Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1855)
- Date
- 1855-04-16
- Page
- Seite 204 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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204 dennoch von oben herab verboten, ihm diesen Lehrgegenstand zu übergeben, weil man befürchtete, er würde nicht christlich damit verfahren! Wünschenswerth wäre eS, wenn die durch Dr. Löwenthal räthfelhasteS Verschwinden vacant gewordene Stelle wieder durch einen jüdischen Oberlehrer besetzt würde; hoffentlich werden die hiesigen Juden dies auch zu bewirken suchen. Posen, im März. (Privatmitth.) Herr Dr. Deutsch, der seit dem Entstehen der hiesigen Realschule den mosaischen Religionsunterricht darin ertheilt und aus städt i sch er Kasse dafür besoldet wirb, liegt seinem Amte mit anerkennenswerthem Eifer ob. Außer der Religion docirt er in den oberen Classen auch jüdische Geschichte, und weiß er beide Unterrichtsgegenstände so interessant zu machen, daß die Schüler mit Lust und Liebe dem Unterrichte beiwohnen. Möge Herr Dr. Deutsch in seinem Streben nie ermüden unb seiner Aussaat segensreiche Früchte entsprießen sehen. Beuthen in Oberschlesien, im März. (Privatmilth.) Vor mehreren Monaten wurde der hiesige Banquier und Hüttenbesitzer Herr Moritz Friedländer zum Königlichen Commerzienrath ernannt, und zwar der vielen Verdienste wegen, die er um die Industrie Oberschlefiens hat. Dies Ereigniß erregte in allen Kreisen der hiesigen Einwohnerschaft eine um so freudigere Sensation, als Herr Friedländer seiner Humanilät und seiner außerordentlichen Wohlthätigkeit wegen sich allgemeiner Hochachtung zu erfreuen har. — Wie wir hören, soll Herr Oberlehrer Dr. GinSberg hier dieser Tage aufgefordert worben sein, sich nach Posen an die Realschule als Oberlehrer zu melden. Diese Anstalt dürste an ihm eine vortreffliche Acquisition machen. Vom Rhein, im März. (Privatmitth.) Die Einführung des Gesetzes von 1847 läßt schon sehr lange auf sich warten! Ist eS vielleicht der alle Welt beschäftigende Riesenkampf, welcher bis jetzt der Einführung eines derartigen Gesetzes hinderlich in den Weg getreten, so daß der heftige und erschütternde Donner der Schlachten die Blicke der preußischen Regierungen auf andere Bahnen lenkte, als sich in einer so schweren und drangsalvollen Zeit um die Einführung eines Judengesetzes zu kümmern? Oder bietet vielleicht daS Gesetz in sich so viele Schwierigkeiten dar, die, nicht so schnell zu heben, noch immer der Einführung desselben hemmend entgegentreten? Beides hat Etwas für sich. ES fehlt uns nicht an gegründeten Muthmaßungen, die wir hier als Belege ansühren könnten. Doch wir wollen der Zeit nicht vorgreifen; die Erfahrung wird'S lehren. Nur das können wir nicht unerwähnt lassen, daß dieses Unbestimmte, Schwankende und Unsichere von nachtheiligen Folgen für das Ganze sein muß. Sind doch die Statuten in einigen Gemeinden weit übers Jahr eingefordert, ohne bis jetzt zu wissen, was die königliche Regierung will. Dadurch geräth Manches ins Stocken. Niemand weiß recht, woran er ist, was eigentlich anzufangen sei. Mit Spannung sehen mit jedem Tage die Gemeinden höherem Entscheiden entgegen. Möchte doch diesem Wankenden und Schwankenden baldigst ein Ende gemacht werden! Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Galizien, im März. (Privatmitth.) Ihrem Projecte, eine israelitische Literaturgesellschaft zu gründen, das eben so großartig und segenverheißend als leicht ausführbar ist, wünschen wir, und mir uns gewiß Alle, denen das Heil und Gedeihen des JudenthumS am Herzen liegt, viel Glück; und wäre eS sehr zu wünschen, daß dieses edle Streben auch unter den israelitischen Bewohnern dieses KronlandeS, denen Fortschritt und zeitgemäße Bildung so Noch lhut, fruchtbaren Boden fände. — Mit großer Genugthuung sahen wir daher, daß der „Wanderer" gleich nach dem Bekanntwerden Ihrer „Aufforderung an alle demschlesenden Israeliten" den Inhalt derselben auszüglich mittheilte. Lemberg, im März. (Privatmitth.) Die Ankunft des Predigers Herrn Dr. Adler wird mit Ungeduld erwartet; mit ihm soll die Regeneration unsrer Anstalten wieder beginnen. Durch die rastlosen Bestrebungen des SchuldirectorS Herrn Dr. Sternberg hat die Schule ein schönes und geräumiges Local auf zehnjährige Miethe gewonnen. Der Schulbesuch ist dadurch in steter Zunahme, doch leidet die DiSciplin und der Unterricht durch die Ueberfüllung der Clafsen; so zählt die Elementar-Classe 280 und die erste Classe 208 Mädchen in einem Zimmer, bei einem Lehrer. Die zu errichtenden zwei Trivial-Schulen