Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1855)
- Date
- 1855-04-02
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
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174 torS der dafigen israelitischen Brüder-Gemeinde, in dem großen Saale des Bazar vor einem überaus zahlreichen Auditorium ein Flügel - Concert gegeben, worüber der berühmte Musikkenner A. Vogt in Nr. 11. der P. Z. am Schluffe seiner Recenfion sagt: „Sein (des Wunderkindes — denn so wird der junge H. K. dort genannt) Spiel überrascht Jung und Alt, sein Talent erregt allgemeine Bewunderung und läßt Großes sür die Zukunft hoffen." — Bei dem am 27. v. M. (in demselben Saale) von den beiden Virtuosen HanS v. Bülow und F. H. Truhn veranstalteten großen Concerte hat ebenfalls ein noch ganz junger Israelit auS Posen, NamenS Mar Schereck, auf dem Piano mitgewirkt und durch sein fertiges Spiel außerordentlichen Beifall geerntet. — Endlich ist noch von dem 17jährigen israelitischen Jünglinge Jakob Rosenthal, Schüler des ConservatoriumS zu Leipzig, ein Violin-Concert angekündigt, das am 7. d. M. im Bazar-Saale stattfinden soll und von welchem man in Posen um so Größeres erwartet, als der junge Rosenthal daselbst schon vor drei Jahren durch sein treffliches Geigenspiel große Bewunderung erregt hat. — Dem Provinzial - Landtage zu Posen ist während seiner letzten Session ein ärztlicher Bericht „über die Wirksamkeit der Prov.-Jrren-Heil-Anstalt zu Owiensk (bei Posen)" erstattet worden, in welchem die — allerdings auffallende — Erscheinung, daß unter den 719 Irren, welche von 1838 (dem Eröffnungsjahre des Instituts) bis Ende 1852 in die Anstalt ausgenommen wurden, 122 Juden (neben 372 Deutschen und 225 Polen) sich befunden haben, mit folgenden Worten erklärt: „Am auffälligsten erscheint nach Maßgabe deS provinziellen BevölkerungS-Verhältnisses die überwiegend große Anzahl der jüdischen Gemüthskranken, von denen die Anstalt zeither benutzt wurde. — Zur Erklärung dieses Umstandes dürste Berücksichtigung verdienen 1) das notorisch reichliche Maß von Fürsorge, welches die jüdischen Corporationen und Familien ihren kranken Angehörigen zu widmen pflegen; ferner 2) die zu psychischen Anregungen vorzüglich disponirende kaufmännische Erwerbslhätigkeit, samml der eigenthümlichen ercessiven Gewinnsucht; nicht minder 3) daS sinnverwirrende, phantastische Dunkel ihrer bilderreichen talmudistischen Glaubensquellen, und endlich 4) die vorherrschende nervöse Reizbarkeit dieses ursprünglich orientalischen und in fremdartiges Klima versetzten, in mehrfacher Hinsicht geistig sehr begabten VolkSstammeS" *). Ende v. M. haben 10 jüdische Handwerker in Posen einen Austuf, betitelt: „An unsere israelititischen Brüder und Handwerksgenossen in Posen", erlassen, in welchem — unter Hinweisung auf den seit Jahren unter den jüdischen Handwerkern Berlins bestehenden und segensreich wirkenden Verein — mit sehr ergreifenden Worten dringend aufgefordert wird, unter den Inden PosenS einen „Handwerker-UnterftützungS-Verein in Krankheitsfällen" in'S Leben rufen zu helfen. — „Wir haben hier — sagt der Aufruf unter Anderem — unter unserer jüdischen Bevölkerung gewiß doppelt so viel Gewerbtreibende alS in Berlin und auch eine bedeutend größere Anzahl Unbemittelter darunter, als daselbst, folglich müßte unser Verein auch noch mehr an Ausdehnung gewinnen, und fegenbringender werden, weil die Zahl der Unterstützung Bedürftiger viel größer fein wird." — Der Aufruf schließt mit den Worten: „So möge denn der Allmächtige, der Vater der Armen und Nothleidenden, besonders unfern wohlhabenden Brüdern ihre Herzen erleuchten und dahin lenken, sich recht zahlreich diesem Kranken-Verein anzuschließen, damit ein Verein, dessen Tendenz daS Leben ist und gilt, Bestehen habe und segensreiche Früchte bringe, wo dann der Segen des Himmels und der Dank von trostlosen Frauen und Kindern unser reicher Lohn sein wird." — Zum Besten der für die jüdischen Armen PosenS eingerichteten täglichen Suppen-Vertheilung hat am *) Der geschätzte Einsender ersucht uns hierbei um unsre Ansicht über die angegebenen Causalmvmente. In der Thar ist Nr. 1. richtig, indem die jüdischen Irren in stärkcrm Verhältniß nach einer guten Anstalt, und früher gebracht werden. Auch Nr. 2. hat seine Richtigkeit, die Speculationswuth im Großen und Kleinen ist für die Psyche ein unheilvoller Einfluß, der schon manches Gehirn zum Wirbeln gebracht hat. Das dritte Moment ist geradezu falsch, denn gerade die talmud isch e Satzung hat etwas Einfaches, Nüchternes, Bestimmtes, welches eher den Verstand als die Einbildung in Anspruch nimmt — ja, wenn es noch unter den Chassidim in Russisch - Polen wäre. Im vierten Punkte hätten wir nur die Zurückführung auf die orientalische Genesis zu tadeln. Auch die Deutschen find aus Asien und ungefähr zur selben Zeit eingcwandert, wie wir Juden! Die nervöse Reizbarkeit, die bei den Juden größer ist, findet ihre Ursache vielmehr in der Erziehung, Beschäftigung und dergleichen mehr! Redact.