Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1855)
- Date
- 1855-04-16
- Page
- Seite 205 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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205 sehen noch der Bewilligung deS hohen k. k. Ministeriums entgegen, welche also kaum vor Beginne deS nächsten Schuljahres ins Leben treten dürften. In den Antrag deS Direktors, Herrn vr. Sternberg, eingehend, hat der Gemeindevorstand jedem der Lehrer einen einmonatlichen Gehalt als TheuerungSbeitrag bewilliget, welches mit dem innigsten Danke angenommen wurde. Bei der öffentlichen Prüfung der Unterrealschule an der k. k. Muster-Hauptschule wurden auch die israelitischen Realschüler auS der Religion geprüft, wobei der Oberaufseher sämmtlicher Volksschulen in der Lemberger gr.-kath. Erz-Diöcese, Sr. Hochwürden Herr Michael KuziemSki, Confistorial-Rath und Commandeur deS k. k. Franz-Josephs-Ordens, seine Anerkennung über die Leistungen des Lehrers und der Schüler auf das Vortheilhaftefte öffentlich aussprach. Von den kleinen wöchentlichen Beiträgen, welche die Gymnasial- und Realschüler einzahlen, wurden allen Armen Bücher verabreicht, und Vielen wurde auch die Hälfte deS Schulgeldes beigesteuert, dabei wurde noch eine kleine Summe erspart. Holland. Amsterdam, 27. Marz. tPrivatmitth.) Der König hat den 13. d. M. Herrn Henri Alexander Hartogh zum Justiz-Officier beim Kreistribunal von Nordholland ernannt, eine Stelle, die so hohen Ranges ist, daß eine ähnliche wohl noch von keinem Juden in Europa eingenommen worden. (Aber Cremieur war ja Justizminister in Frankreich gewesen! Redact. d. A. Z. d. Jud.) Literarische Nachrichten. Magdeburg, im März. Ein treffliches Werk, von welchem uns einige Artikel zur Einsicht mitgetheilt waren, ist von dem Rabb. vr. Hamburger in Neustadt bei Pinne zu erwarten: eine „Real-Encyclopädie der Agava des Talmud und Midrasch." Wir lasen z. B. den Artikel nm „Tod", und fanden eine eben so reiche Fülle wie sorgfältige, durchdachte Anordnung des Stoffes. Ueber das Ganze schreibt uns der Herr Verfasser: „Die zu erscheinende Real-Encyclopädie der Agada des Talmud und Midrasch, die ich so ziemlich bereits geordnet, besteht aus zwei Abteilungen, von denen die erste alle Eigennamen der Bibel, wie sie im Talmud und Midrasch besprochen find, enthält; die zweite das Reale umfaßt, bei dessen Gruppirung ich die Artikel bei dem vieljährigen Studium des Talmud und Midrasch von innen heraus erhielt. Ich zertheilte nämlich die Agada des Talmud babli und jeruschalmi, wie auch des Midrasch rabba, Tanchuma und des ganzen Ialkut Schimoni in Artikel und erhielt dadurch einen heiligen, großen, gegliederten Schatz des menschlichen Wissens, der sonst bei dem Anblick des chaotischen Zustandes dieser Schriften nicht geahnt wird. — Die Geschichte, Religionsphilosophie, besonders die Moral, Ethik und Archäologie, wie auch die Naturkenntnisse, Symbolik, Culms, besonders Opfer u. s. w., finden hier sehr ergiebige Fundgruben und eS scheint wahrhaft zauberisch, daß, je weiter man dringt, desto größer und schöner die Entdeckungen werden." Magdeburg, im März. In Nr. 51 deS 17. 3ahrg. d. Z. so wie in Nr. 31 des 3ahrg. 1. deS jüd. Volksblattes theilren wir Proben einer Erklärung der Pirke Aboth mit, welche Rabb. vr. Meisel in Stettin abgefaßt. Wir brauchen uns daher zu unseren Lesern über den Wetth dieses Werkes kaum auszusprechen. Eine überall glänzende und eindringliche, in ihren Wendungen originelle Sprache, scharfe Auffassung der Terte, und die Kunst, überall im wirklichen und idealen Leben Anknüpfung und Bezüge zu finden, zeichnen diese Homilien aus. In diesen Tagen nun ist eine Einladung zu diesem Werke, das unter dem Titel „rms mst Homilien über die Sprüche der Väter, zur belehrenden Erbauung für das israelitische Haus" erscheinen soll, versandt worden. Die Einladung enrhält ein kräftiges Wort darüber, daß es mit dem gelehrten Anbau der jüdischen Theologie nicht genug ist, daß es vor Allem noch rhut — ein Schriftrhum zu schaffen für das Volk. Es heißt darin: „Wir müssen uns mehr Werke schaffen, die entfernt von der wcichmülhigen Andächtelei, die den nervenstarken Juden nicht erregt — zu dem Geiste reden mit der frischen Kraft unserer ewig jungen, lebendig sprudelnden prophetischen Quellen, in der markigen Ticfsinnigkcir der rabbinischen Hermeneutik, mit dem hellen Leuchten unserer besonnenen Philosophen, daß der Riesengcist unserer Ahnen wieder zu unseren Herzen dringe, daß er uns den edlen Stolz lehre auf das unvergleichlich große Erbe, das uns von den Vätern geworden. 16**