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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-04-02 · Heft 14 (2.4.1855) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 14 (2.4.1855)
Date
1855-04-02
Page
Seite 176 (sequence 8)
Language
German
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116 Zwecke der „außerordentlichen Unterstützung der Nothleidenden" gebildet hat, oder wo nicht wenigstens — zu demselben Zwecke — eine Collecte veranstaltet worden. An vielen Orten ist sogar Beides geschehen und oft außerdem noch aus der Corporationskasse eine größere oder kleinere Summe zur schnellen Linderung der Roth hergegeben worden. — Einige Beispiele solchen Edelsinnes haben wir Ihnen in unserem Berichte vom 4. d. M. mitgetheilt; AehnlicheS könnten wir — wenn es der Raum dieser Spalten erlaubte — z. B. auS Lissa, Rawicz, KrotoSzyn, Pleschen, Ostrowo, Schmiegel, Kurnik u. a. m. erzählen, und selbst die kleinern und ärmern Gemeinden des GroßherzogthumS, wie da find: Jarocin, MiloSlaw, Wittkowo, Czernijewo, Schokken u. s. w. würden uns zu unserm Referate, wenn wir es ausdehnen wollten und dürsten, sehr interessante Notizen liefern. — Es genüge jedoch, zu bemerken, daß wenn es gilt, „den Brüdern in der Noth beizustehen", man hier nirgends zurückbleibt, sondern vielmehr allenthalben gern und schnell Alles, was nur möglich, dazu beiträgt, Druck und Mangel — lassen sie sich auch nicht ganz beseitigen — doch wenigstens zu lindern und um Vieles erträglicher zu machen. — Schade nur, daß daS bekannte „8'ne Israel rachamanim“ sich blos da bewährt, wo „körperliche Noth" nach Hülfe schreit. Denn würde dieselbe Bereitwilligkeit, dieselbe Freigebigkeit in unfern Gemeinden auch da angetroffen, wo es gälte, für die Seele zu schaffen und zu wirken, der geistigen Armuth helfend entgegenzutreten — z. B. die bestehenden Unterrichtsanstalten zu erweitern und zu verbessern, für zeitgemäßem und ausgedehntem Religions-Unterricht zu sorgen, schlechte Lehrkräfte durch bessere zu ersetzen, auf pünktlichem und regelmäßigem Schulbesuch der ärmern Kinder zu halten, längst verwaiste Kanzeln mit geeigneten Subjecten zu besetzen und in größem Orten auch besondere Erziehung-- und Waisenhäuser zu gründen — dann, ja dann müßte so manche Klage verstummen, so manches Uebel schwinden und so manche gute Saat aufgehen — da, wo jetzt nur Domen und Disteln wuchern, die wenigen gesunden Keime verderbend, die noch hier und dort zerstreut umher liegen. — Bei den neulich in Posen stattgehabten ErgänzungSwahlen zur Stadtverordneten-Versammlung find wiederum 3 Israeliten in dieses Collegium gekommen, so daß in demselben jetzt der jüdische Theil der Bevölkerung PosenS durch 10 Männer vertreten wird. — Die Psalmvorlesungen (resp. Erklärungen) deS Herm Prediger Pleßner sind diesen Winter größtentheilS stark stequentirt gewesen. — Vom Streben nach Bildung und Fortschritt zeugt daS Factum, daß sich seit einigen Monaten im Salon eines jüdischen Restaurateurs jeden Freitag Abend eine Gesellschaft junger Israeliten und Israelitinnen versammelt, um daselbst die Vorträge eines anerkannten Gelehrten über „neue Literatur" zu hören. In Lissa wurden am 13. v. M. die Ueberreste eines Mannes zu Grabe gebracht, der dort gegen 40 Jahre lang „im Weinberge des Herm gearbeitet." Dieser Mann war der höchst kenntnißreiche, allgemein geachtete Lehrer Joseph Töplitz, welcher bis zum 1. Januar c. — wo er in den Ruhestand versetzt wurde — an der dortigen jüdischen Gemeindeschule 18 Jahre lang angeftellt gewesen, nachdem er daselbst vorher schon etwa 20 Jahre hindurch als einer der angesehensten und beliebtesten Privatlehrer gewirkt hatte. Besonders hervorragend waren seine Kmntniffe in den mathematischen Wissenschaften, und war es in der That ergötzlich, zu sehm, mit welcher Geläufigkeit und Sicherheit noch in seinen letzten Jahren die schwersten Ausgaben und Probleme in der höhern Geometrie, Algebra, Trigonometrie u. s. w. von ihm gelöst wurden. Durch Herausgabe seines Buches „über praktische kaufmännische Buchführung" (welches 1832 in Berlin gedruckt worben) hat Herr Töplitz sich auch in weitern Kreisen einen Namen erworben. Eine andere ausgedehnte Schrift „über landwirthschaftliche Oekonomie" ist bis jetzt Manuscript geblieben. — Aber nicht minder umfangreich, als in den erwähnten Fächern, waren die Kenntnisse des Herrn Töplitz in der hebräischen Sprache und Literatur. Sein Styl im Hebräischen war fließend und correct, und, was er aus dem Deutschen in die genannte Sprache übertrug, meistentheilS gelungen. Das Uebersetzen, und namentlich daS metrische Uebersetzen, gehörte in frühem Jahren überhaupt zu seinen Lieblingsbeschäftigungen; doch hat er auch — wie dem Referenten, der sich auch unter die große Zahl der Schüler des Verewigten zählt, genau bewußt ist, — viele hebräische Originalia in Poesie und Prosa geschrieben. Wenn die Söhne deS Verstorbenen (deren einer in Posen als Lehrer der kaufmännischen Buchfühmng und der andere am Gymnasium zu Lissa als Lehrer der Mathematik und der

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