Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1855)
- Date
- 1855-04-23
- Page
- Seite 210 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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210 die Idee eines Kampfes zwischen zwei Classen von Göttern, die nothwendige Dazwischenkunst der Intelligenz und Arbeit deS Menschen, um die Schädlichkeiten der Natur zu verbessern, die Idee der Thärigkeit und mit dieser der Freiheit entwickelt. Auch bemerken wir sowohl in den Traditionen als auch der Gesetzgebung dieses alten Landes ohne Zweifel nicht den Gedanken deS RechtS, wie wir ihn verstehen, die Idee einer allgemeinen Gerechtigkeit, die über alle Menschen ihr schützendes Schild breitet, aber jene sanften und zarten Gefühle, die deren Vorboten und Hülfsmittel sind, die Hcilighaltung der Ehe und der Pflichten, die sie auferlegt, die Milderung der Kasten-Verfassung und die persönliche Unsterblichkeit statt einer rein physischen Metempsychose, die nichts weiter als das Gesetz der astronomischen Umwälzung, auf die menschliche Natur angewendet, ist. 3n Persien aber besteht, durch Zoroaster wieder aufs Neue belebt, der Kampf noch, aber zwischen zwei bestimmten Grundsätzen, von denen einer das Gute und der andere das Böse ist. Dieser Kampf soll nicht ewig dauern, wie in den ägyptischen Traditionen, sondern das Gute soll den Sieg davon tragen, und dieser Sieg soll nicht aus der materiellen Kraft, nicht aus der bestimmten Wiederkehr derselben Begebenheiten nach einer begrenzten Zeit, sondern aus der Uebermacht des Guten über das Böse, der Willenskraft über die Leidenschaft, der Vernunft über die Thorheit entstehen. Auf diese Weise ist dies nicht mehr das Gefühl, sondern der Gedanke der Gerechtigkeit, den wir hier erkennen, unter einer schon sehr durchgehobenen Form des religiösen Glaubens. Der Mensch hat Antheil an der Natur des guten Gottes; er soll kämpfen wie er, und wird siegen wie er, wenn er es will. Er erntet die Früchte seiner Werke, darnach sie sein können, sei es in diesem Leben oder in einem zukünftigen! Wir begegnen hier also der persönlichen Unsterblichkeit, nicht allein als einem Wunsch, als einer der Menschheit gebotenen Hoffnung, sondern als einer nothwendigen Satzung des Princips des Guten, einer Vorschrift der Moral. Diese Vorschrift, die nothwcndiger Weise die Einheit zum Atttibut haben muß, hat den Glauben von der Einheit des Menschengeschlechts, der materiellen Verbrüderung und des gemeinschaftlichen Ursprungs aller Menschen eingeführt. Deshalb finden wir keine Kasten mehr im Reiche der Magier, keine unaüfhebbare Sklaverei, keine Vielweiberei, die Frau ist, ohne schon die Gefährtin deS Mannes zu sein, schon durch ein achtbares Band an ihn gefesselt. Jetzt, meine Herren, bevor wir den Orient verlassen, muß ich Ihnen noch von zwei anderen Volkerstämmen sprechen, die ebenfalls eine bedeutende, wenn auch eine sehr verschiedene Rolle in der Geschichte der Civilisation und in der Geschichte der Sittlichkeit und des Rechts gespielt haben. Ich will von den Hebräern und Chinesen sprechen, welche letztere dem äußersten Osten und erstere dem äußersten Westen Asiens angehören, beide während langer Zeit wie zwei undurchdringliche Welten bettachtet. Sie erlauben mir, zuerst von den Hebräern zu sprechen, nicht allein weil sie uns als die Väter der Religion für die europäischen Nationen unmittelbarer inreresfiren, sondern weil sie in der Vergangenheit mehr Beziehungen als die Chinesen zu den Aegyptiern und Persern hatten. In den Augen der Gläubigen haben die geheiligten Bücher des hebräischen Volkes einen übernatürlichen Ursprung. Aber dieser Charakter, vor dem ich mich mit Achtung, und es würde mir in Ihren Augen wenig Ehre machen, wenn ich nicht hinzufügte, mit einer durchaus kindlichen Verehrung beuge, ändert nichts an ihrem natürlichen und geschichtlichen Sinn und hindert nicht, sie im Interesse der Frage, die uns so eben beschäftigt, mit den Monumenten und Traditionen andrer Völker zu vergleichen. Uebrigens habe ich nichts hierüber zu sagen, was von Seiten der Vernunft und Philosophie dem Gefühl der Verehrung, mit der die Religion sie umgiebt, widerspräche. WaS uns gleich Anfangs in den Büchern des alten Testaments frappirt, ist die Idee, die sie uns von Gott geben, ist der sittliche und persönliche Charakter, mit dem sie ihn darstellen, ohne ihm Etwas von seiner Unendlichkeit und den metaphysischen Attributen, die deren Ausdruck find, zu nehmen. Es handelt sich hier nicht mehr, wie im IsHour-Veda und den Oupanischads, von einem unbestimmbaren Princip, von einem Dasein ohne Charakter, das mit der Natur verschmilzt; es handelt sich nicht, wie in dem Mysterium von Isis und Osiris, einem heldenmüthigen Paare, das ohne Hoffnung mit einem unsichtbaren Feinde kämpft; es handelt sich nicht, wie in dtt Zend-Avesta, von zwei fteilich ungleichen Principien, aber von denen das beste und stärkste doch in einer Zeit in Schranken gehalten und in einer anderen besiegt wird. Es handelt sich um einen einzigen Gott, nicht allein unterschieden von der Natur, sondern auch die freiwillige, allweise und allmächtige Ursache und Vorsehung aller Wesen. Bayle und die Philosophen des letzten Jahrhunderts haben behauptet, und man hört es heute noch oft nach ihnen wiederholen, daß der Gott MosiS und des alten