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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-04-02 · Heft 14 (2.4.1855) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 14 (2.4.1855)
Date
1855-04-02
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 28. v. M. im Locale der dasigen jüdischen Resource eine „Soiree" stattgefunden, welche von den Israeliten des Ortes sehr zahlreich besucht und somit ein Zeugniß war von dem Wohlthätigkeitsfinne, der diesem Theile der Bevölkerung PosenS innewohnt. Was die Leistungen betrifft, so sollen sie allgemein befriedigt und unter den Dilettanten (lauter Israeliten) Einige recht entsprechende Talente gezeigt haben. Am hervorragendsten jedoch war die Leistung deS oben erwähnten jungen Rosenthal, welcher ein Andante und den letzten Satz deS Beriol'schen zweiten Concerts eben so sicher alS geschmackvoll auf der Violine vorgetragen. In Bromberg besteht seit fünf Jahren unter den Israeliten ein „Kranken - UnterstützungS - und DeerdigungS- Verein", der nun schon circa 80 Mitglieder zählt, auf Gegenseitigkeck gegründet ist und zum Zwecke hat, bei vorkomwenden Krankheitsfällen nicht nur für ärztliche Hülfe, Medicamentc, Nachtwachen, Pflege u. s. w. zu sorgen, sondern auch dem Erkrankten, falls dieser es beansprucht, auS der Vereinskasse ein zinsenfreieS Darlehen bis zur Höhe von 100 Thalern zu gewähren. Dieser Verein feiert jedes Jahr am 7. Adar (MosiS Sterbetag) sein Stiftungsfest und hat eS dieses Jahr (am 24. v. M.) wieder gethan. In der Gemeinde Chodziesen hat der Vorstand — in Rücksicht auf die herrschende Roth — circa 50 Thaler unter die armen Juden vertheilt. In Rakel wurde — in derselben Rücksicht — Mitte v. M. durch den Vorstand der israelitischen Gemeinde unter den wohlhabenden Mitgliedern derselben eine Geldsammlung veranstaltet und deren Ertrag, welcher sehr reichlich ausfiel, zur Anschaffung von Holz und Lebensmitteln für die Armen verwendet. — Auch durch den vom dasigen Rabbiner Friedmann vor einem Jahre gegründeten „Unterstützungs-Verein", dessen Tendenz eS ist, „an redliche Gewerbtreibende zinslos Geld zu leihen und eS in kleinen Raten zurückgezahlt zu nehmen", ist in diesem harten Winter schon recht Tüchtiges geleistet worden. In Schneidemühl wird schon den ganzen Winter von dem dasigen Rabbiner Brann in seiner eigenen Behausung an jedem Freitag Abend ein „Vortrag über jüdische Geschichte" gehalten — ein Mittel, welches — wie wir vernehmen — ganz besonders dazu beigetragen, die Parteien, die sich dort Jahre lang sehr schroff gegenüber standen, einander zu nähern und mit einander auszusöhnen. In der Gemeinde Wollstein haben sich in diesem Winter zwei Vereine gebildet, deren jeder die „Wohlthätigkeit" zum alleinigen Zwecke hat. Der zuerst entstandene will „arme Greise und Kranke unterstützen", dies aber nicht durch Einziehung „fester Beitrage", sondern vielmehr nur auS dem Ergebniß der „freiwilligen Gaben" bewirken, welche allwöchentlich in einer — durch den Gemeinde-Diener in die Häuser zu tragenden — verschlossenen Büchse sollen gesammelt werden, — ein Mittel, wodurch fast sämmtliche Mitglieder der Gemeinde an dem Vereine sich betheiligen können. — Der später gegründete Verein, für welchen zur FondS-Bildung sogleich 150 Thlr. gezeichnet wurden, hat es sich zur Aufgabe gemacht: „Lebensmittel aller Art anzukaufen und dieselben zur Hälfte deS Kaufpreises an Arme abzulassen." — Von einem in derselben Gemeinde neulich verstorbenen, wohlhabenden jüdischen Kaufmanne ist sein ganzes hinterlasseneS Vermögen (auS mehreren Tausend Thalern bestehend) zu wohlthätigen Zwecken legirt und unter Anderem bestimmt worden, alljährlich an seinem Sterbetage eine Summe Geldes unter die Armen des Ortes — ohne Unterschied deS Glaubens — zu vertheilen. In Neustadt bei Posen wird von umliegenden Gutsbesitzern alle Wochen drei Mal Suppe und Fleisch unter die Armen vertheilt, — und da die jüdischen Armen nach ihrem Gesetze hiervon keinen Gebrauch machen können, — diese jedeSmal mit Geld entschädigt. — Von einem dortigen jüdischen Kaufmann, NamenS Wolf Samuel, sind auf Einmal 30 Viertel Kartoffeln unter die Armen Vertheilt worden. Aus der Provinz Posen, 7. März. (Privatmitth.) Der diesjährige überaus harte Winter hat, wie die noch immer herrschende Theuerung der Lebensmittel, den bemittelten und wohlhabenden Juden des GroßherzogthumS ganz besonders Gelegenheit gegeben, ihren Wohlthätigkeitssinn — eine Tugend, welche ihnen auch ihre schlimmsten Feinde nicht streitig machen können — an den Tag zu legen. Sie werden in der ganzen Provinz vielleicht nicht eine einzige Gemeinde finden, wo sich nicht — neben den längst bestehenden Wohlthätigkeits - Instituten — noch ein besonderes „Comite" oder gar ein „Verein" zum

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