Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1855)
- Date
- 1855-04-02
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
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172 zu den Anhängern des Simon ben Schetach Karaim genannt, jene Rabbanim. So berichtet Khaleb Aba zu seinem Werke mna«a nntJ* (bei Trigland p. 79). Andere setzen noch hinzu, daß Juda ben Tabbai, ein Zeitgenosse des Simon, eS war, der die reine biblische Lehre erhalten und;u verbreiten gesucht habe. Dieser Ansicht ist auch Juda Halevi im Cusari III. 42"., eä. Brecher. ES würde zu weit führen, diese Annahmen hier einer ausführlichen Kritik zu unterwerfen, und wir verweisen darum die geehrten Leser auf die treffliche Abhandlung Geiger's, Karäische Literatur, Zeitschrift II., 100 ff. Der Ansicht Geiger's, daß aprni in der oben angeführten Stelle in der Bedeutung genommen werden dürste, „feststellen", ohne Beziehung auf schon ftüheres, nur schwächeres Vorhandensein, können wir nicht beistimmen, da der Sprachgebrauch dies nicht zuzulaffen scheint. Aus der angeführten Stelle geht auch hervor — D^rarr nbnbniJ drückt eben dies schwächere Vorhandensein aus — daß Anan nicht als der eigentliche Stifter zu betrachten sei. Das Constituiren der Karäersecte war allerdings das Werk Anan's, das Princip des Karäerthums dagegen hatte jedenfalls vor ihm Anhänger, wenn auch gerade nicht viele. Diese zu vereinigen, zu vermehren und zu kräftigen war sein Streben und cs gelang ihm dies um so leichter, als die Zeit dazu durch die Vorgänge im Islam so günstig war. Die Opposition gegen die Traditionslehre macht daS eigentliche Wesen des KaräismuS auS, doch unterscheidet er sich dadurch weit von dem SadducäismuS, daß es bei diesem Princip war, am Buchstaben der schriftlichen Lehre;u hängen, über ihn in keiner Weise hinauszugehen, und er daruoi nicht blos die Erklärungsweise der Pharisäer, sondern jede Erklärung deS GotteSworteS verwirft, die in den Geist desselben cinzudringen und ihn zu erfassen sucht. Die Karäer dagegen bemühen sich, die Schrift nach den Regeln der Grammatik und den logischen Gesetzen zu inrcrvrctiren'') und widerstreiten blos die Richtigkeit und Autorität der rabbinischen Interpretationen. Daß sie ein klares Verständniß des Golteswortcs erstreben und den Grund der göttlichen Vorschriften zu erfassen sich bemühen, wird auch im Cusari a. a. O. erwähnt. Es heißt dort: a a s n n a a ■> b n n » a arr a^snpfn ambaoa pn a^onon banosin ynroniODfiti mnbina .tan» roiaa ab 1 *) Klar und bestimmt ist dies an einer Stelle in dem karäischen Werke Dine Schechita ausgesprochen, wie ich mich im L. Bl. des Orients, wenn ich nicht irre, Jahrgang 1840, gelesen zu haben erinnere. Khaleb Aba sagt in der Vorrede zu seinem angeführten Werke: „Der Streit zwischen den Karaiten und Rabbaniten rührt aus drei Ursachen her. Die erste Ursache ist die, daß die Rabbaniten sagen, daß viele Dinge dem Moseh am Sinai mündlich mitgetheilt worden, die in der Thora nicht verzeichnet find und er sie seinem Schüler Josuah überliefert.... Sie alle find mündlich überliefert und durch Mosch nicht ausgeschrieben worden, ° bis eine Zeit kam, da die Thora in Vergessenheit gerieth, und den (weisen) Männern dieser Zeit es gut schien, sie niederzuschreiben. Wir Bne Mikra aber glauben dies nicht, sondern Alles, was Gott dem Vertrauten seines Hauses befohlen, schrieb er in der Thora nieder. Kein Gebot aber ist mündlich überliefert worden, das nicht ausgeschrieben worden wäre, und wir haben keine andere Lehre, als die von Moseh geschriebene. Der zweite Grund ist der, daß sie sagen, das in der heiligen Schrift Enthaltene bedürfe der Erklärung durch die Tradition. Wir aber glauben, daß Alles, was in der Thora steht, seine Erklärung in sich selbst habe. Denn wenn das nicht so wäre, so hätte es keinen Nutzen und wäre vergeblich. Die dritte Ursache ist die, daß sie behaupten, die Thora gestatte ihnen. hinzuzufügen und wegzunehmen bei den Geboten und Verboten, so wie es den Weisen jedes Zeitalters gut dünke. Wir aber widerstreiten das; denn es heißt Deut. IV. 2: „Ihr sollt nicht hinzufügen zu dem Worte, daS ich euch heute befehle, und auch nicht davon wegnehmen. Wenn du aber findest, daß wir uns zur Ausübung und Beobachtung von Dingen verpflichtet halten, die nicht ausdrücklich in der heiligen Schrift nicdergeschrieben find, und auf der andern Seite wieder Dinge, die nicdergeschrieben find, die wir aber nach der einfachen offenbaren Wortbedeutung auffaffcn und darum nicht sorgfältig beachten, so hat dies in der Interpretation und der Forschung seinen Grund; denn die göttliche Lehre ist den Weisen gegeben, eins aus dem andern abzuleiten, (soxiinb o^aanb r-are nmnrr -an -pna -an) Es ist dies aber kein Hinzuthun und Wcgnrhmen, sondern gerade ein Zaun, daß wir in dem Netze des Hinzufügens uns nicht verstricken." l2) l2) In eigenthümlicher Weise gicbt Makrizi bei de Sacy, Ldrest. arabe I. p. 299 den Grund der Differenz zwischen den Rabbaniten und Karaiten an. Die Rabbanitcn, sagt er, die Bönu Mischnu heißen (welches Wort so viel bedeutet, als zweite), haben deshalb diesen Namen, weil sie vielen Werth legen auf den zweiten Tempel. und sie ihn eben so hoch halten und verehren, wie den ersten Tempel. Die Karaiten dagegen hegen gar keine