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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-04-23 · Heft 17 (23.4.1855) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 17 (23.4.1855)
Date
1855-04-23
Page
Seite 218 (sequence 10)
Language
German
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218 Instructionen, um in dieser ernsten Frage die Initiative zu übernehmen, gefälligst zukommen zu lassen. Wir werden glücklich und stolz sein, die Israeliten des Orients eine Glaubensfreiheit genießen zu sehen, die wir der Regierung des Kaisers Napoleon HI. zu danken haben und Höchstdenselben dadurch eine neue Ursache zur Hochachtung, des Respects und der Liebeinmitten der civilifirten Welt erlangen zusehen.—" Die vortreffliche Absicht deS Central-ConsistoriumS erkennen wir gern an; eS schmerzt uns, daß sie bei dem französischen Ministerium keinen bessern Erfolg gewonnen; jedenfalls wird dadurch, wie durch die neuere Geschichte in Italien und Spanien, hinlänglich erwiesen, daß die Frankreich übertrieben huldigenden Ausdrücke jetzt bereits leider! etwas veraltet sind.... Die Schweiz. Aus dem Aargau, im April. (Privatmitth.) Der hohe Regierungsrath des Cantons Aargau hat das bürgerliche Gesetzbuch zu Ende berathen und im Schlußparagraphen desselben unter Anderm die Bestimmung ausgenommen, daß fortan die Ausnahmsgesetze, welche die bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten beschlagen, aufgehoben sein sollen. Gewiß ein wichtiger Schritt für die aargauischen Israeliten! Denn damit wäre die Erlaubniß gegeben, allenthalben Grundstücke anzukaufen, während die aargauischen Israeliten bisher nur in Endingen und Lcngnau solche auf länger denn ein Jahr besitzen durften; damit wäre die freie Niederlassung gestattet und das widrige Gesetz vom 5. Mai 1809 über Geldverkehr mit Juden, die das Geld, welches sie Christen als Anleihen gaben, vor dem Gemeindeammann oder Friedensrichter vorzählen mußten, wenn der hierüber ausgestellte Act Gültigkeit haden sollte, und noch viele andere unangenehme und den Juden herabwürdigende Gesetze abgeschafft. Wir zweifeln nicht, daß der Große Rath diese Bestimmung umändern lassen werde. Zur Unterstützung der Armen wurden in voriger Woche bedeutende Quantitäten Maismehl in die Gemeinden versandt, wovon das Pfund an die Armen zu 3 Kreuzer verkauft wird. Auch die israelitischen Gemeinden erhielten davon. Ueberhaupt erfreuen sich die israelitischen Armen seit einer langen Reihe von Jahren aller derjenigen Wohlthaten, die von der Cantonalarmenkasse den christlichen Bürgern zu Theil werden. Behufs Errichtung eines landwirthschaftlichen Instituts für Israeliten haben folgende Männer ein Comitö gebildet: vr. Julius Fürst, Rabbiner, Gustav Dreifuß, ein angesehener Landwirth, Oberlehrer Bollag, Sigmund Myler und Lehrer Dreifuß. Hoffen wir, daß warme Theilnahme und Interesse unserer Glaubensgenossen dieses Comite in der Ausführung feines Vorhabens unterstützen wird. Rußland. Auö Galizien, Ende März. (Privatmitth.) Wir haben uns daran gewöhnt, wenn wir an die Israeliten Rußlands denken, sie zu bedauern, aber jede Hoffnung auf ein Besserwerden aufzugeben. Folgende Mittheilung aus Warschau, die wir in den Wiener Zeitungen fanden, ist daher sehr geeignet, die geschätzten Leser der Allgemeinen Zeitung des Judenthums zu interessiren. „AuS Warschau wird gemeldet, daß der Fürst- Statthalter den Vorstehern und Aeltesten der jüdischen Synagogen-Gemeinden für die von ihnen bethätigte lebhafte Theilnahme an der Trauer des Landes den besondern Dank des Kaisers unter Erweckung günstiger Aussichten für die Gestaltung ihrer Verhältnisse ausgesprochen habe. ES finden in den jüdischen Bethäusern TrauergotteSdienste mit Anwendung aller für solche vorgeschriebenen Ritualien brs acht Tage vor dem Osterfeste statt. Auch für Die Bitte, eine Deputation nach Petersburg senden zu dürfen, ist ihnen Befürwortung und Gewährung in Aussicht gestellt." Ob diese vom Fürsten-Statthalter den Israeliten angedeuteten „günstigen Aussichten" wirklich die Schwalben sind, die auch diesen Unglücklichen einen freundlichen Frühling verheißen?... ober nicht?... Wir wünschen eS, ob wir aber hoffen? Es ist wohl Niemand zweifelhaft! Türkei. Konstanlinopel, 31. März. Die Regierung Sr. Hoheit scheint in Wirklichkeit den Weg der gerechten Reform fortzuwandeln. Es wird darüber Folgendes berichtet: „Die Reformen, deren öffentliche Verkündigung in diesen Tagen bevorsteht, worauf sie denn sogleich zur Ausführung kommen sollen, betreffen hauptsäch-

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