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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-03-26 · Heft 13 (26.3.1855) · p. Seite 162

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 13 (26.3.1855)
Date
1855-03-26
Page
Seite 162 (sequence 8)
Language
German
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162 Nicht selten werden sie sogar von einer christlichen Lehrerin der Anstalt in'S Gotteshaus begleitet. — Die Religionsschule hat in den jährlich abgehaltenen öffentlichen Prüfungen schon oft daS Zeugniß eines regen und guten Geistes abgelegt. Der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Sachs, ein bejahrter, aber von jugendlichem Geiste belebter Mann, der trotz seines vorgerückten Alters Freude am Schönen und Zeitgemäßen findet, liebt die Schule und spornt bei jedem Gramen den Fleiß der Schüler durch werthvolle Prämien auS eigenen Mitteln an. — Alle zwei Jahre findet eine Einsegnung der reifern Jugend statt; Knaben und Mädchen treten gemeinschaftlich vor die heilige Lade und bekennen, gewöhnlich vor einer zahlreichen Versammlung, fich laut zu dem ehrwürdigen, theuern Glauben ihrer Väter. Ein solcher Tag ist stets ein Fest für die ganze Gemeinde. Die Trauungen werden alle ohne Ausnahme in dem schönen Gotteshause vollzogen. — Die Leichenbegängnisse find würdig und ordnungsmäßig; an jedem Grabe, bei Arm und Reich, spricht der Prediger angemessene Worte. — Die Todtenfeier, Einsegnung der Wöchnerinnen und daS Gebet für den König werden deutsch abgehalten. — Jüdische Bettler dürfen hier keine Umzüge halten; eS ist zu ihrer Unterstützung eine besondere Kaffe errichtet, die ihnen ansehnliche Gaben spendet. — Zu diesem schönen Geiste dieser Gemeinde hat neben dem bereits erwähnten Vorsteher auch der vor einigen Jahren hier in der Blüthe des Lebens verstorbene Banquier M. Schlesinger als Vorstandsmitglied der Gemeinde einen großen Theil beigetragen. Möge Gott seiner Seele dieses heilige Bestreben lohnen. — Auch finde ich mich in meinem heutigen Berichte verpflichtet, dem durch den Wechsel deS Wohnorts nunmehr auSgeschiedenen VorstandSmitgliede, Herrn Berger, einen Zoll der Anerkennung öffentlich darzubringen. ES verliert nicht nur die jüdische Gemeinde an demselben einen wackern Vertreter, sondern auch die Stadt zählt durch seinen Abgang einen gewandten Mitarbeiter an ihren Communal- Interessen weniger. Eine Deputation deS Magistrats, der Stadtverordneten und der Handelskammer hat dem Scheidenden dies zu erkennen gegeben. — Die Neuwahl des Vorstandes und der Repräsentanten nach der neuen Synagogen-Ordnung ist hier entschieden ächt orchodor ausgefallen. Zu unserem Synagogen-Bezirke gehören noch die Gemeinden LandeShut und Warmbrunn und die Kreise Schönau und Bolkenhain; indeß stehen wir noch in keiner besondern Beziehung zu diesen Filialgemeinden, da die neue Organisation noch immer nicht ernstlich begonnen hat. Ihre Zeitung und daS jüdische DolkSblatt wird hier in mehren Eremplaren mit vielem Interesse gelesen. Die Aufforderung, die armen Glaubensgenossen in Palästina zu unterstützen, hat hier viele warme Herzen gefunden, und Ihr Aufruf zur Gründung einer jüdischen Literaturgesellschaft ist auf hiesigem Platze fast mit Begeisterung ausgenommen worden und in kurzer Zeit war fast die halbe Gemeinde als Theilnehmer gewonnen. — Möge darum eine für alles geistige und religiöse Leben so empfängliche Gemeinde eine anerkennende Erwähnung in den Spalten JhreS Blattes finden. L. Oesterreichischer KaLserstaat. Wien, 15. März. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen nachträglich noch zu berichten, daß die Feierlichkeit im Tempel bei der Geburt der kaiserlichen Prinzesfin sehr schön und erhebend war. So klein und unauSgiebig die Phisharmonika ist, die sonst bloS beim sonntägigen Gottesdienste der HandwerkSlehrlinge gebraucht wird, fo waren doch die vorgetragenen Psalmen durch diese Begleitung viel schöner. Freilich müssen wir auf einen Punkt aufmerksam machen, daß in dem neu zu erbauenden Tempel, wo eine Orgel ihren Platz finden wird, darauf Rücksicht genommen werde, daß das Publikum nicht alS müßiger Zuschauer dastehe. ES soll während deS Gottesdienstes dem Publikum nicht Zeit und Gelegenheit geboten werden, fich anderweitig zu beschäftigen; sonst ist die alte Unordnung mitten unter neuen Formen. Auch das deutsche Gebet deS Herrn Mannheimer war dem Momente sehr anpassend, sehr innig und herzlich. Von den bei der Entbindung Ihrer Majestät der Kaiserin gespendeten Gaben hat der Herr Minister deS Innern auch jüdische Institute bedacht und zwar: Frauen-, Armen-, Handwerker-, WaisenversorgungS- und Kinderbewahranstalt, jede zu dreihundert Gulden und das Taubstummeninstitut mit sechshundert Gulden. Zusammen also 2100 Fl. C.-M. Darunter find einige Hundert Gulden inbegriffen, die im Vorhinein diesem Zwecke bestimmt waren. Ich nannte unter den Vereinen auch den Waisen-

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