Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1855)
- Date
- 1855-04-09
- Page
- Seite 187 (sequence 7)
- Language
- German
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187 Gegend, unter lieblichen Gärten gelegen, wirkt der Aufenthalt dort schon heilsam aus leidende Naturen; waS die Anstalt aber Juden empfehlenswerth macht, ist der Umstand, daß den religiösen Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Wir trafen beim Besuche der Anstalt Frau Dr. Großmann mit den kleineren Eleven der Anstalt jüdischer Confession, auS Hofheimers Gebetbuch für israelitische Kinder betend an und nahmen wahr, wie aus die Religion der der Anstalt übergebenen Personen Rücksicht genommen wird. Selbst für jüdische Kost kann gesorgt werden. So wenig wir sonst bei solchen Anstalten der konfessionellen Erziehung Rücksicht tragen sahen, so lobend müssen wir dieser Anstalt in dieser Richtung Erwähnung thun. Preußen. Aus Oberschlefien, Marz. (Privatmitth.) „Merket auf, Ihr deutschen Juden", hatten Sie, geehrter Herr Redacteur, voriges Jahr in Ihrer weitverbreiteten Zeitung den deutschen Brüdern zugerufen, und wahrlich, ich möchte Ihre ausgezeichnete Feder haben, um in ähnlich eindringlicher Weise einen Warnungsruf in unsre liebe Provinz hinaussenden und deren Gemeinden vor Mißgriffen warnen zu können. Denn leider giebt es einen faulen Fleck in Israel, der selbst der Sonde Ihrer scharfsichtigen Kritik, die doch sonst jede Wunde untersucht und jeden Schaden bloß legt, bisher entgangen ist. — ES zeigt sich nämlich jetzt, wo die allgemeine Einführung des Gesetzes vom 23. Juli 1847 fast allen Winkelschulen den GarauS macht, eine sehr große Rührigkeit in den Gemeinden, neue Schulen ins Leben zu rufen. Wenn man nun bedenkt, daß die Schule die Pflanzstätte ist, wo die Keime für das ganze geistige Leben in des Kindes Herz gelegt werden, so ist eS wohl ganz am Platze, wenn wir ein Wort über eine Art Bewerber, vulgo Stellenjäger, an die refp. Gemeinden richten. Es fehlt uns nur an einer richtigen Bezeichnung für dergleichen Subjekte, da selbst der große Buffon uns im Stiche läßt, und wäre es nicht zu barok, würden wir sie „Parvenüs in der Wissenschaft" benamsen. — Diele Gemeinden haben leider noch die Marotte, bei der Besetzung der Lehrerstellen nicht auf die frühere Wirksamkeit, auf die erzielten Erfolge u. s. w. eines Bewerbers ihr Augenmerk zu richten, sondern lassen sich häufig durch erschlichene Empfehlungen und dergleichen blenden, und hat der Bewerber gar ein Doctor-Diplom in der Tasche, so ist an Abweisung gar nicht zu denken. — Wisset Ihr denn aber, Gemeinden Israels! auf welche Weife Mancher in den Besitz eines solchen Talismans gelangt? — Ich kenne einen solchen Herrn, dem, ohne daß er einmal die nöthigsten Elementarkenntnisse besitzt, der ungeheuerliche Gedanke kam, sich den Doctor-Titel zu verschaffen. ES ist leider eine tiefe Schmach unsres Jahrhunderts, daß manche Universitäten hierin-so wenig Vorsicht gebrauchen! — und da unser Herr einige reiche Verwandte in Contribution setzte, so hat er auch wirklich seinen Zweck erreicht. Daß dann der Herr Doctor nicht menss decliniren, nicht orthographisch schreiben kann, waS thut das, wenn er nur seinen Titel hat. Man läßt sich nur noch ein schwarzes Sammtkäppchen anfertigen, giebt seinem Backenbarte die Form eines Hufeisens und jedem Eckensteher eine Visitenkarte mit diesem alles besiegenden Titel, und so ist unser Mann eingezeichnet in das Buch der großen Geister. Nun drängt man sich — bringt sogar bedeutende Opfer — zu jeder Trauung, zu jedem Begräbniß — wenn auch ein öffentlicher Skandal dadurch herbeigeführt wird — um als Redner zu brilliren, und der schöpferische Geist eines solchen Jüngers der Gottesgelahrtheit giebt dann ein wunderliches Conglomerat der verschiedenartigsten Plagiate seinen Zuhörern zum Besten, wobei diese immer noch weniger zu bemitleiden find, als die armen Autoren, mit deren geistigem Eigenthum ein so schändlicher Mißbrauch getrieben wird. — Wenn der verehrte Leser vielleicht zu dem Glauben geneigt sein sollte, daß ich zu stark auftrage, so irrt er. Ein kleines Beispiel wird ihm hinreichend klar machen, daß meine schlichte Federzeichnung weit hinter dem Bilde der Wirklichkeit zurückbleibt. Jener in einer Nacht entstandene Doctor — .“rr: po — wollte diese merkwürdige Umgestaltung seiner selbst einem ihm bekannten Rabbinenmiktheilen. Um D eu t sch zu schreiben, hatte er eine Menge geographischer und grammatikalischer Klippen zu umschiffen gehabt, dem er sich nicht gewachsen fühlte; Ebräisch war nun vollends eine terra incognita; was also thun? — O, unser Doctor ist um ein Auskunftsmittel gar nicht verlegen. — Er besitzt einen ebräischen Briefsteller — natürlich mit jüdisch-deutscher Uebersetzung —