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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-04-30 · Heft 18 (30.4.1855) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 18 (30.4.1855)
Date
1855-04-30
Page
Seite 233 (sequence 11)
Language
German
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233 rigen Jahre bei meinem Aufenthalt in Straßburg die Gelegenheit gehabt zu haben, den ehrwürdigen Mann in seiner patriarchalischen Würde kennen gelernt und ihm meine Verehrung bezeugt zu haben. Möge sein Wirken während seines Lebens und seine edlen Handlungen noch im Tode lang hin dankbaren Geschlechtern zum Segen und Vorbilde gereichen! Dr. Ph.) Spanien. Madrid, im März. Ein Ereigniß, das uns sehr nahe liegt, hat in diesen Tagen die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Es wird folgendermaßen erzählt: Privat-Correspondenzen aus Madrid vom 19. März sprechen von einem verdrießlichen Notenwechsel zwischen Lord Howden und dem Minister deS Aeußern aus Veranlassung der Religionsfrage. Schon vor einem Monat hatte der britische Gesandte sich an letzteren um eine Interpretation der für die Protestanten aus dem zweiten Verfaffungs - Artikel entspringenden Stellung gewandt, jedoch fortwährend vergeblich auf Antwort gewartet, als plötzlich ein Vorfall zu Sevilla ihn zu neuen Schritten veranlaßte. Ein englischer Geistlicher war daselbst inmitten einer gottesdienstlichen Versammlung, die er in einer Hinlerftube seiner Privatwohnung abhielt, durch einen Pvlizeidiener unterbrochen und die Zuhörer auseinander getrieben worden. Auf die an Lord Howden gesandte Beschwerde schrieb dieser sofort an Luzuriaga, indem er gleichzeitig sein früheres Ansuchen wiederholte. Dieser schützte völlige Unkenntniß des Geschehenen vor und ließ die Frage von der gesetzlichen Stellung der Protestanten gänzlich unerörtert. Hierüber beschwerte sich nun Lord Howden sofort in einer neuen Note sehr lebhaft und drückte Luzuriaga namentlich sein Befrem, den darüber aus, daß er bei dem einzigen Manne in Spanien, an den er sich wenden könne, so wenig Bereitwilligkeit in Bezug auf eine die englische Nation so sehr interessirende Frage finde. Die ganze Correspondenz wird nächstens an die englische Regierung eingesandt werden. — Anderweitige Berichte übergehen wir noch. In englischen Händen ist diese Angelegenheit in den besten. Luzuriaga hat auch bei den Debatten in den Corteö sich als den retrogradeften Minister gezeigt. Madrid, 23. Marz. Lord Howden hat endlich vom Minister des Aeußern eine Antwort auf die geforderte Interpretation deS zweiten Verfassungsartikels über die Glaubensfreiheit erhalten. Herr Luzuriaga erklärt, daß derselbe noch nicht zum Staatsgesetz geworden sei, daß gegenwärtig noch der Artikel l29 des Strafcoder bestehe und daß jedenfalls nicht die Regierung, sondern die Gerichte das Gesetz zu interpretiren haben würden. Was daS Einschreiten eines Polizeiagenten zu Sevilla gegen einen den protestantischen Gottesdienst verrichtenden englischen Geistlichen betrifft, so entgegnete der Minister, erst nähere Informationen abwarten zu müssen, um zu entscheiden, ob dasselbe einen bloßen AmtSmißbrauch oder einen vor die Justiz gehörenden Criminalfall conftituire. Madrid, 28. März. Man darf den Berichten vieler, der jetzigen Lage Spaniens abgeneigten Zeitungen nicht trauen. Der jüngste Streit ist geschlichtet. Die Regierung har auf Lord Howden'S Beschwerde den Civilgouverneur von Sevilla wegen gesetzwidrigen Verfahrens gegen einen englischen Geistlichen streng getadelt, da derselbe sich in seiner Privatwohnung befunden und keineswegs öffentlich den protestantischen Gottesdienst gefeiert habe. — — im April. Wieder ein bedeutender Schritt vorwärts! Eine Depesche vom 2. meldet die Vorlage eines Gesetzes zur Ermächtigung der öffentlichen Bestattung für die nichtkarholischen Confessionen. (Man erwäge, was dies in Spanien heißen will!) Literarische Nachrichten. Leipzig, im April. Vielen Aufforderungen Folge leistend, hat der Rabb. Dr. Philipp son in Magdeburg mit Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig sich verbunden, um als einen, wenn auch selbstständigen Anhang zu dem großen Bibclwerk^ die jüdischen Apokryphen in neuer Ucbersetzung und dem ersten ausführlichen Commentar, ganz in der schönen Ausstattung des Bibclwerks erscheinen zu lassen. Sobald die durch eine Sommerkur zu erhoffende vollständige Stärkung der Augen bei dem Dr. Philippson mit göttlicher Hülfe erreicht worden, beginnt der Druck. 18**

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