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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-04-23 · Heft 17 (23.4.1855) · p. Seite 219

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 17 (23.4.1855)
Date
1855-04-23
Page
Seite 219 (sequence 11)
Language
German
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219 lich die RajahS oder nichtmuselmännischen Unterthanen der Pforte, deren Stellung in der Türkei sie vollständig zu ändern bestimmt sind. Zuvörderst handelt eS sich um die Aufhebung des Kararch. Vornehmlich seit einigen Jahren ward diese Steuer als eine Demüthigung betrachtet und ihre Abschaffung, die lange für unmöglich galt, dringend gefordert. In Zukunft werden alle RajahS der Conscription unterworfen und müssen eben so viele Jahre im ottomanischen Heere dienen, wie die Türken. Sie werden zu den Civil- und Militairstellen zugelassen und zwar bis zum Range eines Bala oder Beamten erster Classe in der Verwaltung und bis zum Range eines Obersten im Heere. Außerdem wird ihnen der Vollgenuß der bürgerlichen Rechte und die Gleichheit vor dem Gesetze zugefichert. Auch ist, jedoch soll dies erst etwas später geschehen, von der Verwendung der Mofcheen- Güter zu Staatszwecken und von der Bewilligung deS Grundeigenthums-Rechtes an Fremde die Rede." —. So viel man übrigens aus den Friedensverhandlungen in Wien vernimmt, so soll türkischer SeitS die völlige Souverainetät und Nichtintervention in die inneren Angelegenheiten des Reiches ernstlich gefordert werdm. Nordamerika. Cincinnati, im März. (Briefe auö Amerika. I.) In San Fracisco fand die Einweihung der neu erbauten Synagoge, welche die dortigen Juden mit einem Kostenaufwande von 21,000 Dollars errichtet haben, unter entsprechenden Feierlichkeiten statt. Schon unter den ersten Ansiedlern in San Francisco befanden sich mehrere Personen jüdischer Confesfion. Im Jahre 1849 wurde die erste gottesdienstliche Versammlung der Juden in Californien unter einem Zelte in der Jacksonstraße in San Francisco abgehalten, wobei zehn Hausväter gegenwärtig waren. Erst zu Anfang deS JahreS 1851 fühlte man indessen daS Bedürfniß, ein religiösen Handlungen gewidmetes, permanentes Gebäude herzustellen, zu welchem Zwecke die Summe von 1500 Dollars fubscribirt wurde. Zum Unglücke erfolgte im Juni desselben JahreS die zerstörende Feuersbrunst, welche den jüdischen Bürgern die schwersten Verluste brachte, von denen sie sich nur langsam erholen konnten. Allmälig sah sich jedoch ihre Betriebsamkeit mit neuem Erfolge gekrönt, und im Herbste 1853 fand eine Versammlung der Juden statt, in welcher die Gemeinde Emanuel eine Summe von 20,000 Dollars zum Bau eines passenden Tempels Unterzeichnete. Jetzt sind die Juden in Calisornien äußerst zahlreich und stehen ihres Fleißes und ihrer Sittlichkeit wegen in hoher Achtung. Sie haben Bethäuser in San Francisco, Sacramento, MarySville und Sonora, so wie auch Vereine zur Unterstützung der Kranken und Nothleidenden und Schulen zum religiösen Unterrichte der Kinder. Die neue Synagoge ist ein sehr hübsches und geräumiges Gebäude und wird nach ihrer völligen Vollendung in Schönheit der Architektur und Eleganz deS Styls keinem andern israelitischen Bethause in den Vereinigten Staaten nachstehen. In San Francisco wird sie in dieser Hinsicht nur von der Congregationalisten- und der unitarischen Kirche übertroffen, und man muß anerkennen, daß sie dem Gemeingeiste der californischen Juden viel Ehre macht. Außer der erwähnten Gemeinde giebt eS in San Francisco noch eine zweite, die sich Scheerith Israel nennt. — In New-Aork hat sich ein Verein „louro Literary Institute" junger Leute jüdischen Glaubens gebildet, zu dem Zwecke, durch passende Zeitschriften, Bibliothek und Vorlesungen eine weitere Aus- und Fortbildung ihrer Mitglieder in Wissenschaft, Literatur, Kunst und Gewerbe möglichst zu erstreben. Der Verein, der bis jetzt kaum mehr denn 40 Mitglieder zählt, hielt kürzlich seine erste Versammlung. Der Saal war gedrängt voll von Damen und Herren. Herr B. H. Mayer eröffnete als zeitiger Präsident die Sitzung und sprach einleitend über die Bildung und den Zweck des Vereins. Nach ihm hielt Herr I. B. Philipps eine sehr gediegene Vorlesung über die wissenschaftlichen und literarischen Vereine seit Beginn der Cultur der Menschheit bis auf die neueste Zeit. Er wies dabei besonders darauf hin, daß fast alle mehr oder minder bedeutenden Vereine ursprünglich von wenigen und oft nur jungen Leuten gegründet waren und die Welt diesen viel für Wissenschaft und Cultur verdankt. Di*. Raphael wies die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Vereine unter den Juden historisch nach. Herr M. Lyon sprach über den Einfiuß der Wissenschaft und Literatur auf Handel, Gewerbe und Cultur und Herr A. I. Ditterhöfer 17**

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