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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-03-26 · Heft 13 (26.3.1855) · p. Seite 157

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 13 (26.3.1855)
Date
1855-03-26
Page
Seite 157 (sequence 3)
Language
German
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157 verdanken.'" — So sprach schon im Jahre 1788, also zu einer Zeit, da noch die Humanisten, d. i. die Verehrer und Beförderer der altgriechischen und römischen Wissenschaft und Bildung, nur diese als die allein berechtigte gelten lassen wollten, der edle, durch sein Unglück bekannter gewordene Chr. Fr. Schubart (in seiner Vaterlandschronik v. I. 1788, S. 93). Dieses Wort verdient eine nähere Erörterung. — Wir wollen dem großen und vielseitigen Einflüsse, den die Römer und vornehmlich die Griechen auf die Bildung und Gesittung des späteren Europa's fast für alle Fächer des Wissens übten, fein Verdienst nicht absprechen; ja, wir fteuen uns, sagen zu können, daß ohne Griechen und Römer wohl nie diese Höhe wäre errungen, und, man erlaube uns das Bild, daß ohne Liesen Offa und PinduS niemals dieser Himmel der Cultur von den Neuern wäre erstiegen worden, auf dem uns eine so herrliche und fteie Aussicht durch das ganze, weitschweifige Land der Wissenschaft ergötzt. Ihnen verdankt die neuere Staatskunst manche ihrer Grundsäulen, die Redekunst ihre schönsten Blüthen, die Weltweisheit einen Theil ihrer reichsten und tiefsten Ideen; auS ihrem unversiegbaren Born entquillen noch heute dem Wiffcnsdurstigen labende Ströme und auf ihrem weiten Gebiete, mag es auch noch so lange brach gelegen haben, entkeimen dem neuen Bearbeiter noch immer treffliche Früchte des Wissens. — Aber all dieses find nur, um mich eines rabbinischen AuSdruckeS zu bedienen, die Peripherien um die wahre eine und ewige Weisheit, welche aus der Offenbarungslehre deS JudenthumS hervorauoll. Hier erst war der Markstein der „wahren, die Ewigkeit mir ihrem Glanze überströmenden Aufklärung", und es ist keine selbstgefällige Anmaßung, sondern daS Erkennen des inneren WertheS, daS im Judenthum und seiner Lehre liegt, welches unS dies aussprechen läßt. Denn ohne gerade in den Verdammungsspruch des Kirchenvaters Augustin einzustimmen, daß „alle Tugenden der Heiden nur glänzende Laster waren", — denn wir hegen zu große Achtung vor den Weisen aller Zeiten, die vor oder neben den Juden lebten, — mag man doch wohl behaupten, daß die gebildetsten und edelsten Männer Griechenlands und RomS sich nie dahin schwangen, wohin das kleine und unbeachtete Volk der Juden durch seine Offenbarungslehre gelangt, die nicht nur ihm, sondern allen spärern Völkern, die auS ihr schöpften, Stab und Stütze wurde; und wodurch aus ihr allein Muster und Vorbild einer wahren Aufklärung entsprang. Denn der Monotheismus allein wurde der sicherste Halt- und Strebcpunkt für alle späteren Zeiten, und während das lecke Schiff de» heidnischen Aber-, Irr» und Unglaubens mit so vielen Schätzen anderweitiger Bildung unterging, erhielt sich das Judenthum mir seinem einzigen, aber auch einzig wahren Princip der Gotteinheit (Monotheismus) siegreich über allem Geisterkampf, und eS ward die große Leuchte aller späteren Zeiten (wie richtig die Rabbinen sagen: rmn Nil» l7). Wenn darum daS Christenthum, dieser dem Grundstamm des JudenthumS eingepftopste Zweig, wie PauluS sagt (Römer 11, 17. 18.), das seine wichtigsten Lehre« und moralischen Principien dem Judcnihume entnommen, seine Ansprüche auf die wcitauSgedehnte Bildung der neuern Völker geltend machen will, so spricht es im Grunde damit nur seinen Dank gegen daS Judenthum aus, das, gebaut auf die Basis der reinsten Wahrheit, auch für seinen mächtigen Einfluß auf die wahre, nicht verfliegende Bil-- dunz spricht. Darum ist auch ein anderer Ausspruch desselben Schubart (in seiner VaterlandSchronik v. I. 1788, S. 67) nicht minder beherzigenSwerth: „Gewiß ist'S, daß Gott mit den Juden noch was Große« vorhabe. Der unsterbliche Moses Mendelssohn hat rS in seinem Jerusalem geahnet und der ächte Schriftforscher zittert seiner Ahnung zu. Wenn die Geschichte der Welt einmal ganz und vollendet dasteht, so wird man gestehen müssen, daß die Juden das wichtigste Volk in der Menfchengeschichte gewesen seien." — ES ist ein kühner Adlerblick in die Zukunft, dem wir hoffnungS- und vertrauensvoll auch unsere Blicke nachsenden. — Dr. Klein. Iur jüdischen Ehescheidung. III. Auf unsere in Nr. 5. dieser Zeitung abgegebene Erklärung, die Uebersendung eines durch die Post bettcffend, beliebte eS Herrn Fasse!, Obcrrabbiner in Groß- Kanischa, unserem Verfahren eine „gar nicht zu billigende Aengstlichkeit", und uns selbst „keine allzugroße Belesenheit in den rabbinischen Büchern" vvrzuwerfen. Dieser Angriff veranlaßt uns zu folgender Erwiederung. Bei dem in Frage stehenden 122 waren zunächst folgende drei Punkte in's Auge zu fassen: 1) wurde derselbe nicht durch einen rpVa, sondern durch die Post er-

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