Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1855)
- Date
- 1855-03-05
- Page
- Seite 125 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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125 der Menschenbefreiung. Seine schon früher geäußerte Furcht vor den Waffen, die drohende Haltung der Of» ficiere, weil er nicht in das Lob Friedrichs eingestimmt hatte. Alles mochte Zusammenwirken — der Wahnsinn bricht hervor. — Nach und nach erst traten wieder lichte Momente in dem Zustande Ephraims ein und auch der Leser athmet auf in solchen Zwischenräumen. Tief ergreifend ist der Besuch des Grabes seiner Eltern von Seiten Ephraims. Ermattet kehrt er zur Natur und zum stillen Frieden seiner Jugend zurück. Er saß am liebsten im Garten seines Bruders unter einer schattenbreiten Hängeweide, in der Hand — die Psalmen Davids in der Ursprache. Vortrefflich ist die Scene, wo seine völlig wiederkehrende Ruhe nach einem Gewitter geschildert wird. Nur noch einmal wurde er aufgeregt, mächtig, gewaltig. Es war bei der Nachricht von der Erstürmung der Bastille, und später von der Erklärung der Menschenrechte, und dies letztere war es, was ihm am Abend seiner Tage, als er geistig und körperlich verstümmelt war — der Schlag hatte ihn gerührt — wieder zu neuem Leben erweckte: was so Viele unglücklich machte, woran er selbst war zu Grunde gegangen, hatte sich jetzt zu lösen begonnen. Noch einmal schien das Leben in ihm gleich einem ersterbenden Lichte auftuflackern. Bald aber erlag er, und der Tod erlöste ihn von seinen Leiden. So sahen wir ein Leben an uns vorübergehen, wenigstens zum Theil, und an ihm die Zustände der Juden jener Zeit, aber auch vielfach die allgemeinen Bildungszustände, von denen die jüdischen ihre Nahrung zu ziehen damals wiederbegonnen. Wenn wir auch nach dieser Seite, und zwar gerade in der Hauptsache, das Gemälde als mangelhaft bezeichnen müssen. Wir sehen in Ephraim ein Opfer der traurigen Ausnahmegesetze, die weniger nach dem Wcrthe des Menschen, als nach der Confesfion fragen. Wann wird dieser Schlund, der schon so viele schöne Kräfte verschlang, sich schließen.'- Correspon-enz. Dr. Lilieuthal's Aufenthalt in Rußland. (Nach the Iaraellte.) V. . New-Dork. Ich wurde von dem Departement für öffentlichen Unterricht benachrichtigt, daß ich noch acht Tage länger warten müßte, bis der Minister, Graf Uwaroff, zurückkehren würde. Da ich entschlossen war, die Hauptstadt nicht eher zu verlassen, als bis ich mich meinem künftigen Herrn vorgestellt hätte, versuchte ich, die Zwischenzeit auf die bestmöglichste Weise zu verbringen, und zu meiner größten Freude fand ich sogar eine Gelegenheit, den Kaiser inmitten seines militairischen Glanzes und seiner Macht zu sehen. Zweimal im Jahre, in den Monaten Mai und November, hält der Kaiser NicolauS in Person die Parade des ganzen kaiserlichen Gardecorps ab, welches in Petersburg sich auf 70,000 Mann beläuft und aus Divisionen der Infanterie, Cavallerie und Artillerie zusammengesetzt ist. Diese Garde ist gewiß das schönste Militaircorps der Welt. Jedes Regiment besteht aus 3000 Mann, Alle sind von demselben Wüchse, über sechs Fuß Höhe, das Haar von derselben Farbe, der Bart von demselben Schnitte, und in der Cavallerie die Pferde jedes Regimentes von derselben Farbe. Einige Wochen vor dem zur Parade bestimmten Tage werden sic, ob das Werter stürmisch oder windig, heiß oder kalt ist, von ihren Generalen eingeübt, und es ist wirklich merkwürdig, mit welcher Genauigkeit diese Myriaden sich bewegen. Die Musikbandcn find äußerst zahlreich, manchmal aus 50 bis 60 Mann zusammengesetzt. Es war an einem Sabbach, an welchem die Parade vor sich gehen sollte. Früh am Morgen wurde die ganze Stadt durch die schrillenden Töne erweckt, welche die Regimenter zu dem Platze in der Mitte der Hauptstadt riefen, auf welchem diese unendlichen Schaaren sich bewegen sollten. Ich ging um 9 Uhr hin und fand die ganze Garde schon in vollkommener Ordnung. Die commandirenden Generale kamen in Wagen an, und ehe sie ihre reickgesattelten Pferde bestiegen, wurden diese von ihren Begleitern nochmals gesäubert, obgleich auch nicht das geringste Staubfleckchen zu sehen war. Um 11 Uhr begannen die Kanonen der Festung zu salutiren, und während fast alle Generale im geschlossenen Wagen angekommen waren, erschien der Kaiser in einem offenen Wägelchen, nur von einem Pferde gezogen; er bestieg ein schönes, schwarzes Roß, welches voll Stolzes über seine edle Bürde erschien. Eine zahllose Menge von Generälen, an deren Spitze der Großfürst Alexander, des Kaisers Bruder Michael und die Minister und Gesandten waren, welche Alle von Gold strahlten und deren Brust mir Orden und Bändern bedeckt war, empfingen den mächtigen Mann, mit dessen Erscheinung ein neuer Geist diese wartenden Legionen zu beleben schien. 10--*