Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1855)
- Date
- 1855-05-07
- Page
- Seite 240 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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240 steren Werke mit seltenen Ausnahmen) der Arbeiten aus anderen Confeffionen gedacht. Eine solche Ausschließung der christlichen Gelehrsamkeit ist eben so einseitig und undankbar wie gefährlich. Gerade die Eregese ist, wenn es sich nicht um kirchliches Dogma handelt, zumeist ein neutrales Gebiet, wo Sprachkunde, reales Wissen und Scharfsinn entscheiden, Dinge, die das Eigenthum keiner Confesfion find. Auf Seiten der christlichen Eregeten ist zumeist eine größere Fülle clafsischer Philologie und wissenschaftlicher Logik, zwei Eigenschaften, durch deren Mangel die vielfache Verirrung der jüdischen Eregese bewirkt ward. Am wenigsten kann man begreifen, wie eine Geschichte der Auslegung ein richtiges Bild zu geben vermöchte, wenn die sämmtlichen Arbeiten der christlichen Eregese unberücksichtigt geblieben find! Würden wir konsequent so weiter verfahren, so würden wir bald freiwillig in einem Ghetto des Geistes stecken, das noch mehr unS zur Schande und zum Nachthcil gereichte, als daS frühere wirkliche. Selbst vorausgesetzt, daß die Richtung, welche die meisten neueren christlichen Eregeten eingeschlagen, uns verderblich und unrichtig erscheint, müssen wir die Gelegenheit wahrnehmen, sie zu bekämpfen, nicht aber durch Jgnoriren ihr mehr Recht und Gewicht einräumen, als wir selbst wollen. Diese Mahnung hielten wir für sehr dringend, und wünschen ihr allseitige Berücksichtigung. — Abseitens dessen erkennen wir mit Vergnügen die Verdienste der zu besprechenden Werke an. Hie twemy-lour books of tlie Holy Scriptures: carefully translaled according to the massoretic text, on the basis of Ihe english Version, alter the best jewish aulborities; and supplied wilh short explaualory noles. By Isaac Leeser. Philadelphia, 5614. Groß Quart, Ein Band von 1011 Seiten. Es ist also die nach den besten jüdischen Autoritäten revidirte englische Uebersetzung der heiligen Schrift, durchgehends mit Anmerkungen, in welchen die Autorität, nach welcher geändert worden, namhaft gemacht und sehr häufig die Uebersetzungen andrer Autoritäten angegeben find. Hier find es insonders Raschi, Abenesra, Rdak, Abarban., dann Mendelssohn, Zunz und insbesondere und am häufigsten Philippson, die benutzt und angeführt werden. Hierzu kommt eine ausgezeichnete Ausstattung, herrliches Papier, große Typen, sehr correcter Druck. Es ist somit sicher, daß Herr Leeser mit dieser Bibel dem englischen Publikum eine große Gabe dargebracht hat. Die Schnelligkeit, mit der er das Werk vollendet, der Fleiß, mit welchem er die einschläglichen Arbeiten durchgegangen und ausgezogcn, das gesunde Urtheil und der gute Griff, die er oft genug bewiesen, verdienen alles mögliche Lob und Anerkennung. Wer da weiß, wie wenig das gewöhnliche Publikum verlangt, und sieht, wie viel unter den gegebenen Bedingungen er ihm gegeben, wird dem englischen Uebersetzer den Vorzug vor denjenigen deutschen Uebersetzern geben, welche eben nichts weiter als ihre eigne Uebersetzung gebracht haben, und es dadurch dem Publikum an aller Anregung zu weiterem Forschen und an dem. Bewußtsein, daß im Terte noch etwas Anderes stecken könne, als die Uebersetzung ausdrückt, haben gänzlich fehlen lassen. Wir drücken daher Herrn Leeser unsren vollen Dank aus, und glauben wir, daß es nicht recht gethan ist, wenn der verdiente Mann jetzt in Nordamerika vielfach angefeindet wird, weil er allerdings an vielen einzelnen Stellen hätte auch anders übersetzen können. Möge er dafür in weiter Verbreitung seines Werkes Ersatz finden! (Schluß folgt., Die Deschncidung von sanitäts-polizeilichem Standpunkte. Bei unserm Streben, Nichts außer Augen zu lassen, was auf unserm Gebiete von Wichtigkeit ist, mußte wohl eine Abhandlung, welche uns in diesen Tagen zukam, die ihr gebührende Aufmerksamkeit auf sich ziehen. In der mcdicinischen Wochenschrift von Casper Bd. VH. Heft 2. befindet sich ein Artikel: „Die Beschneidung der Juden, insbesondere von Seilen der Sanitäts-Polizei betrachtet. Vom Medicinal-Rath vr. Niemann." Dieselbe ist eben so gründlich wie besonnen und würdigend abgefaßt, und geben wir hier die Hauptstcllen. „Die Bcschneidung wurde als religiöser Gebrauch zuerst von Moses eingeführt. Herodot hat zwar die Behauptung aufgestellt, daß die Aegypticr schon ftüher dieselbe ausübten (6rapius disserl. an circumcisio ab Aegyptiis ad Abrahamum fuerit derivata. Rostochii 1699); dagegen haben sich aber in neuerer Zeit gewichtige Stimmen erhoben. Der berühmte Gelehrte vr. L. Philippson hat in seinem clasfischen Bibelwerke aus mehreren Stellen der heiligen Schrift nachgewiesen, daß bei den Aegyptiern zur Zeit des Moses die Beschneidung nicht üblich war. Er bezieht sich besonders auf Jos. 5, 9. Wenn es hier, nachdem sämmtliche Israeliten, die in der Wüste nicht beschnitten worden, beschnitten wurden, heißt: „Heule habe ich abgewälzt die Schande Aegyptens von euch", so ist es klar, daß hiermit das Unbeschnittensein der Aegyptier bezeichnet ist. Hesekiel führt ausdrücklich als Unbeschnittene die Ae-