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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-04-30 · Heft 18 (30.4.1855) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 18 (30.4.1855)
Date
1855-04-30
Page
Seite 225 (sequence 3)
Language
German
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225 3) Es werden in nächster Zeit die betreffenden Quittungen den bisher gezeichneten Theilnehmern überreicht und die Beiträge für das erste Jahr vom 1. Mai 1855 bis zum 1. Mai 1856 eingezogcn werden. Dr. Ludwig Philippson. Fiteraturberichte. U. Der umfassenden Arbeit von Zunz haben wir heute eine andere anzurcihen, welche ganz entgegengesetzter Natur ist. Bekanntlich erscheint seit längerer Zeit in einzelnen Heften als Fortsetzung des Conversarionslericons eine Encyclopädische Darstellung der neuesten Zeitgeschichte unter dem Titel „Die Gegenwart" bei Brockhaus in Leipzig. Der erste Band enthielt auch einen ausführlichen Artikel über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Deutschland, den wir seiner Zeit in diesen Blattern beachteten. Die jüngst erschienenen Hefte 117 und 118 bringen nun einen ausführlichen Aufsatz, überschrieben „Die religiöse und culturhistorische Bewegung im Judenthume", S. 526 — 603. Es versteht sich von selbst, daß, obschon das erwähnte Werk keine wissenschaftliche Tiefe und erschöpfende Bearbeitung voraussctzt, dennoch an eine auf dem Gebiete der gebildeten deutschen Welt von einem Juden ohne beschränkende Bedingung zu gebende Darstellung des Judcnthums in der Neuzeit gewisse Forderungen gestellt werden müssen, deren Verletzung dem Abfasser zum gerechtesten Vorwurf gemacht werden kann. Der ftagliche Aufsatz ist in ausgezeichnetem Style gearbeitet, ebenso mit umfassender Kcnntniß aller neueren Erscheinungen im Judenthume, voll geistreicher Aperoues und. wenn auch mit Vorliebe für eine Persönlichkeit, doch ohne Gehässigkeit gegen irgend welche Persönlichkeiten. Insofern wäre die Arbeit in glücklichen Händen gewesen. Dahingegen aber fehlten dem Verfasser d i e Eigenschaften und Tendenzen, für welche wir gern einige Schwächen im Detail, einige Ungerechtigkeiten gegen Einzelne entschuldigt hätten — die Vorurtheilslosigkeit gegen die Erscheinungen, der Sinn für die Allgemeinheit und das Bewußtsein des Positiven. In der glatten Gestalt, in welcher der Verfasser vor uns auftritt, erkennen wir dennoch daher nicht allein die Mangelhaftigkeit, sondern auch die Lieblosigkeit und den Wegfall jeder begeisterten Auffassung. Wir halten daher diese Arbeit eher für eine schädliche als zweckersüUendc. Der Verfasser ist ein Mitglied der Berliner Rcformgenosscnschaft und zwar eines der thärigen, mitwirkcnden. Für ihn ist daher die genannte Gesellschaft das alleinige Ziel der religiösen und kulturhistorischen Bewegung im Judenthume. Alles, was daher von Mendelssohn an geschehen ist, ist nur Vorbereitung zu dieser, mit ihr schließt die ganze Bewegung, und nach ihr kommt nichts weiter. Indem sich der Verfasser in diese Gedankenrcihe absichtlich oder unbewußt festgerannt hat, konnte er den großen Umschwung, der auch im Judenthume seit 1848 stattgefunden und durch welchen die Frage und der Kampf ganz andere geworden, nicht würdigen, vermochte er aber auch nicht zu erkennen, welche (leinenti's er sich selber geben mußte. Er muß selbst zugeben, daß die Reformgenosscnschaft, sobald sie eine bestimmte Gestaltung angenommen und diese sich als den großen Widerspruch erwiesen harte, eine geschichtliche Religion zu behaupten und dennoch deren ganze Geschichte und alle ihre Institutionen zu verleugnen, völlig isolirt geblieben, so baß selbst Diejenigen außerhalb Berlins, welche sich ihr zugcwendet hatten, sie wieder aufgaben. Er muß ebenfalls gestehen, daß alle Versuche, welche Holdhcim, Rcbcnstcin und Stern machten, um den Religionsprincipicn der Reformgenossenschaft einen bestimmten Ausdruck zu geben, völlig mißlangen, also eine vollständige Principlosigkcit vorhanden ist, die sich auch darin bethätigt, daß eine große Zahl ihrer Mitglieder bei hundert Gelegenheiten des Lebens ihre Zuflucht zur alren Synagoge zu nehmen pflegen, der sie ja immer noch eben so gut anhängcn. Er muß zugestehen, baß die von der Genossenschaft herausgegebene Reformzeitung, die von den tüchtigsten Kräften der Genossenschaft cdirt wurde, nicht einmal als Monatsschrift sich erhielt und schon 1547 erlosch, also nicht einmal bei der eigentlichen Genossenschaft Anklang fand. Wie, mit solchen selbsterzählten Thatsachen in der Hand, der Verfasser der Genossenschaft noch irgend eine Wichtigkeit im Judenthume, noch irgend eine hervorragende und charakteristische Stellung, ja sogar den ganzen Vordergrund des Judenthums in der Neuzeit vindiciren will, ist fteilich mit der einfachsten Logik wenig verträglich. Wir sagten, daß dem Verfasser der Sinn für das Allgemeine und für das Positive fehle. Das Erstere beweist er dadurch, daß ihm jene Berliner Localbewegung Alles ist, während cs doch noch ein wenig Preußen, ein wenig Deutschland, ein wenig Europa und ein wenig andere Welttheilc giebt, und daß weder Berlin noch Frankfurt a. M. darauf Anspruch machen kann, das zerstörte Jerusalem zu ersetzen. Um das 18*

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