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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-03-26 · Heft 13 (26.3.1855) · p. Seite 161

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 13 (26.3.1855)
Date
1855-03-26
Page
Seite 161 (sequence 7)
Language
German
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161 Dr. med. Sachs, eines besonnenen, allgemein beliebten ManneS, constituirt, um die Statuten in Gemeinschaft mit den Repräsentanten zu berarhen. Unter diesen zählen wir viele Capacitäten; ich nenne nur Herrn Stadtrath Dr. jur. W. Friedenthal, Herrn Dr. med. Lodethal und Dr. weä. Grätzer. Letzterer ist erst kürzlich in Folge einer vortrefflichen Schrift über medicinische Statistik unserer Stadt zum SanitätSrath und wegen seiner Tüchtigkeit bei unserer Commune zum Stellvertreter des Vorstandes des städtischen GemeinderatheS ernannt worden. Wir dürfen nun erwarten, daß, wenn solche achtbare Kräfte unsere Angelegenheiten leiten, auch der Friede eine dauernde Stätte finden und das auszuarbeitende Statut allen billigen Anforderungen entsprechen werde. ES wäre indessen wünschenSwerth, daß einzelne Gemeinden ihre Statuten oder deren Grundzüge in jüdischen Blättern veröffentlichten, damit andere sich einigermaßen Raths erholen könnten, wenn auch eine jede ihre besondern Bedürfnisse hat.*) — Unser Herr Cantor Deutsch, der kürzlich einen Ruf nach Paris erhalten und dessen ausgezeichnete Leistung in der Gesangskunst und Leitung deS Chors fich auch dort vielen Beifall erworben hat, wird hoffentlich für unsere neu zu constituirende Gemeinde erhalten werden, sein Abgang würde auch eine nicht so leicht auSzusüüende Lücke verursacht haben. — Ein unlängst gehaltener Festvortrag deS SeminardirectorS Herrn Dr. Frankel hat ein offenes Sendschreiben von Herrn Dan. Eduard, Prediger der freien Kirche Schottlands, hervorgerufen. DaSSchriftchen führt den Titel: „Dem Friedensfürsten sein unveräußerlicher Vorzug bewahrt", und dürfte ebendieselbe Berücksichtigung erfahren, wie die Sendschreiben des Herrn Pick, weiland Predigers zu Bukarest, nämlich — gar keine 1 M. Hirschberg in Schlesien, 8. März. (Privatmitth.) Wenn Ihnen nicht manchmal ein Artikel aus Breslau oder eine Concurrenz-Ausschreibung zur Besetzung einer Stelle für einen Schächter, der zugleich Lehrer und Cantor ist und womöglich gute deutsche Vorträge halten kann, aus Schlesien eingesendet würde, so könnten Sie freilich an der Eristenz der Israeliten in Schlesien noch nicht zweifeln, denn Sie *) Ist in früheren Jahrgängen Seitens Magdeburgs, CrefeldS u. a. geschehen. Die Redaction. sind mit der Statistik zu gut vertraut, wohl aber würden Sie anzunehmen berechtigt sein, daß alles geistige Leben und aller religiöse höhere Sinn inmitten derselben aufgehöret haben. — Mich wenigstens befremdet das, daß fich in dem ganzen Lande kerne Feder findet, die eS werth hielte, über den CultuSzustand unserer jüdischen Landsleute und über ihr Leben und Treiben, sowohl in religiöser als in socialer Beziehung, einen Bericht zu schreiben. Ich bin durch Ihr geschätztes Blatt weit besser über die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden in Amerika und Australien unterrichtet, als über die meines Vaterlandes; ich höre weit öfterer etwas von meinen Glaubensgenossen in der Türkei, auf der Krim und in China, als von denen der nächsten schlesischen Stadt. — In der Erwartung, daß vielleicht Andere meinem Beispiele folgen, will ich Ihnen heute einige Miltheilungen über die jüdische Gemeinde HirschbergS machen. — Diese Gemeinde, auS etwa 40 Familien bestehend, überrascht jeden Fremden, der Gelegenheit nimmt, ihre schönen Institutionen und ihren geregelten Gottesdienst zu sehen. Sie besitzt einen vor 8 Jahren mit großen Opfern erbauten herrlichen Tempel, unstreitig eines der schönsten jüdischen Gotteshäuser des Landes. Die Haltung der Gemeinde im GotteShause ist eine durchgehendS anständige und die Andacht eine würdige. Die Gesänge werden in hebräischer Sprache von der ganzen Gemeinde von Männern und Frauen einstimmig ausgeführt; nur vor der Predigt stimmt ein vierstimmiger, gemischter Chor daS -,:2"w77 in einer größern, sehr schönen Compofition von dem talentvollen Chordirigenten LewondowSky in Berlin an. — Zur Hauptpredigt, die alle 4 Wochen stattfindet, versammelt fich die ganze Gemeinde mit nur vereinzelten Ausnahmen. Die jüdischen Schüler und Schülerinnen werden zu dieser Stunde aus allen Schulen entlassen. Die Ordinarien auf dem Gymnasium haben nach Anordnung des Gymnasial-DirectorS in ihren Classen den jüdischen Schülern anzuzeigen, daß sie von 9 — 1 l Uhr an dem betreffenden Sabbath den Gottesdienst besuchen. Auch wird gegen die jüdischen Schüler die humane Rücksicht genommen, in diesen Stunden in keiner Claffe ein Certamen vorzunehmen. Gleiche Anordnungen werden in der hiesigen srühern Töchterschule getroffen, um den jungen, jüdischen Mädchen aller Classen Ehrfurcht vor ihrem Gottesdienste einzufiößen und sie dazu anzuhalten.

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