Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1855)
- Date
- 1855-04-09
- Page
- Seite 186 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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186 gefaßt zu haben scheinen, der traurigen Wahrnehmung gegenüber, daß solche Institute, namentlich waS den Gottesdienst betrifft, häufig kurz nach ihrem Entstehen wieder verfallen, und daß die Gemeinden wieder in Apathie verfinken — rühmlichst anerkennen und fie in diese Blätter als Denkmale des allmäligen Fortschrittes eincegiftriren. Die jüdische Gemeinde zu Langenselbold bei Hanau ist es, für die wir diesmal ein Ehrenplätzchen in dieser geschätzten Zeitung beanspruchen. Dieselbe befitzt eine nette Synagoge und während einer Reihe von Jahren, seit welcher Zeit ihr gegenwärtiger Lehrer dort sungirt, einen geregelten Gottesdienst mit Chorgesang, — eine gute Elementarschule, deren vorzügliche Leistungen durch wiederholte BelobungSschreiben Seitens der Regierung an den Lehrer Anerkennung fanden. Es ist die Strebsamkeit dieses Mannes um so mehr anzuerkennen, als derselbe vorher längere Zeit in einer ganz andern Carriere lhätig war, er war nämlich Soldat, resp. Unterosficier. — Auch bestehen in dieser Gemeinde regelmäßig wiederkehrende Confirmationen. Möchten fich durch diese Mittheilung recht viele Gemeinden bewogen fühlen, ähnliche Einrichtungen ins Leben zu rufen und — zu erhalten. AuS Württemberg, Anfang Aprils. (Privatmitth.) Durch Seine königl. Majestät ist der Hofagent S. I. v. Kaulla auf sein Ansuchen von der Function eines Mitglieds der k. israelitischen Oberkirchenbehörde gnädigst entbunden worden. Zu Mitgliedern der k. Oberkirchenbehörde wurden ernannt: S. M. Kaulla und Adolph Levi, Privatgelehrter in Stuttgart, der Secretair Jordan wurde zum Collegialassessor bei der Oberkirchenbehörde befördert. Herr Adolph Levi wurde auch zum Kirchenvorsteher in der israelitischen Gemeinde Stuttgart gewählt; ein Beweis, wie viel Vertrauen der Mann besitzt, der mit hingebender Aufopferung als Vorsteher des israelitischen Waisenvereins der Sache der Waisen dient. Die Cultusangelegenheiten der Israeliten Württembergs find durch diese neue Acquifitionen der Centralcultbehörde in guten Händen, da die früheren tüchtigen Kräfte dadurch verstärkt werden und zu hoffen steht, daß Einmüthigkeit unter den Notablen in der Berathung und Ueberwachung der religiösen Interessen der Glaubensgenossen herrschen wird. — Ende vorigen Jahres ist der greise Rabbine Wassermann in Mergentheim in Ruhestand versetzt worden; derselbe war 20 Jahre in Mergentheim und fast eben so lange in Laupheim Rabbiner; sein eminentes rabbinischeS Wissen, seine Gewandtheit in der heiligen Sprache erwarben ihm allseitig Verehrer. Sein Sohn, Dr. Wassermann in Mühringen, verdankt ihm seine schönen Kenntnisse der jüdischen Literatur. Der provisorische Nachfolger Wassermanns ist der Candidat der mosaischen Theologie, Sänger, langjähriger Erzieher im Hause des Herrn v. Biedermann in Wien. Rabbinatsverweser Sänger giebt sich als tüchtiger Kanzelredner kund, seine Vorträge entsprechen ganz den Anforderungen wissenschaftlicher Kanzelberedtsamkeit, neben logischer Schärfe sind fie von poetischem Schwung getragen, Action und Diction entsprechen den Regeln der Aesthetik, besonders zu rühmen aber ist es, daß Herr Sänger feine Predigten auf dem Fundamente des Judenthums aufbaut und nicht nur trockene Moral, nach rationalistischer Weise, vom Predigerpulte herab verkündigt, sondern ächte nationale Religiosität zu wecken sucht. Der Vater deS RabbinatSverweser Sänger ist der israelitische Lehrer Sänger in Laupheim, der als tüchtiger Schulmann von seiner Gemeinde und den Behörden schöne Anerkennung gefunden hat. Zu bewundern ist eS, wie der israelitische Familienvater bei sehr bescheidenen Mitteln in der Kindererziehung Großes zu leisten vermag. So hat Rabbiner Wassermann, bei fast ärmlichen Verhältnissen, vier Söhne den Wissenschaften, dem Lehramre und Gewerben übergeben, nebenbei noch aber hatte er mehrere Töchter auözustatten. Ebenso hat Lehrer Sänger in Laupheim mit 300 Fl. jährlichem Gehalt „fünf" Söhne schönen Berufen gewidmet. Der älteste ist Rabbiner, der zweite Arzt, der dritte Justizreferendar, der vierte Botaniker und der jüngste Oekonvm. Freilich hat unsere israelitische Oberkirchenbehörde kräftig aus der Centralkasse diese Unternehmungen unterstützt; aber immerhin wird diese väterliche Liebe und Aufopferung eine schöne Zierde deS JudenthumS sein und bleiben, auf die wir stolz sein dürfen. — In Stuttgart ist die orthopädische Heilanstalt der Herren vvr. Korbek und Großmann von Israeliten frequentirt. DaS Institut hat die Heilung von Verkrümmungen deS Rückgrates und der Glieder, wie Klumpfüße und dergleichen, zum Zwecke, und sein Ruf hat sich glanzend bewährt. In der freundlichsten