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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-03-26 · Heft 13 (26.3.1855) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 13 (26.3.1855)
Date
1855-03-26
Page
Seite 165 (sequence 11)
Language
German
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165 Falles annehmen wolle. Der Cheffecretair ging darauf ein, und versprach Hülfe und Beistand; und man muß zur Ehre der russischen Beamten hinzufügen, daß, sobald sie von der einen Partei Bestechung angenommen haben, sie sich niemals durch eine zweite erkaufen lassen. Kur; darauf kam der unrechtmäßige Kläger in der Hauptstadt an, und als er zu demselben Cheffecretair kam, merkte er bald, daß derselbe schon durch seinen Gegner erkauft sei. Um zum Ziele zu gelangen, mußte er zu einer andern List seine Zuflucht nehmen. Er befragte den Cheffecretair, wie viel er ihm zu zahlen habe, wenn er ihm die Einsicht in all die Original-Documente erlauben wollte, welche sein Gegner ihm eingehändigt hätte; sie kamen um den Preis von 25,000 Rubel überein. Als er darauf befragt wurde, an welchem Abende er die Papiere dem Verklagten in's Haus bringen wollte, wo er alsdann die festgestellte Summe und ein feines Champagner - Souper erhalten sollte, antwortete der Schreiber, daß er vor acht Tagen nicht kommen könne. Man kam über die Zeit überein, und in einer stürmischen Winternacht erschien der Secretair in des Verklagten Hause mit einer ungeheuren Last von Papieren und Documenten. Er fand den Herrn am hellleuchtenden Feuer sitzend, wurde mit ausgezeichneter Höflichkeit empfangen, und nachdem sie gemüthlich den köstlichen Champagner mit einander getrunken hatten, wendete sich die Unterhaltung dem Geschäfte zu. Der Schreiber übergab die mitgebrachtcn Papiere, und zu gleicher Zeit wurde ihm ein Paquet Wechsel eingehändigt. Während dem er gierig sein Geld zählte, ergriff der Verklagte die Papiere und schleuderte dieselben in daS Feuer, und ehe der Schreiber aufstehen konnte, waren sie von den .Flammen verzehrt. Die heftigste Erbitterung folgte; doch was konnte es nützen? das Feuer hatte schnell die kostbare Nahrung verschlungen. Der Verklagte entließ den Schreiber mit den zornigen Worten, nun wolle er die Sache schon seinen Wünschen gemäß einrichten. Demgemäß erschien er am folgenden Morgen vor dem Senate, erhob vor einem der Procuratoren (höchste Richter) eine Klage gegen den Secretair, daß sein Proceß nie zur Enffcheidung kommen könne, da die Papiere absichtlich von dem Secretair zurückgehalten würden; er trage also darauf an, nach dem Secretair und den Dommenten zu senden. Doch wie groß war sein Erstaunen, als der Secretair erschien und alle die Papiere mitbrachte, welche der Verklagte in der vergangenen Nacht verbrannt zu haben glaubte. Der Secretair, der List zuvorkommend, hatte während der ihm gestatteten acht Tage von all den verlangten Papieren eine Abschrift machen lassen; der Verklagte hatte also 25,000 Rubel für Copien bezahlt, und da er die Aufmerksamkeit des obersten Richters auf die endliche Entscheidung des Proceffes geleitet hatte, so wurde nach Verlauf von 14 Tagen derselbe gegen ihn entschieden. Wiederum hatte sich der jetzige Secretair des Innern, Herr Pcrowsky, ein sehr thätiger und durchaus rechtschaffener Mann, beim Kaiser zu verschiedenen Malen über die Bestechlichkeit der russischen Polizei in der Hauptstadt beklagt. Der Kaiser, welchen diese forNvährcnden Klagen ermüdeten, verlangte einen bestimmten Beweis. Der Minister versprach denselben in 24 Stunden. Nachdem er in seinen Palast zurückgekehrt war, sandte er unverwcilt nach dem Polizei-General, und befahl ihm, einen Hauptmann zu senden, für dessen Zuverlässigkeit er einstehen könne, da er ihm einen wichtigen Auftrag errheilen wolle. Bald darauf erschien ein Hauptmann vor dem Minister. Letzterer erzählte demselben, daß man ihm von der Existenz eines SpielbauseS auf dem Lennox (Hcumarkr) benachrichtigt habe, nannte ihm die Nummer, und er solle es während der Nacht umzingeln, alle die Spieler arretiren, und am folgenden Morgen ihm darüber Bericht erstatten. Der Hauptmann umstellte das Haus mit einer angemessenen Macht und überfiel die Schuldigen inmitten ihres Spieles. Die größte Verwirrung entstand; allein da war nicht zu entkommen; Karten, Geld u. s. w. wurden confiScirt und die Spieler in Arrest erklärt. Als die erste Bestürzung vorüber war, forderten dtc Spieler den Hauptmann auf, ehe er sie hinweg führe, einige Flaschen Wein mit ihnen zu trinken. Er that es. und nach einer halbstündigen Unterhaltung nahmen sie ihn bei Seite und boten ihm eine Geldsumme, wenn er fie gehen lassen wolle. Er verweigerte es ernstlich, doch fie boten ihm größere Summen an, gaben ihm zu bedenken, daß er Leute von Stande in Ungnade bringen würde, ohne irgend einen Nutzen davon zu haben, und daß er das ihm angeborene Geschenk einstecken möge. Geld ist gefährlich und verführerisch, und endlich willigte der Beamte in den Vorschlag. Am nächsten Morgen berichtete er selbst dem Minister, daß er nirgends ein Spielhaus gefunden habe. Doch wie groß war sein Erstaunen, als die Thür des Ministcrsaales fick öffnete, ein Spieler nach dem andern herauskam und dieselben im Gegentheil behaupteten, daß fie Alle durch des Ministers Geheim-Polizei angewiesen worden seien, die Bestechlichkeit des Hauptmanns zu beweisen. Der arme Bursche mußte nach Sibirien gehen, und dort über deS Ministers Scharfsinn Nachdenken. 13**

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