Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 78 (30.6.1838)
- Date
- 1838-06-30
- Page
- Seite 315 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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315 Das A. T. ist der Lehre von der freien Gnade Gottes in Christo, die den Gläubigen rechtfertigt ohne Verdienst der Werke, geradezu entgegen. Die angemessenste Stelle zur Untersuchung hierüber sei: 5 33. Mos. 30, 15 ff. Hier wird ZTIOm ZTTin, d. i. die Sündenreinheit und Glückseligkeit, gesetzt 1) in die Liebe zu Gott, 2) in die Wandlung in seinen Wegen, 3) in die Beobachtung seiner Gebote, Gesetze und Rechte. Von einer blosen Werßheiligkeit ist durchaus nicht die Rede, sondern 1) von der wahrhaften Liebe zu dem geoffenbarten Gotte, 2) von der Wandlung in seinen Wegen, d. i. von den Wegen der Heiligung (3 B. Mos. 19, 2. 20, 7.); 3) von der Beobachtung seiner Gebote, Gesetze und Rechte, deren theils allgemeine am ganzen Leben des Menschen, theils specielle, an den einzelnen Handlungen des Menschen und Israeliten sind. Liebe zu Gott, Heiligung und Gehorsam gegen die göttlichen Vorschriften, die, wie gesagt, theils als allgemeine in das ganze menschliche Dasein, theils als specielle in die Verhältnisse des Einzelmenschen eingreif.n, und hier sich casuistisch modisi'ciren, das ist der israelitische Weg des „Lebens, der Glückseligkeit, des Heiles," auf diesem wollen wir wandeln, und kein Fischer soll uns in dieser unserer Zuversicht irre machen. Doch nicht blos die Bücher Mosis. Womit tritt Jesaias auf? Er verwirft im ersten Kapitel schon das Ceremonialgesetz, sofern es nur mit gewaltthatigen Händen und leerem Herzen geübt wird [N^ riHJC]' 1, 10 ff. — sondern „sich reinigen, die bösen Werke wegschaffen, lernen Gutes zu thun, das Recht suchen, die Gcwaltthat vernich- - tcn rc. Dann werden die Sünden vergeben!" V. 10. 17 und 18. „Durch das Recht wird Zion erlöst und ihre Bekehrten durch Gerechtigkeit." Wo lehrt also Jesaias einen andern Weg des Heils? wie unrecht und sündhaft wäre der Prophet verfahren, so er uns einen Weg geleitet, auf dem wir nicht zum Heile zu kommen vermögen? Wie spricht sich Jeremias aus, welche die rechte Erkenntniß sei? Kap. 22, 15 und 16. Von wem sagt Ezechiel, daß er lebe? Kap. 18, 5 ff. Kap. 32, Vers 13 ff. und so unzählige Stellen. So beruhet das A. T. ganz auf sich selbst. Der einzige Anknüpfungspunkt wären die bekannten, messiaNischen Stellen. Das wäre ein streitiger Punkt. Aber Herr F. wird es gewiß recht finden, wenn wir hier nicht einmal als Juden sprechen und auf unsere Auslegung uns be- Erbsündc? Welch' ein plumper Versuch wäre jene gewesen, die Erbsünde zu tilgen? Wird nicht schon Noah wegen seiil-s persönlichen Verdienstes erhalten? Wir bitten, diese Frage wohl zu beherzigen, ich habe sw noch nirgends vorgelegt gefunden, und doch liegt pe so nahe. rufen wollen, sondern einen christlichen Theologen befragen, und zwar denselben, der ein Lehrbuch über Judenbekehrung geschrieben. Dr. Schulze spricht sich in in No. 171. der Kirchenzeitung darüber aus, ob man bei Judenbekehrungen sich der durch die christl. Kirche messianischgedeuteten Stellen des A. T. bedienen dürfe, da die neuesten Untersuchungen erwiesen hatten, daß diese Stellen kernen messianischen Sinn hätten. Wenn dies die Untersuchungen der christl. Theologen erwiesen, so brauchen wir uns gar nicht darum zu kümmern und sind der Mühe enthoben. Freilich hilft sich der Herr Schulze, indem er sagt, trotz diesem Wissen, daß sie keinen messianischen Sinn haben, könne man sich ihrer gegen die Juden bedienen, weil man sich im Neuen Testamente darauf beruft, und sie alfo damals unter dem jüdischen Volke als solche gegolten! — Wir wollen die Täuschung, die also jedenfalls Herr Schulze vorhat, von der moralischen Seite nicht einmal nehmen, weiß aber H. Sch. nicht, daß bei jeder neuenLehre manBeweise in den Schriften der alten sucht? Man erlaube uns den Vergleich, und verzeihe ihn, hat nicht Hahnemann die Homöopathie aus den Schriften des Hippokrates erweisen wollen, die ihm Andere z. B. der selige Sprengel, als falsch erklärt, sehr wohl nachgewiesen haben? — Folglich brauchen jene Stetten gar nicht als messianisch unter dem Volke damals gegolten haben, wenn sich auch das N. T. daraus beruft. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken, Paris, 10. Mai. Lettres Zarfatiques *). —. Ueber den dritten und vierten Brief gehe ich hinweg, da sie nichts Neues und Bedeutendes enthalten. Der erftere spricht sich wiederum über den Bruch, der zwischen dem Leben und der Schule bei den Israeliten starr findet, aus, und dringt abermals auf dessen Vermittelung. Der leckere läßt sich über die Veränderungen des jüdischen Kalenders in Frankreich für das Jahr 5öd4 (1^23—24) aus, unter der Autorität des Ritters von Colog.na, in welchem nehmlich Moled und Tekoupha weggelassen, die h o h e n Festrage mir italienischen Buchstaben bezeichnet wurden, und tadelt die chronologische Lasel der Ereignisse dieses Kalenders, wo z. B. die Erbauung der pariser Synagoge, aber nicht der Zusammentritt des Sanbedrin's bezeichnet sei. Zuletzt will er, baß man zum europäischen Kalender übergehe, indem er darauf aufmerksam inacht, daß unser Kalender erst durch den Traktat Kidoschachodesch von Maimonides gegen 1170 eingerichtet worden ist. Hier ist wol Z a rfa ri am meisten in seinem Unrecht, La in bürgerlicher Beziehung dieser Kalender gar keinen Einfluß mehr hat, und in religiöser Hinsicht die Trennung von ihm die höchsten Jnconvenienzen für die Gesammtheir und keinen einzigen Vorlbeik darböte. Der fünfte Brief ist einer der schärfsten und witzigsten, und •) Dergl. No. 01. 32. 55.