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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-04-09 · Heft 15 (9.4.1855) · p. Seite 191

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 15 (9.4.1855)
Date
1855-04-09
Page
Seite 191 (sequence 11)
Language
German
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191 10 Gebote und der 13 Glaubensartikel ist sehr entsprechend. Literarische Nachrichten. Literatur- und Kunstbcricht aus Württemberg. Von dem fleißigen Schriftsteller für die Jugend, A. Hilberth, find wieder einige Jugcndfchriften erschienen, die dessen Begabung für dieses Feld der Literatur bekunden. Die von dem Verfasser erschienenen Jugcndschristen find: „Erzähle, liebe Mutter; Vlüthen und Früchte; das Kind im Spiel und Leben; Pater Biedermann; Zinnsoldat; Rabe." Ottmar Schönhur, der bekannte Herausgeber des Nibelungenlieds, Dichter und Historiker, sagt am Schlüsse einer Beurtheilung dieser Schriften: „Ich halte eS für Pflicht, obengenannte Schriften des A. Hilberth allen Familien zur Anschaffung;u empfehlen. Die meisten derselben find für das zarte Kindesalter berechnet; auch für die kleinsten Kinder verständlich, und haben noch bei jedem jugendlichen Leser auf Gemüths- und Herzensbildung segensreich gewirkt." Auch auf pädagogischem Gebiete hat Hilberth mit Glück fich versucht. Das königl. evangelische Confistorium hat für die Schulen des Landes neue Fibeln und Lesebücher hcrausgegeben; diese Fibel nun hat Hilberth für israelitische Schulen mit vielem Geschick umgearbeitet. Sie ist nach der bewährten Methode des Schreibleseunterrichts geordnet, die Schreibschrift kalligraphisch schön ausgeführt, der Lehrstoff nach Form und Inhalt gut gewählt, kann beim analytischen Sprachunterricht gut verwendet werden. Im Anhänge ist eine kurze biblische Geschichte gegeben. — An der methodischen Anordnung des Schriftchens bleibt nichts zu wünschen übrig, nur hätten wir gern auch demselben eine mehr specifisch jüdische Färbung gegönnt; dadurch, daß christliche Lcsestücke fern gehalten find, ist es noch kein „jüdisches" Lesebuch. Doch kennen wir kein derartiges Lesebuch, das für jüdische Schulen geeigneter wäre als dieses. Der Preis ist 18 kr. Verlag: Nietschke in Hall. In unsernr früheren Kunstbericht aus Stuttgart haben wir Herrn Hoftuufikus Wintcrnitz, gcbürttg aus Prag, unerwähnt gelassen; derselbe ist Clarinettist an der Hofcapelle und einer der ersten Pianisten hier. Er ist auf den hiesigen Concerten gern gehört. — Eine andere hier sehr geachtete Künstlerin ist Fräulein Mathilde Ries, fie ist die beliebteste Lehrerin in den höchsten Ständen, durch ihren dreijährigen Aufenthalt in England und Frankreich spricht fie beide Sprachen wie die Muttersprache. Die beiden älteren Geschwister find bei der Oper angestellt. — Der Vater der Geschwister RieS war Vorsänger in Oetttngen, ein Landsmann von vr. Gabriel RiesserS Vater. Der alte Ries erblindete, und von seiner Gemeinde penfionirr, fiedelte er zu seinen Kindern nach Stuttgart über. Wenn auch sein äußeres Auge deS LichtS beraubt war, so strahlte sein inneres desto hellerund klarer. Durch sein reiches Wissen in der jüdischen Literatur erfreute er seine Freunde, die ihn besuchten, aus dem Schatze der Midraschim und Hazada wie mit scharfsinnigen Compilationen aus dem Talmud. Die Künstlerfamilie hat vom Vater die warme Anhänglichkeit ans Judenthum fich bewahrt. — Ein Schülerin der Fräulein Ries ist Pauline Eichberg, deren schon rühmend in diesen Blättern Erwähnung geschah. Die hoffnungsvolle Künstlerin ist die Tochter des Vorsängers Eichberg in Stuttgart. Dieselbe zog die Aufmerksamkeit Meyerbccrs bei seinem Hiersein auf fich, der fich sehr lobend über die Fettigkeit, den guten Anschlag und den gefühlvollen Vottrag des Mädchens ausfprach und fie an Moschclcs in Leipzig Behufs ihrer Ausnahme ins Conservatottum in Leipzig warm empfohlen hat, dessen hoffnungsvolle Schülerin Fräulein Eichberg jetzt ist. Bei dem Talente dieses jungen Mädchens und unter der Leitung eines MoscheleS dürste Fräulein Eichberg eine tüchttge Virtuofin werden. Herr Eichberg rühmt die Güte des Herrn vr. Jellinek, der seine Tochter bei ihrer künstlerischen Ausbildung mit seinem Rath unterstützt. — Eine jüngere Tochter deS Herrn Eichberg, Schülerin des Herrn G. Krüger, leistet schon, für ihre Jugend, Erstaunliches auf der Harfe. Anzeigen. Die Stelle eines CantorS, Schächters und zweiten Lehrers in hiesiger Gemeinde, welche durch den Tod de« bisherigen CantorS Havelland, der diese Stelle 38 Jahre bekleidet hat, erledigt worden ist, soll möglichst sofort anderweitig auf 6 Jahre besetzt werden. Mit dieser Stelle ist ein jährliches Einkommen von circa 350 Thlr. verbunden und werden qualificitte Bewerber ersucht, fich unter portostcier Einsendung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten Vorstand zu wenden. Wünschenswcrth wird es sein, wenn der Aufzunehmende musikalische Kenntnisse besitzt und die Befähigung har, die Leitung des Synagogcnchors zu übernehmen. Nordhausen, am 1. April 1855. Der Vorstand der Synagogen - Gemeinde. H. Bach, Vorsitzender. 15**

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