Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1855)
- Date
- 1855-04-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225949--14539-3300189- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
__i^3ain9»n3. Allgemeine 17 Zeitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 23. April 1855. Dicsr Zritung erscheint wöchentlich einmal. Montag», und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. de» Titel». Register», n. f. w. umfassen. 3n Gemäßheit de« Zwecke«, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Tblr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Tblr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Vr Ngr. (IS g®t.) für da» Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung» > Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hanptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitung».Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leilende Artikel: Vorlesung brS Prof. A. Franck über das Judentbum. — Die israelitische Literat argesellschaft. — Literaturbericht. I. Aeitungs»achrich»ten: Palästina:Magdeburg. Deutschland: Frankfurt am Main, WormS. WormS. Preußen: Magdeburg, aus Wetzpbalen. Ncuenburg. Frankreich: Sttaßb»rg, Paris. Die Schweiz: aus dem Aargau. Rußland: aus Galizien. Türkei: Konstantinopel. Nordamerika: Cincinnati. Nachruf. Leitende Artikel. Paris, im April. Vorlesung -es Prof. A. Franck über -as Iudcnthum. Der Minister des Unterrichts hat den Prof. Franck, Mitglied des Instituts, auch Vicepräsident des israelitischen Centralconsistoriums, mit dem Kursus des Natur- und Völkerrechtes am College de France beauftragt. Er begann im Januar mit der Entivickelung der Rechts-- und Sittlichkeitsprincipien bei den alten Völkern. In den drei ersten Vorlesungen sprach er über Indien, Aegypten und Persien, in der vierten über die Hebräer. Israel ist da. nicht um immer Neues vorzutragen in der Familie der Menschheit, sondern um Zeugniß abzulegen fir die Wahrheiten, die ihm übergeben worden, und sie immer tiefer und fester im Schoße der Völker wurzeln zu lassen. Ein solches Zeugniß hat Prof. Franck in jener Vorlesung vor seinen Zuhörern abgelegt, und, wenn nun auch durchaus keine neuen Ideen und Erklärungen in derselben ausgesprochen find, so hat dieselbe darum und um die schöne Form Wichtigkeit genug, sie hier nach den Arch. israel. de France wiederzugeben. — Meine Herren, rufen Sie sich gefälligst den Zweck meiner letzten Vorlesung zurück, den ich in der heutigen weiter verfolgen werde. Ich wollte beweisen durch die Geschichte der ältest civilisirten Völker, durch die Geschichte der Nationen des Orients, daß die Idee des Rechtes, der Gerechtigkeit, der menschlichen Würde und Sittlichkeit in demselben Maße entwickelt war, wie das -Bewußtsein unserer Persönlichkeit, unseres freien Willens, unserer Verantwortlichkeit als thätige und willkürliche Ursache der Macht, die wir auf uns selbst und auf die äußere Natur ausüben. Ich habe Ihnen nacheinander von Indien, von Aegypten und von Persien gesprochen. In Indien hat uns die Idee der Persönlichkeit ganz zu fehlen geschienen, nicht allein in der Philosophie, oder in den verschiedenen Versuchen, die man gemacht, um die Natur des Menschen zu begreifen, sondern auch in der Theologie und Kosmogonie wie in den Traditionen, die über die Gottheit und den Ursprung der Welt vorherrschten. Nirgends auch find die Principien des Rechts und die Gesetze der Justiz weniger gekannt und mehr verachtet gewesen. Nirgends sind die Unveränderlichkeir und das Sclaventhum tiefer in die Institutionen und Sitten eingedrungen. In Aegypten hat