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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-03-19 · Heft 12 (19.3.1855) · p. Seite 145

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 12 (19.3.1855)
Date
1855-03-19
Page
Seite 145 (sequence 5)
Language
German
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145 Erstaunen auszudrücken, daß Viele von den ehrenwerthen Mitgliedern, welche sich für die Unterlassung einer jeden Unterstützung aus der Staatskasse schon so oftmals ausgesprochen und schon so oft Beschluß faßten, gar keine Summe zu diesem Zwecke zu votiren, daß sie sich doch günstig für diese Motion aussprachen. Sie führten an, die Juden tragen viel zu den Einkünften der Colonien bei und wären deshalb zu diesen Ansprüchen berechtigt. Ja, er gestehe fteimüthig, daß die Juden berechtigt seien, Schutz vom Staate zu genießen, überhaupt zu all den Vortheilen, welche eine gute Regierung gewährt, sie seien berechtigt zum Genüsse des Friedens, der guten Straßen und Brücken, sie genössen Sicherheit ihres Eigenthums, seien ungehindert, ihre Rechte bei den Gerichtshöfen zu vertheidigen und zu behaupten, aber in so lange man nicht hier als Princip Larlegen könne, daß alle Geistlichen der jüdischen Religion vom Staate erhalten werden sollen, so lange habe man nicht das Recht, diesem einzelnen Geistlichen etwas zu bewilligen. Man habe bezüglich der Rechte der Juden auf gewisse Vorgänge in England verwiesen; man werde wohl nicht ignorircn, daß innerhalb der letzten Monate die Bill wegen Zulassung der Juden in's Parlament vom Hause der Gemeinen durch eine Majorität von 4 verworfen wurde, und unter dieser Majorität befand sich Mr. D'israeli. Er (Mr. Martin) wisse wohl, daß der Antrag ein sehr populärer wäre. Die große Mildthätigkeit der Juden, besonders der in Sidney domicilirenden, habe ihnen viele Freunde gewonnen, die zu erörternde Frage behandle jedoch ein wichtiges Princip und kann nicht auf dem Prüfsteine der Popularität (test ok populsritx) entschieden werden. Er begreife nicht die Stärke der von dem General-Anwalt gemachten Argumentation, als er anführte, daß die Juden denselben Gott, den die Christen anbeten, auch verehren. Die Muhamedaner verehren diesen einigen Gott eben so gut, wie die Juden. Juden und Muhamcdaner seien sich so weit gleich, daß fie beide Monotheisten sind, und er möchte wohl ftagen, ob der gegenwärtige Antrag vorgcbracht wurde, um vom Staate für Bekenner des einigen Gottes Unterstützung zu verlangen? Zum Schlüsse bemerke er noch, daß, wenn das Haus, wie es schon oft gezeigt habe, die Richtigkeit des großen Princips, daß der Staat für Religion überhaupt Unterstützung zu leisten, bezweifle, so sei die Annahme des Antrags nicht der Weg, diese Frage zu bereinigen. Wenn man dem Rabbiner in Sidney den verlangten Gehalt bewillige, warum sollte man dann nicht auch dem Rabbiner in Goulburn und andern Landstädten, wo Juden wohnen, einen Gehalt bewilligen? (Hort, hört, von Mr. Holrvyd.) Er sei gegen daS Princip und stimme daher nicht für den Antrag. — Mr. Nichols sagt als Schlußerwiederung, daß die von dem ehrenwcrrhen Mirgliede für Durham gemachte Opposition ihn nicht überrascht hätte, da er weiß, daß jenes geehrte Mitglied den Glauben hege, daß alle Confesfionen, mir Ausnahme der bischöflichen Kirche, im Jrrthum wären, und daß diese allein vom Staate unterstützt werden solle. Er (Mr. Nichols) hoffe jedoch, daß der Tag nie kommen werde, daß eine Religion als herrschende Staatskirche in Australien erklärt werde. Er glaube, daß, so lange die Regierung verschiedenen Confesfionen Unterstützung gewähre, die Juden ihren Anthcil daran mit Recht beanspruchen könnten. Sollte einmal das von manchen Seiten gewünschte fteiwillige System eingeführt werden, so unterliege es keinem Zweifel, daß die Juden ihren Geistlichen dann auch selbst erhalten werden. Was das Budget anbelangt, so bestreite er die Ansicht, daß es mit vorliegendem Anttage etwas zu schaffen habe. (Hört, hört!) Er war überrascht über den Verlauf der Rede des geehrten Mitglieds für Cook und Wcstmoreland. Er erwartete gewiß die Unterstützung jenes Mitglieds, obgleich er nicht im Geringsten die Gewissenhaftigkeit seiner ausgesprochenen Gesinnungen bezweifle. Einem Ausdruck, den das ehrenwerthe Mitglied gebrauchte, müsse er feierlichst widersprechen. Er machte den Juden den Vorwurf, daß fie eine besondere, von uns verschiedene Nation wären. Auf diesem Punkte angekommen, trage er kein Bedenken, zu behaupten, daß die Juden eben so loyal, ja noch loyaler als jede andere Confession im Staate wären, und wo fie sich je niederließen, wo fie von den Gesetzen anerkannt seien, seien sie eben so achtungswürdig als jede andere Corporation. Hier, in dieser Colonie, seien fie kein isolirtcr Volksstamm, fie wurden bona 66e Ansiedler, kauften Land, erzogen ihre Kinder wie die anderen Staatsbürger. Er stehe nicht an, zu sagen, daß, ehe viele Jahre vergehen werden, manche Glieder des mosaischen Bekenntnisses einen Sitz in dieser gesetzgebenden Versammlung einnehmen und ihrem Vaterlande als Zierde gereichen werden. Die Opposition des Colonial-Secretairs habe ihn nicht gewundert, da dieser wahrscheinlich die Nase, die die damalige vollziehende Gewalt unsers Landes bei Gelegenheit der Uebcrgabe der schon erwähnten 1000 L. St. an die Juden zur Vollendung ihrer Synagoge vom Tyrannen des Amtes, Lord Grey, bekommen hat. Die Zeit, wo dieses sich ereignete, ist vorüber und kehrt nicht

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