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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-04-23 · Heft 17 (23.4.1855) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 17 (23.4.1855)
Date
1855-04-23
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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217 wordm wäre. So lange Sie diese aber nicht nachzuweisen vermögen, sind Sie gehalten, Ihre Leichen nach Neuenkirchen zu beerdigen. Hiernach mußte daher, wie hiermit geschieht, Ihre Beschwerde zurückgewiesen werden. Die Anlage Ihrer Vorstellung erfolgt hierbei zurück. Minden, den 23. October 1834. Königliche Regierung, Abtheilung des Innern, gez. N. N. Reueuburg (Westpr.), 5. April. lPrivatmitth.) Die Waffernoth hat hier besonders großes Unheil angerichtet. Gegen 200 Verunglückte aus der nächsten Nachbarschaft, deren HauS und Hab plötzlich in weniger als einer Stunde verloren war, leben in unserer Stadt. Auf daS Wunderbarste wurde manches Menschenleben gerettet. Zur Abwendung der dringendsten Noth hat sich hier ein Comite gebildet, zu dem auch ein achtbarer hiesiger jüdischer Kaufmann, Herr L. A. Lehmann, gehört. Unter den Verunglückten befinden sich auch manche Glaubensgenossen. Wen sein Herz antreibt, für diese insbesondere ein Werk der Wohlthätigkeit zu üben, möge seine Gabe dem Herrn Lehmann mit der speciellen Angabe für „jüdische Verunglückte" übersenden. Wer ein Herz voll Mitleid hat, wird sich die Noth selber malen. Frankreich. Straßburg, im März. (Privatmitth.) Bon hier ist wenig mitzutheilen. Auch in diesem Winter hat unter dem Vorsitz deS Herrn Großrabbinen ein Comite durch Vertheilung von Holz, Kartoffeln und Brod außerordentlich viel Gutes gethan. An der Spitze des Comite de bienfaisance steht jetzt Herr Aron G ötsch, der die Finanzen trefflich organisirr hat. Herr Louis Bloch, Mitglied des ConsistoriumS, hat zur'iLp -a seines ältesten Sohnes, die er am 'o 'a feierte, die Gemeinde mit einem herrlichen Vorhang von weißem Seidendamast mit Silber gestickt, namentlich in der Mitte mit einer strahlenden Sonne aus Silber geschmückt, überrascht, und außerdem die Armen reichlich bedacht. Paris, im April. (4rcb. isr. de Fr.) Das Central- Konsistorium hat an den französischen Minister des Auswärtigen eine Adresse gerichtet, welche aber biS jetzt — eben so wie die im vorigen Jahre an den Kaiser — ohne Antw ort geblieben. Die Adresse lautet: „Die diplomatischen Verhandlungen, welche jetzt in Wien stattfinden, werden nicht allein die allgemeinen europäischen Interessen befassen, sondern auch die religiöse Frage, welche eine so wichtige Stelle in dem zwischen Rußland und den Westmächten entbrannten Streit einnimmr. Die bedeutenden Anstrengungen und die schmerzlichen Opfer, die Frankreich und seinen Verbündeten der Orient kostet, werden zum Resultat haben, daß sie für immer die Freiheit der Culte auf einem Boden begründen, wo der Fanatismus und der Gewlssensdruck seit so langer Zeit geherrscht haben. Das Central - Consistorium, als Organ der Israeliten Frankreichs, glaubt, da es täglich mehr die Wohlthaten der bürgerlichen und politischen Gleichheit, die allen Bürgern unsres Vaterlandes zu Theil werden, empfindet, eine heilige Pflicht zu erfüllen und zu glei, cher Zeit den großmüthigen Gesinnungen der kaiserlichen Regierung zu entsprechen, wenn eS Ew. Ercellenz um Ihren mächtigen Schutz zu Gunsten der türkischen Juden anspricht. Wir wissen aus sicherer Quelle, daß die hohe Pforte die besten Absichten hinsichtlich unsrer Glaubensgenossen, und den bestimmten Willen hat, ihnen dieselbe Stellung, wie allen übrigen nichtmuselmännischen Unterthanen (RajahS) zu bewilligen. Aber wenn eS einerseits von Wichtigkeit ist, daß diese guten Absichten der oltomanischen Regierung durch die auS den Wiener Conferenzen hervorgehenden Friedensverträge ausgesprochen und verbürgt werden, so wünschen wir andrerseits, in unsrer Liebe für unser Vaterland, daß die Initiative in dieser großen EmancipationS- und Fortschrittsfrage ihm angehöre. Frankreich repräsentirt in der Welt die Principien der Gerechtigkeit, der Freiheit und Civilisation. Uederall, wo eine Ungerechtigkeit wieder ausgeglichen worden, überall, wo das gute Recht triumphirt hat und der Glaubensfreiheit deS Bürgers Genüge geschehen ist, fällt daS Verdienst davon dem Borbilde unsres Landes, dem mächtigen Einflüsse, den seine Gesetze, seine Einsicht, und vor Allem der liberale Geist seiner Regierung, nicht allein in Europa, sondern auch inmitten der gegen jeden Fortschritt widerstrebendsten Racen ausübt, zu. AuS diesen Gründen kommen wir, Ew. Ercellenz zu ersuchen, unsrem Gesandten in Wien die nöthigen 17

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