhabt werden. Wünschenswerth würde es in der That erscheinen, wenn die Beschneidung, wie Bergson dies in seiner vor-

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