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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-04-23 · Heft 17 (23.4.1855) · p. Seite 220

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 17 (23.4.1855)
Date
1855-04-23
Page
Seite 220 (sequence 12)
Language
German
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220 über Judah Touro, nach dessen Namen der Verein sich benannt hat, und wieS der Redner hauptsächlich auf die Duldsamkeit und den reliösen Freisinn Touro'S hin, dem jedes Mitglied nachstreben möchte. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche weiterer lebhafter Betheiligung des Publikums bei diesem Institute. Gemäß der Constitution ist die Bibliothek täglich von 6 bis 11 Uhr Abends und Sonnabend und Sonntag von 2 Uhr Nachmittags an geöffnet; außerdem finden verschiedene Vorlesungen an verschiedenen Abenden statt. ES find für die mannichfaltigen Zweige bestimmte ComiteS ernannt, welche dieselben anordnen und leiten. WaS uns bei dieser Gelegenheit wiederum so recht lebhaft vor die Seele trat, ist die Leichtigkeit und Energie, mit welcher der Amerikaner, gegenüber der deutschen Schwerfälligkeit, einem Unternehmen Geist und Leben einzuhauchen versteht. In der Thal, der Deutsche kann Manches vom Amerikaner lernen. Die Unterstützungs-Gesellschaft der israelitischen Damen in Cincinnati veranstaltete zu verschiedenen Malen im Laufe deS Winters verschiedene Concerte und Abendunterhalmngen zum Besten der Armen aller Confesfionen. Die englischen Blätter erwähnen eines für die israelitische Bevölkerung hiesiger Stadt sehr ehrenvollen UmstandeS, daß nämlich bisher kein einziges Mitglied dieser Religionsgemeinde sich um Unterstützung an die bestehenden WohlthätigkeitSvereine der Stadt gewandt habe. Und dabei steht derselbe Theil unserer Bevölkerung bei dem allgemeinen Werke der Mildthätigkeit gegen die Nothleidenden jeden Glaubens in den vordersten Reihen. Der „Israelit" segelt flott einher; für die ärztliche Welt dürfte eS nicht uninteressant fein, zu erfahren folgende Zahlen und Thatsachen, die wir einer vor uns liegenden Medicinalstatistik entnehmen: Gegenwärtig eristiren in den Vereinigten Staaten 60 medicinische Lehranstalten (Colleges), wovon 44 der regulären Lehrmethode, 8 der eklektischen oder neuern Schule, 2 der Homöopathie angehören, 2 für Zahnheilkunde und 2 für die Bildung weiblicher Aerzte bestimmt find. Jedes (lollege hat 5 dis 8 Professoren und einen Lehrer der Anatomie. Nach den besten Schätzungen bestand die Anzahl der Zöglinge in den verschiedenen Anstalten zu nachbemerkten Zeiten: 1810 in 0 Colleges auS 650 Studenten und 100 Graduirten. 1850 in 43 Colleges auS 4500 Studenten und 1300 Graduirten. 1854 in 60 Colleges aus 6000 Studenten und 2000 Graduirten. Die Zahl der Heilkünstler war in den Vereinigten Staaten laut des CensuS von 1850: 40,564 Aerzte, 191 Wundärzte, 2,923 Zahnärzte, 59 Patent- Medicinmacher. Also nur neunundfunfzig dieser letzten Claffe waren so ehrlich, sich für nichts Besseres auSzugeben, als sie find; die Uebrigen haben sich als Aerzte notiren lassen! Wie viel überhaupt unter den 40,000 Aerzten sich Quacksalber befinden, geht daraus hervor, daß alle amerikanische medicinische Lehranstalten seit ihrem Bestehen bis zum Jahre 1850 zusammen nur 18,000 Zöglinge hatten, wovon etwa 2000 auf Todesfälle abzurechnen find: bleiben also 16,000 promovirte Aerzte. — Rechnet man dazu etwa 4000 ausländische wirkliche Aerzte — gewiß eine viel zu hohe Summe — so ergiebt sich die horrende Thatsache, daß bereits im Jahre 1850 mehr als 20,000 Quacksalber in den Vereinigten Staaten sich befunden haben. Dabei find nur die professionellen Quacksalber, die als Doctoren figuriren, in Anschlag gebracht, keineswegs aber die zahllosen Personen, welche Quacksalberei nur als Nebenhandwerk oder auch nur gelegentlich betreiben. Mir fehlt die Neigung zu weiteren Conjecturen über die empfangene Medicinalstatistik, und ich überlasse ein solches Spiel der Katze mit ihrem Schwänze — von dem Meister Goethe sagt: eS werde mit wenig Witz und vielem Behagen aufgeführt — gern andern Spiellustigen. Und — auf Wiedersehen! Dr. R.d. Nachruf. Am zweiten Tage Peßach verschied zu Berlin der Herr Jacob Beereusson nach kurzem Krankenlager im 63. Lebensjahre. Geboren zu Filehne, fungirte er lauge Zeit als Vorbeter und Religionslehrer in SanderSleben, ließ sich dann in Magdeburg nieder, wo er neben einem Pensionat als zweiter Religionslehrer amtirte, und überfiedclte zuletzt nach Berlin. Niemals ging ein Mann einen schweren Lebcnsgang mit mehr Leichtigkeit und Würde; sein feines und angenehmes Wesen erweckte ihm

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