Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1855)
- Date
- 1855-03-26
- Page
- Seite 164 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Wagen vor dem Schlosse des Ministers hielt. Der Departements ^Palast ist ringsum von prachtvollen Gebäuden umgeben. An der nördlichen Seite ist das glänzende Alexander-Theater, in welchem nur rusfische Schauspieler austreten dürfen. ES ist ein ungeheures Gebäude, an beiden Seiten mit griechischen Säulen geschmückt, mit Dronce- und Marmorstamen geziert, und der Tempel der Musen, in welckem die berühmten russischen Schauspieler, Kuratikin und dessen Gemahlin, ihre Lorbeeren und ein Vermögen von einer Million Franken sammelten. Auf der andern Seite ist der Palast deS Ministeriums deS Innern, geschmückt mit Marmor, griechischen Säulen, Statuen, und einer unendlichen Reihe Gemächer. Ihm gegenüber steht ein anderer Palast, die Schule des russischen Theaters, in welchem die jungen Aspiranten, welche sich dem Dienste der verschiedenen Musen widmen, für ihre künftige Laufbahn auSgebildei werden. Diese beiden Paläste bilden eine ganze Straße. Dann kommt der Palast der Abtheilung des öffentlichen Unterrichts. Er ist in einem Halbkreise gebaut, und durch drei ungeheure PorticuS getheilt. Der erste Flügel ist die Wohnung des Ministers, aus einhundert und zwanzig Gemächern bestehend. welche aus dem kaiserlichen Schatze möblirt find, und in jedem Winkel den Reichthum und die Macht der russischen Majestät zu erkennen geben; und in dem linken Flügel find die Geschäftszimmer, in welchen über hundert Beamte beschäftigt find- Er ist in sieben mächtige Räume getheilt, den sieben Districten entsprechend, in welche daS russische Reich in Bezug auf den öffentlichen Unterricht eingetheilt ist. Der Director deS Departements nimmt für seine Person einen sehr großen Raum ein, welchem gegenüber ein ungeheurer großer Saal zu den Versammlungen des Departements bestimmt ist, welcher mit dem lebensgroßen Bildnisse deS Kaisers im vollen kaiserlichen Schmuck geziert ist, umgeben von den Bildnissen bedeutender russischer Schulmänner und den Vorstehern der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, unter welchen auch die Frau Gräfin Dashkoff sich befindet, die weitberühmte Günstlingin der Kaiserin Katharine. Jedem Districte des Departements wird von einem Obersecretair präfidirt, und in seinem Zimmer find eben so viel grüne Tische mit einer hinlänglichen Anzahl von so vielen Beamten, als verschiedene Staaten unter seiner Leitung stehen. Die größte Ordnung, die strengste Disciplin, die äußerste Ruhe herrscht in diesen Räumen; die Beamten kommen und gehen um drei Uhr; zwei Portiers öffnen die Thür, nehmen jedem Beamten Mantel oder Ueberrock ab, und bürsten einem Jeden den Staub ab, ehe er die Marmorstufen betritt, um in sein Zimmer zu treten. Mit der äußersten Höflichkeit begrüßt Einer den Andern, und wenn der Chessecrctair in daS Zimmer tritt, erheben sich Alle und bleiben stehen, bis derselbe seinen Sitz eingenommen har. Alle die Beamten gehören einem der sechszehn verschiedenen Grade an, in welche die Angestellten getheilt werden, und vermöge deren sie zum Adel gehören und Rang, Einfluß, Reichthum und Orden erhalten können. Da befanden sich geborene Fürsten, aus der höchsten russischen Aristokratie, welche nur den untern Graden des dienenden Adels angehörten, während wieder andere Männer den hohen Rang von StaatSräthen bekleideten. Alle Beamten tragen Uniform. Die Militärbehörden tragen militärische Uniformen; die Civilbehörden haben ihre reichen und verschiedentlich gestickten StaatSkleider für die öffentlichen Empfangstage; an gewöhnlichen Tagen unterscheidet sich jede Behörde durch verschiedene Farben und Knöpfe; die Behörde des öffentlichen Unterricht-: blaue Röcke und Beinkleider mit gelben Knöpfen; die Behörde deS Innern: grüne Röcke mit vergoldeten Knöpfen; die Behörde der auswärtigen Angelegenheiten: blaue Röcke mit weißen Knöpfen. Dieses Uniform-System wird so weit getrieben, daß selbst die Schüler der Gymnasien blaue Röcke mit rothen Kragen und gelben Knöpfen tragen, und die Studenten der Universitären, je nach den Facultäten, verschiedene Röcke, einen aufgekrämpten Hut und Degen. So ist daS ungeheure Heer der russischen Beamten streng in Kasten getheilt, durch militairische DiSciplin geregelt, und durch ihre Uniformen stets zu unterscheiden, leicht gehandhabt und beaufsichtigt. Dessen ungeachtet giebt eS in der Verwaltung der Behörden kein Geheimniß, welches den betheiligten Parteien für Geld nicht verralhen würde, und eS giebt keinen Beamten, welcher nicht auf die eine oder die andere Art zu erkaufen wäre. Dem Kaiser ist dies wohl bewußt, doch kann er dem nicht abhelfen, und ich hörte einige Betrügereien, welche zu gut find, um sie nicht mitzutheilen. Zwei Edelleute hatten bei dem Senate, dem höchsten russischen Gerichtshöfe, einen Proceß von ungeheurem Geldbetrag. Diejenige Partei, welche bei einem irgend billigen Gerichtshöfe jede Aussicht gehabt haben würde, ihre Sache zu gewinnen, kam zufälligerweise zuerst nach St. Petersburg, begab sich zu dem Chcssecretair des Senates, welcher die Sache vorzutragen hatte, und bot ihm ein angemessenes Geschenk, wenn er dem Rechte gemäß sich des