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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-03-19 · Heft 12 (19.3.1855) · p. Seite 143

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 12 (19.3.1855)
Date
1855-03-19
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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143 Mr. Holroyd drückte sein Erstaunen auS über den so eben gehörten Versuch, die Dill zu verwerfen. Die Frage sei: Ist die Maßregel gerecht, oder ist sie es nicht? Ist sie billig, oder nicht? Sollten die Juden dadurch beschimpft (stigmatired) werden, daß man sie ausschließe und ihnen keine Unterstützung zur Anstellung eines Geistlichen gewähre, weil ihre Voreltern in Palästina, in Syrien geboren wurden? Er stimme mit dem chrenwerthcn Colonial-Secretair überein, daß, wenn diese Summe von dem Hause bewilligt werde, sie verbunden wären, eine gleiche Summe der ersten Seele Mahomedaner, die sich anfiedelten und darum nachsuchten, zu bewilligen. Was ihn betreffe, so sähe er gern eine größere Anzahl Mahomedaner in dem Lande; für alle Arten von Arbeiten, häusliche oder landwirthschaftliche, harte oder leichte, könnten keine besseren Dienstboten gewonnen werden. Sein ehrenwcrlhcr Freund schiene ganz erschreckt bei dem Gedanken an ihre Mollah's, aber er (Mr. Holroyd) würde sich freuen, ihre Moscheen und Minarers in der Stadt errichtet zu sehen. Unter allen Classen von Christen, die er getroffen hatte, habe er nie so viel wahrhafte Frömmigkeit gefunden, als bei den Mahomcdanern. Um auf die vor's Haus gebrachte Frage zurückzukehren, so gebe er derselben seine volle Zustimmung. Die Juden verdienten es wohl, den übrigen Consesfionen gleichgestellt zu werden. Sie erbauten große und elegante Häuser in der City und wirken kräftig mit an der Beförderung der Städte im Innern, besonders durch ihre Industrie und ihren Eifer in jedem Geschäftszweige. Sie seien sehr unternehmend, große Consumenten, haben ausgebreitcte Geschäfte und leisten Beträchtliches zu den Staatseinkünften. Das Haus würde nur einen Acr der Gerechtigkeit üben, wenn cs dieses Wenige, um das die israelitischen Bürger nachsuchcn, bewillige. — Diese seien freilich jetzt keine Nation, die sich im Kriege auszeichne, doch wie gern kamen sie bei der jüngsten Gelegenheit herbei, und spendeten großmüthig mehr als die zwei Kirchen in der Stadt zur Unterstützung der Wirtwen und Waisen der Soldaten, die in dem jetzigen Kriege, welchen das Mutterland führt, gefallen waren. — vr. Douglaß sagte, er stimme für den Antrag. Ohne Zweifel werde der Schatzmeister der Colonien (Colonial Treasurer) in der Weise handeln, die er am vortheilhaftesten für die Regierung halte. Er glaube jedoch, daß die in Rede stehende Motion vom Hause genehmigt werden solle, der Grund, daß der verlangte Zuschuß nicht im Budget verzeichnet sei (was not on the Schedules), sei von gar keinem Einflüsse. Sollten die Juden vom Budget (Leliedule) ausgeschlossen sein, weil sie nicht dieselben religiösen Ansichten wie wir haben? Als die Frage von der Zulassung der Juden in's Parlament zu Hause verhandelt wurde, so wurde sie vom Untcrhause jederzeit mit Acclamation ausgenommen, im Obcrhause jedoch stets verworfen. Warum? Weil die Bischöfe, die dort sitzen, sich stets der Frage widersetzten und so ihre Niederlage herbciführten. Jene Juden, welche wegen ihrer Religion nicht angenommen wurden (discarded), find gerade die Leute, ohne deren Eristcnz auch das Christenthum nicht eristiren würde. Der ehrenwerthe Secretair der Colonien solle ja nicht auf das Budget zurückkommen und sagen, es sei dort keine Position zu einem Zuschüsse für die Juden ausgestellt. Werde die Maßregel gerecht gefunden, so hätte das Haus die Macht, sie zu fördern und die verlangte Summe zu bewilligen. Die Juden suchten durch die vor's Haus gebrachte Motion die Stellung einzunehmen, die ihnen unter den übrigen Classen der Bevölkerung gebührt und worauf sie volles Recht hätten, Anspruch zu machen. Die Versammlung würde unnatürlich und ungerecht handeln, wenn sie die Maßregel verwerfen würde. — Mr. Cowper kann den Antrag nicht unterstützen. Er wolle damit nicht sagen, daß die Juden nicht gleiches Recht auf eine Unterstützung vom Staate mit den Bekennern der andern Religionen hätten, so lange nämlich diese Unterstützung allen Confeffionen ohne Unterschied bewilligt werde. Schon ftüher hatte er seine Ansicht über diesen Punkt angedeutet, und er bestätige hier, daß, wenn der Staat eine Religion für die herrschende Landcsreligion erklären würde, er mit Vergnügen einer andern Confession. die um unfern Beistand nachsuchtc. Recht zu verschaffen suchen würde. Aber beim gegenwärtigen Stand der Dinge, wo allen Parteien Zuschüsse ertheilt werden, müsse er seine Zustimmung versagen, und sähe lieber, wenn der Staat gar keiner Religion Beiträge spenden würde. — Mr. Darvall sagte, von allen Fragen, welche vor's Haus gebracht wurden, sei das eine der schwierigsten und lasse Manchen Bedenken tragen, seine Meinung zu äußern. Alle seien sich wohl bewußt, daß sie Präjudiz halber gegen das Gesetz stimmen sollten, ihr Rechtsgefühl lasse sie jedoch ganz anders denken. Es sei ihre Pflicht nicht, sich als Richter in Religionssachen aufzuwerfen, sobald aber der Staat sich einmischen und ausfprechen würde, was recht oder was unrecht wäre, so hätte er seine Pflicht überschritten, und in unserem Lande An- 12*

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