Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1855)
- Date
- 1855-04-02
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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171 Nach und nach verlor fich der Einfluß der Sadducäer mehr und mehr, und als mit der Auflösung des Reiches auch das Streben, Politisch zur Geltung zu kommen, wie das früher der Fall war, aufhörte, hörte auch die Energie des Kampfes auf, die Opposition trat gänzlich zurück, und die Pharisäer drangen durch und befestigten immer mehr das Ansehen der Tradition. Bei diesem glänzenden Siege des Pharisäismus hat sich aber doch sicherlich hier und da eine Reaction gegen diesen Standpunkt erhalten, die, wenn auch thatsächlich nicht hervortretend, im Stillen fortwirkte und von Geschlecht zu Geschlecht fich fortpfianzte. Der Widerspruch hatte sich einmal, und zwar in so entschiedener Weise, geäußert und konnte darum, wenn auch in der Masse zurückgedrängt, dock nicht so total vernichtet werden, daß nicht einmal in Einzelnen eine Spur davon zurückgeblieben sein sollte. Bei günstiger Veranlassung von Außen mußte der Kampf, wenn auch, weil unter andern Verhältnissen, in anderer Weise von Neuem fich erheben und neue Energie gewinnen. Dies war denn auch der Fall. Zm Islam hatte die Frage, ob die Sünnas eben in das ihm gebührende Licht setzen. In der Einleitung zu seiner Geschichte der neuern Philosophie seit Kanr äußert sich Braniß an der Stelle, wo er von dem Mcsfiasreiche spricht, S. 321 in folgender Weise: „Im Pharisäismus, als dem Ausdruck des prävalirenden Denkens, war das Streben, den Begriff der Heiligkeit in der Gestalt des ganzen Lebens zu realisiren, die Weise, in welcher das Subject sein Bürgerlhum im messianischen Reiche zu bewähren suchte. Darum genügte auch die Art der Gesetzeserfüllung nicht, wie sie von der Masse des Volkes geübt wurde; in die möglichst engsten Schranken mußte das natürliche Dasein eingeschlossen werden; fast jedes einzelne Gebot im Pentateuch erschien der Betrachtung als eine Kategorie, die eine Menge gesetzlicher Bestimmungen unausgesprochen in sich enthielt. Diese herbe Asketik, wenn sie auch später bei vielen Pharisäern (bei allen gewiß nie) in Hochmulh, äußern Schein und Heuchelei ausartete, war in ihrer Ausbildung gleichwohl aus dem riefstenGrunde des religösenBewußtseinS, aus dem ernsten Streben des Individuums, fich für die mesfianische Zukunft vorzubereiten, hervorgegangen." 6) Die Sunna (?üLL) ist eine Sammlung von Traditionen, die fich auf Muhamed beziehen. Sie umfaßt 1) seine mündlich ertheilten Gesetze, Rathschlägc, seine Gesetzesentscheidungen. 2) seine Handlungen, Werke und Gewohnheiten und 3) sein Stillschweigen bei verschiedenen Handlungen der Menschen, womit er seine Billigung zu erkennen gegeben und so ihre Gesetzmäßigkeit festgcstellt. so religionsgesetzlich und von derselben Autorität sei, wie der KurLn selbst, Veranlassung zu einem heißen McinungSkampfe gegeben, der die Muhamcdaner in zwei Hauprsecten theilte, nämlich in Sunniten (die ihr anhingen) und Schiiten (die ihr widerstritten). Dies Ereigniß blieb nicht ohne Wirkung auf die Juden. Der Geist des Widerspruches gegen die Tradition trat nun mir neuer Kraft hervor, und Anan ben David, vielleicht auch aus persönlichen Rückfichtcn dazu getrieben, stellte sich an die Spitze der Opposition und constituirte die Seele der Karäer^). Dies geschah im Jahre 750. Diese Begründung der Karäcrsccte durch Anan erzählt einer ihrer eifrigsten Gegner, Abraham ben Dior (bl. 1160 bis 1 ISO) 8> in seinem jüdischen Grschichtswerk mit folgenden Worten: rix ri^anb 17221 •••cna *1:2 21x21 rrn (’i^ai l'2 ,’B bV X17372 “,pt N22721 " 'L'72271 7122p 2273 2X12'' n^-PTsbri -pTsym n“ico 12m casoTi bx 21722 -rbab ibibii pinn inx ^2 srana xb c*>pn 12272 X121 •aptm '22 17322 *72 Die Karäer selbst geben ihrer Secte als solcher ein hohes Alter und zwar verlegen sie ihre Entstehung in die Zeit deS Königs Alexander Jannäus. Auf Grund der Talmudstelle Kidd. 66') 10), die mit ben Worten “772x1 “27371 ^X2 2 711212 “,2 1721X beginnt und mir den Worten 7722 “,2 v?oo X22 12 2121:1273 2212771 irrm nroT-b 7iiiri7i rix iinn schließt, sagen sie, daß Simon ben Schetach, der Schwager deS Königs Jannäus, der Einzige, der bei der allgemeinen Verfolgung der Weisen und Gesctzeslehrer fich gerettet, mir einer mündlichen Lehre ausgetreten sei und willkürlich neue Lehren ausgestellt habe, die mit dem mosaischen Gesetze nicht übcreinstimmen, oft ihm ganz widersprechen. Dagegen habe sich nun der Widerspruch Vieler erhoben, und diese wurden im Gegensätze Siehe D'Ohffon, Schilder, des othman. Reiches, deutsch von Beck, S. 17. i) Karäer, ''Xip, bedeutet Schriftlehrer, wie pl. und Kurän - Leser. Es hängen diese Bezeichnungen eben so mit einander zusammen, wie xip73 und olr* 8) Bei Trigland a. a. O. p. 36. 9) Nämlich des R. Juda Gaon. 10) Vergl. auch daselbst 48': xri2272i “p727i 121 1221b inb by piisi ■’im '1712 «nE*n 12^12. 14*