Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1855)
- Date
- 1855-03-19
- Page
- Seite 147 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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147 Mitglieder angemeldet, und doch sind erst aus wenigen Orten die Listen eingelaufen. Es find neuerdings Agenten geworden: 12) Professor der Astronomie, Herr vr. S. F. Jonas in Kopenhagen. 13) Dirigent der israel. Bürgerschule, Herr Budwig in Posen. 14) Lehrer Herr Blumenfeld in Essen. 15) Rabbiner Herr Lengsfelder in Warasdin in Croatien. 16) Israelitischer Prediger Herr Julius Landsberg in Hirschberg (Schlesien). Herr Prediger vr. A. Jellinek in Leipzig hat sich erboren, falls der Druck der Schriften in Leipzig geschehen werde, alle Besorgungen für Druck u. s. w. zu übernehmen. Wir ersuchen fernerhin alle Freunde der guten Sache, ihr ihre Bemühungen zu schenken. Aus zu vielen Orten ist uns bereits begeisterte Theilnahmsbezeugung zugekommen, als daß wir nicht bei dem Projecte beharren sollten. Es ist erstaunlich, was eine anregende Kraft oft an kleinen Orten vermag, während in den größeren, weil jene fehlt — alles Tohu Wabohu ist und verfällt. Doch wir werden schon einmal Gelegenheit nehmen, unsre reichen Erfahrungen dieser Art dem Publikum vorzulegen. Ein kleines, aber nicht unwichtiges Werk. Nachdem die deutsche Predigt sich in unsren Gotteshäusern einheimisch gemacht, ist es nach und nach zu Gefühl und Bewußtsein gekommen, daß die Predigt ohne deutsches Lied vor und nach derselben nur ein halbes Werk sei. Die für die Predigt fruchtbare Stimmung wird erst durch dieses Lied geweckt, und erst durch dieses tritt sic mit dem hebräischen Gottesdienst in ein angemessenes Wechselverhältniß. Zwei Momente verhinderten aber bis jetzt, daß das deutsche Lied sich bei uns cinbürgcrc. Zuerst, daß der Choral ein für den Juden durchaus nicht passender Styl ist. Diese Langsamkeit, Steifheit, Einförmigkeit kann nur goutirt werden, wenn man von Kindheit an daran gewöhnt ist. Die Synagoge hat sich den Choral nur gefallen lassen, wenn es einmal gar nicht anders ging, und da deutsches Lied und Choral einerlei schien, wurde jenes mit diesem nicht gern gesehen. Alsdann, daß es so wenige ansprechende und uns nahe Terte gab. Wir wollen nicht weiter aburtheilen, aber während die Hamburger Sammlung meistens für die Masse zu hoch, zu glatt, zu steif gehalren ist, so daß ich sie z. B. in der Schule nicht brauchen konnte, besteht die Fohlson'sche und Württembergische aus zu vielen ftemden Elementen, und ächt jüdischer Lieder find wenige da. Ich bitte, dies nicht als einen Ausspruch über deren allgemeinen Werth anzusehen, aber eben so offen gestehe ich, daß die Praris beim besten Willen mir den Gebrauch derselben verhinderte. Diese beiden Momente sind zu beseitigen, um dem deutschen Liede das Bürgerrecht in der Synagoge zu schaffen. So wie die Predigt erst dann ansing heimisch zu werden, als sie, für das Judenthum begeistert, den Inhalt des letztern nachdrücklich zu lehren und an den großen historischen Stoff desselben sich anzulehnen begann — also wird auch das deutsche Lied, sobald der Tcrt ein jüdischer geworden sein, und die Melodie einen angemessenen Schwung gcftinden haben wird, schnell sich Raum gewinnen. Als ich im Jahre 1851 mit dem Vorschläge auftrat, statt des Chorals sogenannte rhythmische Lieder in der Synagoge anzuwenden, fand dieser allgemeinen Anklang; ich gab einige Proben, und diese haben bereits in viele Synagogen Eingang gefunden. Seitdem habe ich in der hiesigen Synagoge die Versuche fortgeführt, die Terte, von mir verfaßt, wurden, zu den Festen auf Octavblätter gedruckt, an den Eingangsthürcn vertheilt. Da nun hieraus sich eine ganz ansehnliche Sammlung bildete, und die Gemeinde die Kosten jener Blätter nunmehr ersparen wollte, stellte der verehrliche Vorstand das Verlangen an mich, eine Sammlung von Liedern und Melodien herauszugeben, damit die Gcmeindemitglieder sich dieselbe zum dauernden Gebrauch in der Synagoge anschaffen könne, für die Schüler und Schülerinnen die vielen Schreibereien erspart würden. Ich habe dies nun ausgeführt, und noch zu Peßach erscheint in Baumgärtners Buchhandlung in Leipzig ein „Kleines israelitisches Gesangbuch, enthaltend: deutsche Lieder und zweistimmige Melodien zu den hohen Festen, zu Confirmation, Trauung, Synagogenweihe, Todtenfeier und vaterländischen Festen" (Geburtstag des Landesfürsten). Es find 52 Lieder, von denen 34 zu den fünf hohen Festen, der Rest zu den angegebenen Festlichkeiten, einige Hallelujah's rc., sämmtlich von mir verfaßt, und find die jüdischen gottesdienstlichen Momente überall hervorgehobcn. Von den 18 zweistimmigen Melodien find nur zwei Choräle, die übrigen rhythmische Lieder, welche demungeachtet dem frommen Zwecke entsprechen.