Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1855)
- Date
- 1855-04-09
- Page
- Seite 190 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225947--14518-3300166- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
190 schlagen, daß die Befangenheit mancher Gymnafialdirectoren oder der Redaction hier ihren Einfluß geltend gemacht habe. Pesth, im März. (Pesther Marktconversation.) Je schlechter der eben zu Ende gehende hiesige Markt ablief, desto mehr Zeit hatten die hier versammelten Vorsteher und Glieder der verschiedenen Gemeinden, ihre Gemeindeangelegenheiten zu besprechen. Ich habe mir in Kaffeehäusern und Traiterien Mancherlei notirt, um Ihnen damit meine Aufwartung zu machen. Ich glaube zwischen den auS den besten Quellen geschöpften Notizen eine paffende Auswahl gesunden zu haben. Ich erwähne, wie billig, zuerst die verschiedenen Nachrichten von den gottesdienstlichen Feierlichkeiten und wohlthätigen Spenden, welche allenthalben bei der Kunde von der glücklichen Entbindung Ihrer Majestät der Kaiserin stattgefunden haben. Gemeinden, Vereine und Einzelne beeiferten sich, ihre loyalen Gesinnungen auf eine werkthätige Weise an den Tag zu legen. Die Armen wurden auf verschiedene Weise reichlich beschenkt. Die Synagogen waren von Andächtigen gefüllt. Wo predigende Rabbiner sind, wurde das glückliche Ereigniß auch mit Predigten gefeiert. In manchen Synagogen, wie in Arad und in Szegedin, erschienen auch die Civil- und Militairautoriräten, um der patriotischen Feierlichkeit beizuwohnen. Daß bei dieser Gelegenheit auch die Casualgedichte nicht fehlten, können Sie denken. Vor mir liegt ein zartes Gedicht von Moritz Feitel in Papa: „Gottes Wort und Gottes Segen." Die Wiener Zeitungen sprechen sich sehr lobend über dasselbe auS. Ein eigenthümlicheS Geistesproduct ist „Gebet, Dank und Wunsch von Dr. M. Duschak, Rabbiner in Auffee in Mähren", mit welchem mich ein Wollhändler auS Brünn beschenkt hat. Es kann dem sonst wackern Verfasser nicht zum Vorwurfe gereichen, kein dichterisches Talent zu fein. Non omnes possumus omnia. Minder verzeihlich find die Verstöße gegen die deutsche Metrik und Grammatik. Bon einem Wanderer heißt eS unter Anderm: Dann ruht er aus auch unterm Schattenzelt, Dem Leben wieder geben (sic) und der Welr!! Ein bedeutendes Element der Markt-Conversation bildeten auch die Chewra-Gastmähler, welche im Monate Adar, — meist am 7. desselben, — in vielen Gemeinden abgehalten wurden. Am meisten zeichnete sich in diesem Jahre das Mahl zu Arad aus, wo nicht weniger als 8000 Gulden Bank - Valuta zur Erweiterung des SpitalS gespendet wurden. Die für ihren Vorsteher Ignatz Deutsch mit Recht begeisterte Araber Gemeinde nahm demselben bei Gelegenheit deS Mahles daS Versprechen ab, daß er von seiner Absicht, nach Pesth zu übersiedeln, abstehen werde. Eine bedeutende Chewra-Szuda wurde auch in Papa abgehalten. Gespendet wurde hier zwar wenig, aber desto mehr getrunken. Die Kosten sollen sich auf 1200 Fl. belaufen haben. Die proceßlustigen Papaer find wieder in einen Proceß verwickelt. Die dortige Stadt hat nämlich einen Steuerzuschlag zu Gunsten der Armen auch auf die Juden repartirt. Diese wollen den Zuschlag nicht entrichten, indem sie ihre Armen selbst erhalten. Die Gemeindeschule in Papa soll ihrer Auflösung nahe sein. Sehr Rühmliches hörte ich dagegen von der Schule zu Groß-Kanischa erzählen. Die dortige Gemeinde ist im Begriffe, mit der Schule auch eine Kinderbewahranstalt zu verbinden. Dem dortigen Rabbiner Faffel, welcher vor Kurzem die Medaille pro arte et literis erhalten, ist von Seiten des k. k. Schulamtes verboten worden, die Religion in der Schule nach seiner Handschrift vorzutragen. Er ließ seine Hefte als Manuskript drucken, und unterbreitete dasselbe dem hohen Cultus-Ministerium. Der Synagogenbau in der hiesigen Gemeinde wird in großem Maßstabe fortgesetzt; in derselben wird auch die Orgel nicht fehlen. Die kleine Gemeinde zu Wäsärhely baut ebenfalls eine schöne Synagoge; die zu Czongrad hat die ihrige vor einigen Monaten vollendet. Der Rabbiner Königsberg in Stein am Anger giebt sein Rabbinat auf und gehr als Haus- Rabbi zu einem reichen Banquier in Güns. Der Rabbiner Kutna in Zenta (an der Theiß) will eine seiner Filialgemeinden durch das Bezirksgericht zwingen, seinen JahreSgehalt zu erhöhen. Der Rabbiner Oppenheim zu TemeSvar hat vor längerer Zeit seinen Gehalt auf die Realitäten der Gemeinde intabuliren lassen. Von dem Rabbiner Löwe in Szegedin ist ein Heftchen „Gaben für die israelitische Jugend, erste Gabe" erschienen. Warum der Verfasser seinen Namen nicht auf das Titelblatt gesetzt hat, ist mir nicht bekannt. Die poetische Bearbeitung der