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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-04-23 · Heft 17 (23.4.1855) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 17 (23.4.1855)
Date
1855-04-23
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
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213 hält. Diese letztere Wohlthat mußte sich sogar bis auf das Thier erstrecken. Und endlich sucht die ganze sociale Oekonomie, die ganze öffentliche Einrichtung des Moses, wenigstens im Schoße seines Volkes, die bürgerliche Glerchbcrechtigung und sittliche Verbrüderung festzuhalrcn. So, um eine zu große Ungleichheit des Vermögens zu verhindern, bestimmt er, daß jeder Kauf- und Vcrkaufscontract nur bis zum Zobeljahre gültig sei. Zu dieser Zeit fallen die verkauften Güter wieder zu ihren ersten Eigenthümcrn zurück. Jeder Sclave, zu welcher Zeit seine Dienstbarkeit auch begonnen, ist durch das Jobeljahr in Freiheit gesetzt. Aus denselben Rücksichten verbietet er auch, einem Hebräer auf Zinsen zu leihen, und nur gegen Len Fremden erlaubt er diese Handlung. Wenn er eine priesterliche Kaste hervorhob, war cs nicht, um diese zu bereichern und ihr eine gleiche Herrschaft, wie die der Brahmanen Indiens und der Priester Aegyptens, zu verleihen, sondern im Gegenthcil, um ihr Entsagung und Opfer aufzuerlegen; denn gerade der Stamm Lcvy hat keinen Erbbefitz in Israel. Man hat behauptet, daß das jüdische Volk die Lehre, die allen übrigen das Siegel aufdrückr, und die man die erhabenste nennen kann, das ist die Lehre von der Unsterblichkeit, nicht gekannt habe. Es ist wahr, daß Moses mehr zum Volke im Allgemeinen, zu einem Volke, das er für seine Gesctzeslehre bilden will, spricht, als zu dem Einzelnen, und daß ihn folglich die irdischen Belohnungen und Bestrafttngen nach der politischen Einrichtung mehr beschäftigen als die individuellen Bestrafungen und Belohnungen in einem andern Leben. Aber die Lehre von der Unsterblichkeit zeigt sich während des ganzen Bestandes des jüdischen Volkes und in all ihren Formen. Das Verbot, die Todten zu beschwören; die Here von Endor; die an David gerichteten Worte: „Die Seele meines Herrn sei gebunden in den Bund des Lebens beim Ewigen"; die Schatten, die beim Anblick Sancherib's zittern, und endlich eine ununterbrochene Tradition bezeugen die Eristenz dieses Dogma's auf die eclatantestc Weise. Man findet im „Pred. Salom." auch die Worte: „Der Leib kehret zum Staube zurück und die Seele zu Gott, der sie gegeben." Es giebt kein Volk, auf das dieser Glaube stets einen bedeutenden Einfluß geübt. So finden wir denn auf historische und natürliche Weise den bedeutenden Anthcil, der in beispiellosem Maße dem jüdischen Volke an der sittlichen Entwickelung des Menschengeschlechtes zukommt, erklärt. ES war in nnlicher und religiöser Beziehung, was die Griechen sur die Künste, Wissenschaften und die Philosophie, was die Römer für die Rechtspflege, die Verwaltung und den Krieg gewesen. Aber dieses Uebergewicht der jüdischen Nation über die anderen Nationen des Orients hat, vergessen wir es nicht, seinen Ursprung in dem mächtigen Bewußtsein der menschlichen Persönlichkeit, ein Bewußtseiu, das ihr seinen Stempel aufgebrückt, ihre Originalität erhalten, und das heute noch ihren Bestand und ihre unerschütterliche Festigkeit ausmacht, was für alle großmüthigen Seelen und unparteiischen Geister ein Gegenstand der Bewunderung ist. Ad. Franck. Magdeburg, 16. April. Dir israelitische Literatur - Gesellschaft hat heute, den 16. 2lpril, bereits daS Doppelte der angegebenen Minimalzahl überschritten, indem die Zahl der Thcilnehmer bis auf 825 gestiegen, und noch fortwährend wächst. Die Verhandlungen find nun so weit gediehen, daß die nächste Nummer dieses Blattes die Erklärung über die Einrichtungen im Detail enthalten, so wie die Namen der Männer, welche die Prüfung der Manuscripte, die Controle und die Cassaführung übernommen haben, bringen wird. Unterschriften der Thcilnehmer, einzeln oder in Listen, werden noch immerfort entgegengenommen. Zu Agenten erklärten sich wiederum: Herr Antiquar S. L. Landsberg in Oldenburg. - I. Lehrer an der israelitischen Stadtschule Louis Weyl in Wittkowo. - israelitischer Prediger Dr. D. Frankel in Frankfurt a. O. - Abbo Weinberg in Pr. Holland. - Buchhändler und Klausner Rubin in Kopenhagen. - Oberlehrer A. D. Lutomirski in Rotterdam. - M. H. Cohen in Uedem, Kreis Cleve. - Buchhändler Bonnier in Gothenburg (Schweden). - Buchbindermeister Gottl. Reiß in Bühl (Baden). - Lehrer B. Alsbach in Peckelsheim

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