Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1855)
- Date
- 1855-04-16
- Page
- Seite 198 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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198 grssen sollen, und daß wir die Welt Gottes hinein in die Welt der Menschen tragen und sie damit durchdringen sollen, immer zu erneuern und zu beleben bestimmt ist. Peßach ist ja das Weihe- und Heiligungsfest Jsrael'S zu dieser Religion, zu diesem Werke, ist ja die Erinnerung an die Befreiung Jsrael's aus dem Joche der Menschenwelt zum tTDWrt bis zum Dienste der Gotteswelt — Peßach zeigt uns die Menschenwelt im Bilde Aegyptens, wo der Starke den Schwachen zu seinem Sklaven macht, wo der Uebermüthige den Ohnmächtigen erniedrigt und beschimpft, daß er in Thon und Lehmen arbeite unter Geißelhieben und Stachelreden, ja, wo es Gesetz und Recht genannt wird, den Unschuldigen in den Fluthen des Nils zu ertränken — Peßach zeigt uns aber auch die Welt Gottes im Bilde, wo der Sclave nicht blos Befreit, sondern, weil er innen die Runde von Gott und die Kraft zu seinem Dienste trägt, erwählt wird zum Rüstzeug Gottes für die ganze Menschheit, erhöht zur Krone der Offenbarung, wo der Frevler gezüchtigt und alles zeitliche Spiel der Herrsch- und Habsucht in den Wellen des Lebens ertränkt und verwehet wird! Wohl, so lasset uns dieses Peßach mit Ernste feiern, so lasset uns seinen großen Inhalt ganz in uns aufnehmen — ach! daß unser ganzes Leben ein Peßach werde. Vergesset nicht, daß Ihr in Israel Träger dieser Gotteswelt für die Welt der Menschen sein solltet, daß Ihr zu Priestern und Pflegern dieser Gotteswelt berufen wäret, daß Eure Religion Euch immerdar zurufet: erkennet den Gottesgedanken, über das Recht, erfüllet die Liebe! Euch lehret: diese Menschenwelt ist ttügerisch, vergänglich, es kommt, eS kommt die Stunde, wo sie Jedem zerbricht, wo sie vor dem brechenden Auge zu Nebel verfließt, wo sie zu Staube verflieget — aber wie Ihr aus der Gotteswelt gekommen, wie Ihr sie traget in der Tiefe des Herzens trotz aller Menschenwelt, also kehret Ihr zurück, gehet Ihr einst ein in diese Gotteswelt, und wahrlich, der Prophet ruft Euch an derselben Stelle zu — ob auch Gottes Gedanken und Wege über Eure Gedanken und Wege wie der Himmel über die Erde: „suchet den Ewigen, dieweil er zu finden, rufet ihn, dieweil er nahe ist — dann sollt ihr ausziehen in Freuden und geleitet werden in Frieden." (55, 6. 12. Jesch.) Die israelitische Literatur- Gesellschaft zählt in diesem Augenblicke (8. April) bereits 675 Theilnehmer. Als Agenten haben sich neuerdings gemeldet: Herr Lehrer Alexander Elsässer in Jebenhausen (Württemberg). - Buchhändler Jonas Alexander in Rogasen. - Lehrer Dreifuß in Endingen (Schweiz). - - Lazarus in Petershagen. - - A. Hilberth in Niederstetten (Württemberg). - Buchhändler Jacobh in Marienwerder. - - B. Eisendraht in Amsterdam. - Prediger vr. Wolffburg in Neuwedell. - Klausner und Buchhändler Rubin in Kopenhagen. - Lehrer Rosenthal in Graetz. - - M. D. Rosenberg in Mühlheim am Rhein. - - A. Ollendorf in Bitburg. Der jüdische Lehrer in Cöslin. Sicherlich ist jedem wahrhaften Israeliten diese wachsende, und immer Größeres verheißende Theilnahme eine große Beftiedigung, ein Zeugniß, daß die Liebe zu Israel noch nicht erloschen ist in den Herzen seiner Söhne und Töchter. Ich sage auch „Töchter", denn schon eine ganz nette Zahl Damen befinden sich unter obigen 675 Mitgliedern! Recht bald noch mehr Erfteuliches! — Die Petition der preußischen Lehrer, unterschrieben von 127, worunter 18 Rabbinen, ist bereits am 9. Februnr ©. von hier nach Berlin abgegangen. Wir werden sie in einer der nächsten Nummern veröffentlichen, und das darin gesteckte Ziel rastlos verfolgen! Aphorismen. Zu der „Geschichte der Juden in Mainz" gesellte sich vor Kurzem eine Broschüre: „Die Juden in Franken von vr. L. Heffner, prakt. Arzt zu Wüi^burg. Nürnberg, 1855." Den Inhalt bildet wiederum der wechselnde Zustand der Juden, diesmal in Franken, namentlich in Würzburg. Wir heben folgende Stelle hervor, die zuletzt ein Curiosum enthält. „Im Jahre 1407 findet die erste Annahme eines israelitischen Leibarztes bei dem Fürstbischof Johann v. Egloffstein statt. Zum großen Theil durch die Leistun-